Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: LXVII
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zum Wolfdietrich B LXV1I

die armseligkeit von III—VI: der ganze Stil ist dürftig und unbeholfen,
für diesen teil des gedicktes gilt durchaus das im DHB \, XLVI ausge-
sprochene urteil: wir haben hier das werk '■niederer spielleute die sich von
höheren anforderungen wie geflissentlich abwandten . ob ein oder mehrere
dichter für III—VI anzunehmen seien, wird sich schwerlich mit voller
gewisheit feststellen lassen, dass der bearbeiter von VI wol der dichter
des fünften liedes ist, wurde oben s. LXIV bemerkt: dass er auch III. IV
bearbeitete, ist leicht möglich, jedesfalls streitet nicht dagegen die grössere
ausführlichkeit der darstellung in diesen beiden liedern. der bearbeiter
war gewissermassen ein Vorläufer Kaspars von der Ron, einer von denen
die sich ein geschäft daraus machten die alten epischen Stoffe für ihr
publicum so herzurichten dass man ^auf einem sitzen anfang und ende'
hören konnte, nachdem lvil unnütz wort vernichf waren, das abenteuer
auf Falkenis und der kämpf mit dem drachen ist noch einigermassen aus-
führlich erzählt, doch ist auch hier gleich zu anfang des dritten liedes der
auszug nicht zu erkennen in der erzählung von Wolfdietrichs kreuzfahrt
mit dem alten waller der 532 ebenso plötzlich auftritt wie er 533 stirbt;
ebenso in den abenteuern am schluss von III, 650—655. hernach meinte
der brave poet wol noch energischer gegen die alte vorläge verfahren zu
müssen, und so wird das gedieht zum immer dürftigeren auszuge der die taten
der helden nur registriert um schneller zu ende zu kommen und nament-
lich die reden des gedicktes (das werden die 'unnütz worf sein, wie die
Dresdener bearbeitung des Wolfdietrick A zeigt) stark verkürzt oder ganz
weglässt. dass der schluss von B nur ein auszug ist ergibt sich im allge-
meinen schon, wenn man mit der vorhergehenden ausführlichen darstel-
lung die massen von tatsachen vergleicht die von str. 656 an in kaum
180 Strophen erzählt werden, an einzelnen stellen tritt der auszug besonders
deutlich hervor, so istz.b. str. 929—931 diegrossmut Wolfdietrichs gegen
seine brüder, seine heimkehr nach Garten, die Verteilung der länder unter
seine dienstleute zu unbestimmt und dürftig dargestellt als dass darin das
ursprüngliche enthalten sein könnte, ebenso ist der streit Wolfdietrichs
mit seinen brüdern 920 — 924 deutlich nur der auszug einer vollstän-
digeren darstellung. vgl. was oben s. LXIII über die zweizeilige composition
der Strophe gesagt ist.

Weist so schon der stil deutlich daraufhin dass wir von dem ursprüng-
lichen gedickte B nur einen auszug besitzen, so lässt sich ein beweis für
diese annähme aus dem Verhältnis von B zu A und D herleiten. Amelung
hat oben s. XLVI f. gezeigt dass die fortsetzung von A ihren Stoff aus B
entnimmt, auch D folgt in seinem inhalt vollständig dem gedickte B, nur
das erste zusammentreffen Wolfdietrichs mit den dienstleuten, der kämpf
mit Baldemar und das abenteuer zu Tervis (VII,=1302—1536 Holtzm.)

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