Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XXXII
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XXXII Einleitung

1 S.jahrh. zuschreiben konnte, wo der so gewonnene text im einzelnen dieser
aus dem ganzen geschöpften norm noch widersprach, namentlich wo er
gegen die grundregeln der mhd. metrik verstiess, muste emendation ein-
treten, um in diesen emendationen eine möglichst gleichmässige und metho-
dische behandlung zu erzielen, suchte ich mich auf eine zusammenfassende
beobachtung der am häufigsten wiederkehrenden fehler des abschreiben
zu stützen, und habe in dieser absieht häufig auf die lesarten des Ortnit
verwiesen, nachdem auf diese art ein text erreicht war, der auch in allen
einzelheiten dem Zeitpunkte entsprach, in den man das ganze nach seiner
inneren beschaffenheit setzen muste, konnte man gesicherte beobachtungen
über den individuellen Sprachgebrauch des dichters anstellen, und bei
einzelheiten, die in allzu schroffer weise von dem im übrigen harschenden
gebrauch abstachen, weitere emendationen vornehmen.

Die lesarten geben über alle wichtigeren differenzen zwischen dem vor-
liegendentexte und der hs. auskunft: die allbekannte Orthographie dieserhs.
hier nochmals zu schildern wäre überflüssig, ausser der Orthographie sind
aber noch einige sprachliche eigenheiten des ab Schreibers besser hier im zu-
sammenhange als vereinzelt im kritischen apparat zu erwähnen, um diesen
nicht allzu sehr mit kleinigkeiten zu belasten, so konnte namentlich das
stumme und tieftonige e der flexionssilben überall nach bedürfnis ergänzt
oder ausgeschieden werden: die Überlieferung ist in diesem stücke nichts
wert, sie hat ihren Ursprung in der Willkür eines abschreiben, dem für
mhd. metrik jedes Verständnis abgieng. ich habe nur ausnahmsweise, wo
die ergänzung zweifelhaft sein konnte, einige mal die lesart der hs. an-
geführt, ebenso habe ich die adjeelivendung ig wo es das metum erfordert
ohne angäbe der lesart in ec verwa7idell; desgleichen die casusendung e in
iu. auch die zahllosen fälle, wo der Schreiber ohne jeglichen grund soltu,
wiltu usw. für solt du, wilt du setzt, habe ich nicht angeführt, wann der
dichter ausnahmsweise zuo anstatt der präp. ze brauchte, lässt sich nicht
wissen, dass aber das beständige zu der hs. nicht mhd. sei, ist gewiss; ich
habe auch dieses ohne angäbe der lesart immer in ze gebessert, ausser wo
es in der hebung stand; jedenfalls wird man damit dem richtigen näher
kommen, als mit dem verfahren welches der abschreiber einhielt, wo in
vorliegender ausgäbe zen zem zer steht, hat die hs. zun zum zur. auch das
nyemand der hs. kann hier ein für allemal erwähnt sein; ich habe dafür
regelmässig niemen gesetzt, weil diese form des Wortes (218,4.) 331,3.
373,2. 392,2. 437,4 durch metrum erfordert wird, schliesslich ist swä
swer swenne usw. für wo wer wenn ohne angäbe der lesart hergestellt.

Der Wolfdietrich A bildet eine fortsetzung des Ortnit, durch die die
ganze composition erst ihren abschluss erhält, dass der dichter des Ortnils
es auch auf die Wolfdietrichssage abgesehen hatte, beweist die anläge sei-
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