Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XXIV
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XXIV Einleitung

zu lassen (Ortnit 27. 47. 48. 61. 107. 119. 226. 227. 363. 438. 441.
442. 455. 489. 524. 529. 535. 581. 583. 587. Wolfd. 7. 22. 55. 68.
76. 127. 142. 152. 164. 183. 184. 192. 241. 245. 314. 488), so ist
eigentlich die Strophenform ganz aufgehoben, denn sie ist nur noch für das
äuge vorhanden, nicht mehr im rhythmus hörbar, die anfange dieser ent-
wickelung zeigen sich in den jüngsten teilen der Nibelunge not, die weitere
ausbildung im gemeinen text des Ortnit, im Wolfdietrich D und in den
allein auf uns gekommenen jüngeren bearbeitungen des Rosengartens, diese
gedickte kann man als unstrophische ansehen, seitdem die epischen gediente
nicht mehr vorwiegend gesungen wurden, entwickelt sich auch die form dem
gemäss; atis der lyrischen Strophe bildet sich eine neue form, die mit ihren
gleich-massig fortlaufenden paarweis gereimten langversen dem sagen an-
gemessener ist, als die aus musikalischen bedürfnissen hervor gegangene
strophenform. eine weitere eigentümlichkeit des Strophenbaues zeigt sich
darin, dass der erste teil des langverses im Ortnit und Wolfdietrich immer
nur drei hebungen mit klingender cäsur hat; zwar finden sich composita
wie Ortnit Geheim wärheit tegelich als hebung und Senkung in der cäsur,
aber niemals vier volle hebungen mit ausgefüllter Senkung; daher habe ich
Ortn. 109,4 kindlin geschrieben. Wolfd. 5,3 ist Me ran zu betonen; 46,4.
64,2. 134,3. 151,3 icar die vierte hebung nur durch anderweitige Verderb-
nisse entstanden, ebenso wenig finden sich drei hebungen mit stumpfer
cäsur, was im gemeinen text (siehe anm. zu 483. 8,2) und im Wolfd. BD
vorkommt; cäsurschlüsse wie weren sind nicht stumpf sondern beruhen
auf dem abweichenden vocalismus der mundart. auch die klingenden end-
reime, welche in den jüngeren gedichten häufig sind, kennen Ortnit und
Wolfd. nicht, siehe anm. zu Wolfd. 447. die endreime sind abgesehen von
den eigenheiten der mundart durchaus genau; altertümliche ungenauigkei-
ten, wie niet'.liep, haben : slagen, die in späterer zeit wiederkehren, kom-
men nicht vor (anm. zu Wolfd. 10,3.), auch nicht reimsilben mit tieftoni-
gem e (zu Wolfd. 447); dagegen gestatten beide dichter sich manchmal
reime wie got : böte, rührenden reim, den der dichter des Ortnit sich nur
in der bekannten beschränkung gestattet (549. 597), hat der Wolfd. ohne
dieselbe 16,2. auch findet sich hier eine durchgereimte Strophe 73 was im
Ortnit nicht begegnet.

Wie sich Ortnit und Wolfd. A nach der eigentümlichkeit ihres stro-
phenbaues chronologisch in die mitte zwischen die Nibelungen und den ge-
meinen t&xtde&Ortnü (vgl. oben s. XII) also in die erste hälfte des 13. jahrh.
stellen, so entspricht auch der innere versbau, der weiter unten ausführ-
licher dargestellt werden wird, vollkommen dieser Zeitbestimmung.

Zu allen diesen beobachtungen kommt mm für den Ortnit noch das
zeugnis Albrechts von Kemenaten (Müllenhoff zur gesch. der NN. s. 9
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