Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XXII
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XXII Einleitung

Heinrich v. d. Türlin, Neidhart und anderen eigen; ar : är 3 mal im Ortnit,
10 mal im Wolfd. findet sich auch in der Klage, im Biter., Kudr., Ulrich,
Neidh., Heinr. v. d. T.; aht: äht 6 mal im Ortnit, 5 mal im Wolfd., auch
Nib., Klage, Ulrich, Heinr., Neidh.', den reim as : äs (Ortn. 23. 25, nicht
im Wolfd.) hat unter den genannten dichtem nur Heinr. v. d. Türl
(Krone 2398); auch Dietrichs flucht und die Rabenschlacht haben diesen
reim nicht; bei Weinhold (bair. gramm. s. 49. 317) andere beispiele aus
Otacker, Mai und Beaflor, Teichner. dagegen kommen im Ortnit und Wolfd.
andere Verbindungen von a : ä die bei Baiern und Österreichern schon
in der ersten hälfte des 13. jahrh. häufig sind, wie z. b. al : äl (Neidh.,
Ulrich, Heinr. v. d. T.) at : ät (Alph., Neidh., Ulr., Heinr.) ach : ach
(Neidh., Ulr.) am : am (Heinr.) nicht vor. sehr auffallend sind die reime
er : er (Ortn. 424. Wolfd. 333. 338) und er : <er (Ortn. 233. 249, nicht
Wolfd.); letzteren hat keiner der genannten dichter, ersteren nur Heinr.
v. d. Türl. (Weinh. s. 59 wo das beispiel aus Neidh. nicht richtig ist), da-
gegen fehlt wieder im Ortnit und Wolfd. der sonst so hüufige reim er : er
(Nib., Biter., Kudr., Neidh., Heinr., Ulrich; bei letzterem auch et : et) und
als einziges beispiel für e : e (Nib., Klage, Biter., Kudr., Heinr., Ulr.,
Walther) steht im Ortn. 204 das allgemein übliche weit für weit; iht: ieht
9mal im\Ortnit, Qmal im Wolfd., findet sich auch in Nib., Kudr., Heinr.,
Ulrich, Walther; bei Ulrich findet sich ausserdem ir : ier (ebenso Heinr.,
Helmbr. und unechte Strophen Neidhurts). uo für u findet sich nur in den
worten suon im Ortn. 4 mal, im Wolfd. 6 mal (ebenso Nib., Klage, Bit.,
Ulrich, Neidh., Heinr., Helmbr,), nuo Ortn. 459 (Klage, Bit., Heinr.), im
persönlichen pronomen duo Ortn. 123. 507 und hurt : gevuort Wolfd.
217. (vgl. Weinh. s. HO), die consonanten bieten ausser Ortn. 437 tac :
sprach (auch Kudr. 1166. Roseng. F 85) nichts mundartliches, das ist
alles was sich aus den reimen bemerkenswertes ergibt; aus den cäsuren ist
noch einiges zu entnehmen, die beginnende dehnung der kurzen vocale in
den Stammsilben, die sich in den eben besprochenen eigenheiten des pro-
vinciellen vocalismus äussert, zeigt sich auch in dem gebrauch solcher cäsur-
schlüsse wie lebent gibe vanen (Ortn. 71,2. 79,2. 166,3. 406,4. 461,2.
479,2. 509,2. 531,2. Wolfd. 8,3. 35,1. 46,4. 75,2. 91,2. 129,2. 143,2.
199,4. 264,3. 332,3. 356,2. 417,4. siehe Lachmann zu Nib. 118,2 und
DHB. 2, XXXII; hierher gehört auch Süders oder Suders wie es bei andern
lautet, als mundartlich ist aus dem Ortnit sonst noch anzuführen: conj.
prät. hiete (ausnahmslos) wozu Weinhold s. 320 zu vergleichen ist; wirme
498,3 und hilfe (nie helfe), vlt^gen (nie vlehen), schef 219,1. 235,1. zer
lenken haut 83,1. dass sich von alle dem im Wolfdietrich nichts findet,
kann leicht schuld des Schreibers sein, der auch im Ortnit immer die ge-
wöhnlichen formen dafür setzt.
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