Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: LXVIII
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JjXVIH Einleitung

ist nicht in B enthalten, nun finden sich in D ein paarmal Strophenreihen
von B wörtlich wieder, besonders B 590—599=# VI 132 — 137. 142
— 145 (1191—1196. 1201—1204 Holtzm.) und später B 673-675-
D VIIIa 90—92 (1626—1628 //.) diese Strophen wurden aus dem
ursprünglichen gedieht B in den uns erhaltenen auszug sowol als in die
Umarbeitung D unverändert hinübergenommen, auch A 551—554 und
600— 603 finden sich in D wieder (oben s. XLVII f.) und da zwischen A
und D keine direcle entlehnung anzunehmen ist, so hat Amelung s. L diese
Übereinstimmung durch die annähme einer andern hs. von B erklärt, ist
aber das uns erhaltene gedieht B III—VI nur ein auszug, so kann man
bestimmter vermuten dass A und D den vollständigen text von B vor sich
hatten, so wird sich auch der s. LI erwähnte umstand dass Wolfdietrich
einen löwen im wappen führt, am einfachsten erklären: AD haben diesen
zug aus dem vollständigen gedieht B genommen, loährend der uns erhaltene
auszug von B ihn übergeht, wie ich das Verhältnis von AB D annehme,
zeigt das folgende Schema:

B III—VI vollständiger text,
verloren

ASM fg. BHI—VI D

auszuq, "~ ~ "

erlmllen. aM{%) c^>

dass manche einzelheilen abweichen und die folge der abenleuer in den drei
recensionen A B D eine andere ist, darf nicht befremden: man muss sich
die tätigkeil der dichter die nach vorlagen arbeiteten nicht zu mechanisch
vorstellen und ich glaube, Amelung hat dies getan, wenn er s. LI zwei ver-
schiedene recensionen von B annimmt, die in A und D benutzt wurden,
und daneben unseren text B als die dritte, sehr lehrreich in dieser beziehung
ist die Umarbeitung der beiden erstenlieder vonB inj), worüber in derein-
leitung zum nächsten bände noch zu sprechen sein wird, das eigentümliche
Verhältnis zwischen den verschiedenen recensionen des Wolfdietrich erklärt
sich durch Amelungs und meine annähme so natürlich dass ich zweifle ob
sicheine anderein gleichem masse befriedigende erklärung wird geben lassen.
Die beiden ersten lieder haben einen weit höheren poetischen wert als
die folgenden, das erste lied lobte auch mit recht J. Grimm in der anmer-
kung zur HS 397. die gewandte und lebendige darstellung bewegt sich
nicht ohne reiz in den beliebten formein, die ihr ein gewisses behagen ver-
leihen, im ersten Hede waltet, dem Stoffe entsprechend, ein glücklicher humor.
an formalem geschick ist der dichter der ersten beiden lieder wie ich glaube
dem des Wolfdietrich A überlegen, während in A die gedanken sich nicht
immer ganz gut in die metrische form fügen und es dem dichter bisweilen
schwierig wird die Strophe zu ende zu bringen, sehen wir den dichter von
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