Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XXX
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XXX Einleitung

geht diese Vermutung nicht zu weit, so fiele die abfassnng des Ortnit in den
winter von 1225 auf 1226. für die beziehung desgedichts zu der Vermäh-
lung Friedrichs mit Isabella lässt sich jedesfalls noch folgendes anführen.
Ortnit segelt mit seiner flotte von Messina ah und landet in Suders,
während die kreuzfahr er 1217 von Spalatro ' abgiengen und in Ackers
landeten, der dichter benutzte eben die geschickte nur soweit als sie ihm
passte. aber er trug auch kein bedenken Suders als heidnische Stadt, sogar
als des heiden houbetstat 14. 217 darzustellen, obgleich Tyrus, schon
1124 erobert, erst 1291 von den Christen verlassen und inzwischen nie von
den heiden eingenommen wurde, der dichter, kann man sagen, brauchte
für seine fabel eine heidnische Hafenstadt, in der sein kreuzheer sich zuerst
festsetzte, und er wählte dafür das unberühmtere und unwichtigere Tyrus
lieber als Ackers, das sonst für den angriff auf Montabur der gelegenste
und passendste ort gewesen wäre, er sorgte auch dafür dass der name der
Stadt, der im Orient Tsor oder Szor, Szur, altfranz. Sur, in deutschem
munde gewöhnlich Surs lautete, einigermassen unkenntlich oder fremdartig
wurde.! so kann man die wähl entschuldigen, aber nicht ganz erklären,
denn so gut wie Tyrus hätte er auch, wie es scheint, einen andern punkt,
etwa Cäsarea, wählen können, allein in Tyrus ward Isabella lauf befehl
ihres vaters, der sich dadurch aller ansprüche an das reich entäusserte'
(Winkelmann Friedrich II. s. 192) zur königin von Jerusalem gekrönt,
nachdem vorher in Ackers durch procuration die ehe mit dem kaiser ge-
192 schlössen, und darnach von Tyrus im herbst 1225 nach Apulien über-
geführt, wo die Vermählung in Brundusium vollzogen wurde, so erklärt
sich die entscheidung des dichters. wie man nun auch über die beziehung
seines werks zum jähre 1226 urteilen mag, immer] wird man die abfassnng
desselben nach allen darin vorkommenden daten nur wenige monate vor
und nicht lange nach diesem Zeitpunkt setzen und niemals bis zu dem
kreuzzuge Friedrichs im jähre 1228/29 hinabrücken können.

1 Suders ist sonst das italiänische Sutrium {Filmar die zwei recensionen der
weltchronik Rudolfs von Ems s. 22), Tyrus aber heisst Sürs nach Leyserspredigten s.
68 ein kuniclich burc jensil meris, die heizit an der Schrift Tyrus, die lüte heizin sie
aber Surs. — dö quam er zu einer stat, die enist niht verre gelegin von Surs, die
hiez Sydon. vgl. Ruland 274, 23 die dritte von Surse uam. doch scheint allerdings
im südöstlichen Deutschland Suders für Surs üblich gewesen zu sein: Admonter
annalen bei Pez scr. rer. Austr. 2,199 zum j. 1193 Tyrum id est Suders . . . ab-
stulit. Otacker 454* 455« Suders, wo das von Eccard abgedruckte fr agment Sutters
geivährt, corpus hist. medh aevi 2, 1563. 1565.
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