Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XXXIII
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zum Wolfdietrich A XXXIH

nes gedichts, worin mit der verbannimg der königin gerade zum Schlüsse
ein neues erregendes moment eintritt, welches erst durch das auftreten
Wolfdietrichs seine auflösung erhält, so konnte ein ganz selbständiges ge-
dieht schliessen. dass aber das folgende nicht in der kürze den schluss her-
beifähren, sondern an umfang und gewicht der vorangegangenen erzählung
etwa gleich stehen und einen besonderen zweiten teil bilden sollte, zeigt die
erneute gewichtige ankündigung in str. 596. 597. die worle 596,4 des
müezet lange biten, wan er ist noch ungeborn, 597,1 er muoz in sor-
den wahsen, 597,2 ich wil iu sin geslehte und sinen vater sagen zeigen
deutlich dass es in der absieht des dichters lag, nicht nur die befreiung der
königin, sondern die ganze Jugendgeschichte Wolfdietrichs ausführlich zu
erzählen, es liegt daher die Vermutung nahe dass uns in dem Wolfdietrich A
die von dem dichter des Ortnit selbst beabsichtigte und ausgeführte fort-
setzung seines gedichtes vorliege, unter den uns bekannten bearbeitnngen
der Wolfdietrichssage ist diese die einzige, die bestimmt den Ortnit in der
uns vorliegenden gestalt voraussetzt und sich selbst als eine fortsetzung
desselben gibt, denn während im Wolfdietrich B 473—530 = D IIb—838
Eoltzm. der inhalt des Ortnit, soweit er zum Verständnis des folgenden er-
forderlich ist, von neuem erzählt wird, setzt der Wolfdietrich A 524 ff. die
Erzählung unseres gedichtes als bekannt voraus und knüpft unmittelbar
daran an. ferner wird im Wolfdietrich B 343—386. 398—422. 456—
470 = D 565—614. 629—658. 751—770 allerlei über Ortnit berichtet,
was in dem uns bekannten gediente nicht erwähnt wird, während alles was
der Wolfdietrich A über Ortnit voraussetzt, in dem inhalt unseres gedichtes
begründet ist. der Wolfdietrich C ist zwar in der gestalt, wie er uns in den
fragmenten der alten pergamenths. C und teilweise im Wolfdietrich D er-
halten ist, mit dem Ortnit durch die einleitung, den gemeinen text des Ort-
nit, in Verbindung gesetzt, dass er aber nicht ursprünglich in solcher Ver-
bindung gestanden haben könne, ergibt sich schon aus D III fortsetzung
42—67 (302—327 H). dieses stück findet sich nicht in B; ob es aus C
stammt, lässt sich nicht bestimmen, da gerade bei III 41,3 C und D aus-
einander gehen, hierin wird die person Ortnits III 42=302H völlig neu
eingeführt und darauf III 43. 44 = 303. 304 H der inhalt unseres ge-
dichts kurz wiedergegeben, ah wäre der gemeine text des Ortnit gar nicht
vorangegangen, das ist eine incongruenz die das unursprüngliche dieser
Verbindung mit dem Ortnit beweist, dagegen steht der Wolfdietrich A nir-
gends mit unserem gedichte in Widerspruch {siehe 416—418 und 505,1-2),
vielmehr in einem so engen untrennbaren Zusammenhang, dass 33,3. 4«
58,4. 162,4. 41D,4 gar keinen sinn hätten, wenn nicht der Ortnit vorher-
gienge. dazu kommt dass Ortnit und Wolfdietrich A wie wir schon ge-
sehen haben genau derselben zeit und gegend angehören; auch in Stil

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