Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XVII
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ZUM Ortnit XVII

nehmen darf, nur die selbständigen erweiterungen, die das gedieht im
gemeinen texte erfahren hat, habe ich in den anmerkungen mitgeteilt, und
zwar alle, auch diejenigen, welche entweder nur in ac oder nur in e stehen,
obgleich man bei diesen keine Sicherheit hat, dass sie der ursprünglichsten
fassung des gemeinen textes angehören, eine andere einschränkung war
notwendiger: es musten solche Strophen ausgeschlossen werden, die bloss
aus versen, welche sich bereits an anderen stellen vorfanden, zusammen-
gestellt sind, ich habe diese stücke in geregelter mhd. Orthographie wieder-
gegeben, auch habe ich überall die regelrechten grammatischen formen her-
gestellt; nur solche mundartliche eigenheiten, die sich schon bei aleman-
nischen dichtem des 13. Jahrhunderts finden, habe ich stehen lassen, die
abweichungen der hss. a und e teile ich, soweit sie nicht bloss orthographi-
scher art sind, vollständig mit, die abweichungen von c mir da, 100 sie die
lesart von e gegen a bestätigen, und in einigen fällen, wo ich ihre lesart
gegen a und e angenommen habe, wo a c und e sich gegenüber stehen, bin
ich im ganzen ac gefolgt, wenn nicht die lesart in e augenscheinlich die
bessere war. die wenigen emendationen, welche ich vorzunehmen wagte,
habe ich in den text gesetzt, ausser den Zusätzen des gemeinen textes habe
ich in den anmerkungen auch die oben erwähnten, K und z eigentümlichen
stücke mitgeteilt.

Über den Ortnit hat Müllenhoff im 13. bände von Haupts Zeitschrift
ausführlich gehandelt, er hat gezeigt, dass der Ortnit durchaus das werk
eines dichters sei. aus dem umstände, dass der dichter, seinem dialekt nach
zu urteilen, den baierisch-Österreichischen gegenden angehörte, ergab sich
zugleich, dass er nicht später als um die mitte des 13. Jahrhunderts gedichtet
haben könne, dass er vor 1241 gedichtet habe, dafür gibt das Eckenlied
ein zeugnis ab. dass er bestimmt um 1225/26 gedichtet habe, beweisen die
beziehungen auf gleichzeitige historische ereignisse und zustände, was das
letztere ergebnis betrifft, so habe ich der beweisführung nichts hinzuzufügen,
aber die zuerst erwähnten umstände lassen sich jetzt auf grund des neu
gewonnenen textes genauer darlegen.

Dass der Ortnit durchweg von einem dichter herrühre, beweist schon
der eigentümlich ausgeprägte und sich selbst immer gleich bleibende stil;
ebenso die gleichmässige eigenheit seines Versbaues, in noch höherem masse
zeigt das die composition der fabel. nie erscheint in verschiedenen teilen
des gedichtes eine verschiedene auf fassung der sage; nirgends wird die
kenntnis anderer sagen zum Verständnis der erzählung vorausgesetzt; es
tritt keine person auf, über die der leser nicht sogleich unterrichtet würde,
und ebensowenig wird irgend eine person zweimal eingeführt, wie so oft in
derNibelunge not; markgraf Helmnot und burggraf Engeiwan, die 10. 30.
31 als brüder eingeführt wurden, erscheinen 202. 208 nur als der mark-

ß
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