Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: LXXI
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ZUM WOLFMETRICH B LXXl

Falkenis (zu 533,3), Ipper und das freilich noch rätselhafte Blihort 261,4.
dass neben den richtigen geographischen angaben auch wieder willkürliche
erfindungen stehen, ist in einem spielmannsgedicht nicht befremdlich: so hat
die rauhe Else ein christliches königrekh in Troja 323,4; dagegen wird (im
Widerspruch zu B 1. II) Konstantinopel als heidnisch gedacht in B VI wie
im Wolfdietrich A: vielleicht damit die beliebte heidentaufe in scene gehen
konnte.

Wenn wir den Wolfdietrich B um das jähr 1225 gesetzt haben, so
meinen wir damit das gedieht in seiner ursprunglichen fassung von der sich
nur die beiden ersten lieder erhalten haben, für III—VI liegt uns, wie
oben s. LXVII gezeigt ist, nur ein auszug vor. es ist die frage wann dieser
auszug entstanden ist. die grösseren licenzen in den reimen sind schon oben
erwähnt; sie und mehrfache ähnlichkeiten mit der spräche der Baben-
schlacht und Dietrichs flucht (s. anm. zu 728,4. 828,1. 915,3. 922, 1.
930,4) führen zu der annähme dass der auszug von B III—VI um oder
gegen das jähr 1250 verfasst sei. die ganze form desselben und das fehlen
von deutlichen spiwen einer späteren abfassung — es zeigt sich z. b. kein
ei für i, vgl. Weinhold bair. gramm. § 78 — gestatten jedesfalls nicht den
auszug weit in die zweite hälfte des 13. Jahrhunderts hinabzurücken.

Über die sage, wie sie in den verschiedenen gedachten von Wolfdietrich
erscheint, sowie über das Verhältnis dieser gedickte zu den andern denk-
malern der spielmannspoesie wird in der einleitung zum nächsten bände
gehandelt werden.

Berlin im Januar 1871. OSh'JR JANICKE.
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