Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XXVIII
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AmelungJaenicke1871/0026
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
XXVIH Einleitung

1S9 es sei gottes engel der sie geleite und der jeden der auf der fahrt falle in
den himmel führen werde 355—359.

Aber der dichter gibt uns die mittel an die hand um zu bestimmen
welcher zeit seine Vorstellung von Syrien angehört, erst im jähr 1212 ward
von dem sultan Malek al Adel, Saladins bruder, im abendlande Saphidinus
(Saifeddin) genannt, auf dem berge Tabor ein festes schloss erbaut, Wilken
6,63, und gegen dies schloss war die hauptunternehmung des kreuzzuges
von 1217 gerichtet, an dem unter anfährung des königs Andreas von
Ungarn herzog Leopold von Österreich und Otto von Meran mit vielen
Österreichern, Steirern und Baiern (Wilken 6,131) teilnahmen, das heer
zog von Ackers aus, lagerte am fuss des berges und verzweifelte alsbald
seine steile höhe zu erklimmen, bei dem ersten angriff ward zwar die aus-
erlesene besatzung der bürg, die in enggeschlossenen scharen den anrücken-
den entgegenzog, zurückgeworfen, aber der versuch die bürg zu gewinnen
mislang. so auch ein zweiter angriff, unverrichteter sache muste das
kreuzheer nach wenigen tagen wieder abziehen, bald darnach aber Hess der
sultan die feste schleifen, Wilken 6,148—153. der dichter des Ortnit er-
zählt nun dass der morenkönig Machorel eine feste, mit graben, mauern,
türmen und toren versehene bürg auf dem hohen und steilen felsberge
354. 422. 426. 443 zu Muntabür inne hat und mit 40000 mann 373 be-
setzt hält; eine fiction auf die jer doch schwerlich verfallen wäre wenn nicht
Malek al Adel die bürg auf Tabor gebaut hätte, die Übereinstimmung mit
der geschichte geht aber noch viel weiter. Ortnits heer vor der bürg an-
gelangt lagert am fuss des berges 363. am andern morgen, als es gegen
die bürg anrückt, zieht ihm die besatzung aus dem tore mutig entgegen
382, 383, wird aber in dem streit an dem burggraben endlich zurückgetrie-
ben, doch ohne dass es Ortnit und den seinen gelingt mit in die bürg ein-
zudringen 419. er hat in diesem kämpf alle seine mannschaft bis auf 5000
verloren und muss sich damit hinter einen abgelegenen bach zurückziehen,
wo sie sich auf einer wiese lagern 421. 422. mit den nachsetzenden heiden
wird hier dann noch ein zweites treffen geliefert, in dem Ortnit zwar
wiederum Sieger bleibt, aber nicht ohne von seinen 5000 noch 4000 einzu-
büssen, so dass der zug, im sinne eines kreuzzugs unternommen 25. 26,
allerdings auf dem kürzesten wege eine menge menschen in die ewige Selig-
keit beförderte, aber seinen eigentlichen zweck gänzlich verfehlt haben

190 würde, wenn nicht Albrich die tochter des heiden entführt und so dem Ort-
nit zu einer frau verholfen hätte, den zwerg Albrich aber hat der Verfasser
des gedichts zuerst in die sage verflochten, zs. 12, 352. 354. um so mehr
muss man denkampf vor Montabur, der nichts sagenhaftes hat, für ein stück
Zeitgeschichte halten, das er wie seine italiänischen eindrücke und Wahr-
nehmungen in seine darstellung übertrug, um die lücke der Überlieferung
loading ...