Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XXIX
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AmelungJaenicke1871/0027
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
zum Ortnit XXIX

auszufüllen, hatte er auch nicht selbst den kreuzzug von 1217 mitgemacht,
konnte er darüber doch durch landsleute die daran teil genommen aufs
vollständigste unterrichtet sein, der alte sagenmässige geholt seines gedichts ist
sehr gering und dürftig, die ausführung der fabel aber wesentlich ein werk
seiner er findung und von ihm frei componiert, wie schon im zwölften Jahr-
hundert die spiellente im Ruther, Orendel (zs. 12,387 ff.) und sonst es getan.
Auf seine darstellung des heiden Machorel könnten erzählungen von
den Assassinen und dem Alten vom berge, wie sie unter den kreuzfahrern
umgiengen, eingewirkt haben. Machorels sitte, die hdupter erschlagener auf
die zinnen seiner bürg zu stecken 19. 375, * wiederholt sich bei dem heiden
auf Falkenis im Wolfdietrich B. wenn ihm aber mehr heiden als dem Ort-
nit Christen unterthan sind und er könig zu Jerusalem heisst 13, so muss
eine Vorstellung von Malek dl Adels herschaft, die Syrien und Ägypten
umfasste, bei ihm zu gründe liegen, da nun Malek al Adels reich bei sei-
nem tode im jähre 1218 unter seine söhne geteilt ward, im anfange des-
selben jahrs auch die bürg auf Tabor geschleift wurde, Friedrich der zweite
aber 1229 sich die kröne zu Jerusalem aufsetzte und einen teil des heili-
gen landes wieder gewann, so sieht man dass des dichters ansieht vom mor-
genlande am Jahre 1217 haftete und dass sein gedieht vor Friedrichs kreuz-
zug und wol auch schon vor dem ersten verunglückten auszuge im jähre
1227 vollendet wurde, denn die Vermutung liegt doch zu nahe dass des
kaisers Vermahlung mit der jungen königin Isabella (Iolantha) von Jerusa-
lem am 9. november 1225 für den dichter der anlass gewesen ist die er-
neuerung der alten fabel von könig Ortnils brautfahrt zu versuchen, aber
schon im frühjahr darauf 1226, wo Friedrichs ohnmacht in Oberitalien
den lombardischen Städten gegenüber offenbar wurde, wo die Veroneser
durch Sperrung der Mausen den zuzug könig Heinrichs aus Deutschland
verhinderten, sollte man denken, hätte am wenigsten ein Tiroler gesungen 191
Si muosten alle fürhten den künec und ouch sin her.

diu lant het er betwungen von dem birge unz an daz mer:

den zins si im muosten bringen. die bi im säzen dö,

die muosten alle fürhten sin gebot und ouch sin drö. 4.

1 vgl, Welcher griech. tragödien 1, 354. — es ist überhaupt saracenische säte,
v. Schach poesie und hunst der Araber in Spanien und Sicilien (1865) 1, 250. 251.
277. Wilhen gesch. der hreuzzüge 6,647 uö. auch in der Krone Heinrichs von dem
Türlin 12947/. wird Gansguoters bürg so beschrieben diu müre was also ein glas,
berhtel, hoch unde glat, und was nioder kein stat, weder uzen noch inne, da au de-
heiner zinne, si enwser mit houbten bestecket, wan eine diu noch blecket, und noch
M. Behaim im buch von den Wienern 259,1 sagt sein haubet auff dy mauren wart
gestekt nach heidenischer art. vgl. auch W. Grimm altdänische heldenlieder
#.110.517.
loading ...