Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: LVIII
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LVIH Einleitung

den Varianten setzt den leser in den stand in jedem falle selbst nachzu-
prüfen.

Es ergibt sich hieraus, nach welchem princip ö im text oder in den
lesarten berücksichtigt worden ist: ich habe den gemeinen text oder die ein"
zelnen hss. desselben angeführt, wo er entweder den vorzug vor BKH ver-
dient oder wo er die lesart von einer oder zwei dieser hss. unterstützt; wo
eine Verderbnis in allen hss. vorliegt wie z. b. 261,4. 516,1 und, in weni-
gen fällen, wo die Umarbeitung charakteristisch erschien, wollte man alle
abweichungen des gemeinen textes anführen, so wäre der kritische apparat
übermässig angeschwellt worden und hätte der Übersichtlichkeit entbehrt,
will sich jemand im einzelnen von der Umarbeitung überzeugen, die d mit
den beiden ersten liedern des Wolfdietrich B vorgenommen hat, so kann er
dies weit besser tun, indem er unsern text mit Holtzmanns ausgäbe ver-
gleicht.

Ich habe meiner arbeit die von Müllenhoff begonnene textherstellung
zu gründe legen dürfen, war diese für die beiden ersten lieder in der
hauptsache vollendet, so gab sie mir auch für die folgenden die lehrreichsten
fmgerzeige zur bewältigung der schwierigen aufgäbe, aus der beispiellos
verderbten Überlieferung einen wenigstens einigermassen lesbaren text her-
zustellen. Müllenhoffs fördernder beistand, für den ich dem verehrten
manne auch an dieser stelle aufrichtig und herzlich danke, hat mir wäh-
rend der arbeit nie gefehlt, wo mir auch nach oft wiederholten erwägungen
noch zweifei übrig blieben, dass ich da, wo uns für den text nur KH zw
gebot stehen, die lesarten vollständig angebe, ist schon oben bemerkt: so
kann jeder zusehen ob er wesentliche Verbesserungen des textes aus der
Überlieferung zu gewinnen vermag.

Die metrik des gedichtes ist interessant durch einige eigenlümlichkeiten,
welche den verfall der Nibelungenstrophe zeigen, die reime bieten wenig
auffallendes, in allen teilen des gedichtes reimt häufig an : an, auch ar:
är ist nicht selten; ausser war (: dar, gar, schar, gebar, rösenvar) kommt
es aber nur in den Verbindungen gar: jär 530. 738: zwar 574 vor. ausser-
dem finden sich langes und kurzes a noch in folgenden fällen gebunden
bräht: geslaht 270. sach : gäch 519. 676. wäc : tac 866. 869. stat: gät
577: rät 869. pfat : sarwät 915. — e: e reimt nur zweimal mer : her
610. 644, e : e nur in degen : legen 354. 356. 580. 589. 593. — i: i
wird gemieden, nur dass zweimal das gewöhnliche - lieh und - in im reime
verkürzt wird sicherlich : dich 641. maregraevin : hin 250. — o : ö reimt
einmal, got: not 632,3 nur in H überliefert.

Von consonantisch ungenauen reimen kommt m : n sehr oft vor. auf
an oder an reimt überaus häufig lobesam wunnesam freissam nam ver-
nam, ausserdem nur gezam 134. 663. 820. zam 550. 670. stam 502.
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