Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: LII
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LH Einleitung

statt, ob der fortsetzer teile benutzt habe, die der erste dichter fertig.hin-
terliess (Müllenhoff z. g. d. N. n. 23) wage ich nicht sicher zu entscheiden,
und möchte es nicht einmal wahrscheinlich finden.1 in spräche stil und
melrik findet sich zwar neben den oben angeführten unterschieden auch
manche Übereinstimmung, %. b. dieselbe freie Verwendung des cäsurreims
und der allitteration; auch im Wortschatz findet sich manches übereinstim-
mende : sorge (7 mal) diu wilde 510,4. 514,3. 523,1. kindel 575,2. durch
äventiure 547,1. dient gewalticlichen 533,2. eines dinges bloz wesen
527,2; endlich finden sich auch hier wie im ersten teil reminiscenzen aus
dem Ortnit: zu 540,4 vgl 0. 589,3; zu 541,3 0. 589,3. 4; am 548,2
0. 6,3 und 106,1. das abweichende und übereinstimmende ist aber so
gleichmässig über das ganze verteilt und so durch einander gemischt,
dass danach eine ausscheidung einzelner teile nicht möglich ist. die teil-
weise Übereinstimmung in diesen dingen zeigt nur dass der fortsetzer zu-
gleich nachahmer ist. nirgend findet sich innerhalb der fortsetzung ein
grösseres zusammenhängendes stück, das sich in formeller hinsieht von
dem übrigen merklich unterschiede und dem ersten teil näher stünde, wenn
also der foilsetzer fertige partien des ersten dichters benutzte, so hat er sie
doch nicht in ihrer ursprünglichen form belassen, sondern sie der art ver-
arbeitet, dass die Verschiedenheit nicht mehr erkennbar ist. sieht man von
der form ab, so könnten einige teile ihrem inhalt nach vielleicht wol von
dem ersten dichter herrühren, da sie BD gegenüber eine grössere Selbstän-
digkeit zeigen; so z. b. die Unterredung mit Liebgart 526—551, die auch
in dem vorwiegen der dialogischen form an jenen dichter erinnert; ferner
der aufenthalt bei den bergleuten zu Trient 556—561, der eine gute lokal-
kenntnis verrät und in BD kein vorbild hat. für das erstgenannte stück
lassen sich noch einige besondere umstände geltend machen: alle remi-
niscenzen aus dem Ortnit, die die fortsetzung enthält, stehen gerade in die-
sem stück, sodann steht es gleich zu anfang in Widerspruch mit dem un-
mittelbar vorangegangenen: 525,1 hat Wolfdielrich bereits sein ross weg-
geführt, vgl. D Villa 4(1540), gleich darauf 526 kommt er in Garte an-
geritten und bindet das ross an den bäum, ferner hiess es 522,3 dö was
ez worden vinster. 524,1 vinster was diu naht, aber 536,3 diu naht was
niht vinster. jedoch können diese Widersprüche auch sehr wol auf blosser

1 ich kam auf diese ansieht oder Vermutung, da die J'ormeln als wir ver-
nomen häa usw. (s. XL1I1) bald verschwinden, durch die besseren und selbstän-
digeren partien der fortsetzung. es war mir aber keineswegs schon klar geworden
dass ihr Verhältnis zu B (und D) so aufzufassen sei wie Jetzt Amelung lehrt; viel-
mehr glaubte ich, dass ausser B und C dein bearbeiter auch ganz A fertig vorgele-
gen habe und stellenweise von ihm benutzt worden sei. meine Untersuchung über das
Verhältnis der gedichte war noch nicht abgeschlossen, fi. M.
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