Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: 158
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158 WOLFDIETRICH A.

all freud die wurd ym teure,e ylt vber stein vnd stock:

noch prent ym ab das feüre sein guten wapenrock.

289 Grossz marter must er haben von der vngetaufften meit.

sie tzaubert in in ein graben, vir perg vmb in geleit,

die waren auch glesseine vnd waren hell vnd glat.

pis der virt tag erscheine, lis in tzauberei von stat.

290 Vor hunger vnd vor müde so gyng in der schlaf an.

er legt sich nyder frue: do teten zu im gan

zwelf gotin aus eym perge, die warn all tzauberin reich:

sie trugen in ir herberge schlaffent Wolfdietereich.

291 Sie legten auf ein pete, mit purper vnd seiden becleit.

drei tag er schlaffen tete, dar nach wacht er pei zeit.

do tet er sie all sechen, die frawen myniglich:

'ey, wie ist mir geschechen?' er tet vast segen sich.

292 Er sprach 'vor hungers note hab ich es vbersechen.'

die schönst die hant ym pote: eim tisch was wrol geschechen,

keiner speis was drauf vergessen, der stund der tisch so vol.

Wolffdieterich der must essen, sie pflagen sein gar wol.

293 Dar nach manck süsse seite vor dem perg do wurd geschlagn

zu er dem fursten gmeite: das tet ym wol behagn.

solch freud er nie gewane, daucht in ynn seinem sin.

do mutet sein zu mane die aller schonst gotin.

294 Sie meinten er solt beleihen, die kran mit in auf tragn.

dar nach geschach in leiden, do er in tet versagn.

von gold ein püchs so grosse die trug ein gotin her,

dar ein sie do verschlösse Wolfdieterich vnd sein pfer.

295 Er must dar inen seine gantzer tage drey

vnd leiden grosse peyne, dar noch do wurd er frey.

des tzauberns er kom von danen für ein purck mynigleich:

do stunden an der schranen vir vnd tzweintzk gotin reich.

296 Do tzwangk in hungers note, das er sie grussen müst.

sie namen yn also drote, must essen nach seym löst

wilpret vnde fische pracht man dem werden man:

do sach er auf dem tische die semel selber gan.

297 Auch tet sich selbs einschencken der köstlich gute wein.

was dinst sie mochten dencken, tetens dem fursten rein,

die gotin meinten tzware, er pey in pleiben solt:

do eischt er vrlaub gae. do er hin reiten wolt,

298 Do tet ym eine pringen ein krantz von rossen rot:

der schmeckt, weil er was dinen, schon auf seym haubet drot.
do er yn pracht hin nausse, der krantz vom haubet sanck

vnd wurd ein wurm dar ausse wol dreyer claffter lanck.

299 Der want sich krefftiglichen wol vmb den werden man.

wie vast er des wert siehe, noch must ern füren dan,

298,3 prach 4 vol 299,2 er
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