Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: LXIII
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ZUM WoLFDIETMCH B LXIII

Die letzte halbzeile der strophe hat bald drei, bald vier Hebungen,
zuweilen lässt sie sich doppelt lesen, mit drei oder mit vier hebungen. ich
habe in diesem falle nicht darnach gestrebt durch die Schreibung oder durch
änderungen vier hebungen herzustellen: die vielen Strophen die in der
letzten halbzeile deutlich nur drei hebungen haben und die beobachtung
dass das gedieht im auftakt grosse freiheiten gestattet, die Senkung aber
ziemlich selten fehlen lässt, musten davor warnen, dem dichter war die
echte form der Strophe nicht mehr strenges geselz. daher ist auch die Strophe
nicht immer in sich abgeschlossen, sondern der gedanke geht in die fol-
gende hinüber 4. 23. 33. 34. 42. (44). 111. 152. 198. 372. 392. 423.
432. 511. 732. 750. 753. 758. 827. 832. man könnte es auffällig finden
dass sich gerade in den letzten schlecht überlieferten liedern dies seltener
findet als in den beiden ersten, aber dies hat wieder in einer andern ent-
artung der Strophe seinen grund: die composition wird in ihrer dürftigen
und hastigen darstellung oft ziceizeilig. man sehe dafür besonders 849—
854. 914—916. 923 und 924. 929—931 nach.

Das gedieht besteht aus sechs liedern die s% VTtoXtjtpsa)^ gedichtet sind,
wie Müllenhoff zur gesch. der Nib. s. 24. 32 nachgewiesen hat. die anfange
der einzelnen lieder treten klar hervor, das ende des ersten Ikdes bezeich-
net auch die hs. B durch Amen 258,4. bei der frage, ob diese lieder einem
dichter oder mehreren zuzuschreiben sind, ist zunächst das fünfte lied zu
betrachten das Müllenhoff aao. 24 als ein späteres einschiebsei kennzeich-
nete, den inhalt dieses liedes bilden zwei zwergmärchen, von denen das
zweite allen andern gedichten von Wolfdietrich unbekannt ist. auch die ent-
führung der Liebgart durch einen zwerg wird sonst nur noch in der Dres-
dener hs. des Wolfdietrich A erzählt 315 — 321. aber hier ist offenbar
Verwirrung: die entführung der Liebgart wird nämlich zwischen Wolf-
dietrichs rede mit dem toten Berchtung (der held ist zuerst als pilger zu
seinen dienstmannen gegangen 309,2) und seinem zuge gegen Konstanti-
nopel vorgebracht und Alberich als Schwiegervater sowie ein ganz rätsel-
hafter herzog Trautenmunt treten darin auf: s. oben s. L. die Dresdener
hs. hat die entführung der Sigminne nicht und es ist nicht unmöglich dass
der fortsetzer des Wolfdietrich A diese geschichte aus B kannte und nach-
bilden wollte, dass dann der bearbeiter des Schlusses von B das stück aus
A aufnahm, sehr beliebt war übrigens dieses thema bei den spielleuten:
Laurin setzt der Künhilt eine kappe auf 755 als er sie in den berg führt,
ganz wie es B 796,3 von der Liebgart erzählt wird, im Orendel 2427 /'.
wird Bride von dem zwerg Alban durch zwene hole berge (2496. vgl. den
holen berc 2508) zum grauen Rock geführt und 2483 verräterisch ver-
sperrt, auch im Morolt 3405 f. ist die königin in einen wizen stein ver-
wirket, der umstand dass die entführung der Siegminm in B vorhergeht,
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