Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XLIV
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AmelungJaenicke1871/0042
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
XLIV Einleitung

ausserdem heit 6 mal, gast 602,4. 603,4. gegen diese altepischen worte
kommt nur 9 mal ritter vor. im Ortnit und Wolfdietrich ist edele das be-
liebteste epitheton des helden, hier das alt epische küene: in 100 Strophen
steht es hier 26 mal, dort in 500 Strophen nur 6 mal, im ganzen Ortnit
15 mal. ferner finden sich hier die beiworte maere 582,3 und ellensrich

535.2. 545,1 die dort durchaus gemieden werden; desgleichen die ver-
alteten epischen worte eilen509,2. eislich 592,4. freislich 600,3. degenkint
565,4 {Wolfd. B 138,4) Schildes rant 581,2. 587,4 und die fremdworte
puneiz 554,1. cursit 573,1. tjoste 602,5. einige eigentümlichkeiten des
Sprachgebrauchs sind noch besonders hervorzuheben, so ist das hie klagete

529.3. hie warte530,3. hie labte sich 572,3. hie brach er 578,1 mit dem
historischen perfectum, wo manim gewöhnlichen stil sagen würde dö klagete
usw. ein Sprachgebrauch, den Ortnit und Wolfdietrich nicht kennen, so-
dann bringt der fortsetzer des Wolfd. die ganz bedeutungslosen flickworte
sicherliche (7 mal) haldecliche 554,2. 556,2. 566,2. endecltehen 539,2.
550,2 überall an; im Ortnit und Wolfdietrich kommen diese worte gar
nicht vor.1 angeführt zu werden verdient noch unkraft (5mal; auch
B 887,4. 908,3), das im Ortnit und Wolfdietrich niemals gebraucht wird;
ebenso edeliu fürsten art 542,1. 584,3. sehr auffallend ist dass die beiden
bezeichnungen die für Wolfdietrich im ersten teil die häufigsten sind, der
junge und der Krieche, von jetzt an tiiemals mehr gebraucht werden, da-
gegen in unzähliger menge solche bezeichnungen wie der küene recke, der
degen edele usw. {s. das namenverzeichnis); im ganzen ersten teil findet
sich zweimal eine derartige bezeichnung 436,3. 455,1-

Zu dieser Verschiedenheit des Stils kommen nun noch eine menge auf-
fallender abweichungen von dem im ersten teil geltenden Sprachgebrauch.
was die corruption des slrengmhd. vocalismus betrifft, so ist die Vermischung
des ä und a hier weniger vorgedrungen, es finden sich wol reime auf
an : an (23 mal), aber nicht ar : är, aht : äht. auch fehlt hier das dort
herschende schwanken zwischen i und ie, u und uo. dagegen findet sich
604 der dort unerhörte reim got : not. im Ortnit und Wolfdietrich wird
das verbum haben nur im sing. ind. präs. contrahiert: hier steht im reim
infin. hän 510,2. 511,3 und sogar wir hän 515,1. sodann das partic.
gegän : an 599,2 (dort nur gegangen), während wesen neben siaim Ortn.
nur 3 mal, im Wolfd. nur einmal vorkommt, findet sich hier neben wesen
nur zweimal sin (532. 564). die contraction freit für frägete, die sich
weder im Ortn. noch im Wolfd. findet, steht hier 516,2 im reim, die dort

1 auch das häufige der tan 511,4. 517,2. 522,1. 525,1. 533,2. 549,3. 550,2.
555,1. 561,2. 562,3. 566,2. 569,4. 583,1. 584,2. 586,4. 593,3. 605,3 fiel mir
auf. K. M.
loading ...