Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XXI
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zum Ortnit XM

und des Eckesachs (Thidr. s. c. 98) galt; wo aber Alberich auch Ortnits
waffen gefertigt haben soll, stammt die notiz immer mittelbar oder
unmittelbar aus unserem gedickte {Laiirin im Dresdener heldenbuch,
Walberan). über Alberich, den der dichter an stellel des Yljas zum
vater Ortnits macht, muss ihm eine reicher ausgeprägte Überlieferung zu
geböte gestanden haben, als sich sonst in deutschen quellen findet. Alberichs
rolle ist wesentlich dieselbe wie Aubrons im Huon de Bordeaux, dass Albe-
rich einem kinderlosen königspaar zu einem erben verhilft, ist ein viel ver-
breiteter märchenhafter zug. eigentümlich ist die erzählung, dass die Ver-
kündigung durch einen träum Ortnit in den wald hinaus lockt (73), dass
er von seiner mutter mit einem geheimnisvollen ring ausgestattet {nach
üf43 und vorrede des Heldenbuchs hat der vater diesen ring für ihn zurück-
gelassen) dort Alberich findet, der ihn mit der sagenberühmten brünne aus-
rüstet; dass Alberich ihm noch einmal warnend vor seinem tode erscheint
und den wunderbaren ring wieder zu sich nimmt. Alberich mag schon in
der Überlieferung zu irgend einem könige oder helden in einem ähnlichen
Verhältnis gestanden haben, wie hier zu Ortnit. die Verbindung dieser
sage von Alberich mit der Hartungensage ist geschickt und vorsichtig durch-
geführt, da Alberich zum vater Ortnits wird, so muss Yljas zum oheim
werden; damit wird zugleich der Widerspruch beseitigt, der in der Überlie-
ferung lag, dass der Riuze der vater des Lamp arten ist. dass Yljas an der
meerfahrt teil nimmt, war wol in der sage begründet, und das ist wol auch
der grund, warum der dichter ihn überhaupt noch neben Alberich beibehal-
ten hat. Yljas nimmt zu Ortnit auf der meer fahrt ganz die Stellung und
würde des vaters ein, was str. 53. 54 (vorr. des Heldenbuchs HS. 290)
sorgfältig motiviert wird, der eigentliche vater Ortnits, der alte könig von
Lamparten, wird um Widersprüche zu vermeiden so wenig als möglich
erwähnt und nie mit namen genannt, nicht einmal im eingang des gedichts
wird, wie doch sonst üblich ist, gesagt wer Ortnits vater war; es ist immer
nur von seiner mutter die rede.

Für die bestimmung der zeit, in die das gedieht zu setzen ist, geben
spräche und versbau desselben zunächst einige allgemeine anhaltspuncte.
da diese für den ersten teil des Wolfd.A. genau dieselben sind, wie für den
Ortnit, so ziehe ich jenen mit in die betrachtung. die spräche beider ge-
dickte ist die allgemeine mhd. Schriftsprache mit einer leichten mundart-
lichen färbung, die indessen genügt, um die heimat der dichter festzu-
stellen, der lautbestand ergibt sich am sichersten aus den reimen: die ein-
zigen abweichungen vom reinen mhd. vocalismus sind solche, die schon bei
baierischen und österreichischen dichtem der besten mhd. zeit vorkommen,
der reim an : an, der im Ortnit 35 mal, im, Wolfd. 29 mal vorkommt, ist
auch den Nibelungen, der Klage, Biterolf, Kudr., Alph., Ulr. v. Lichtenstein,
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