Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (4. Teil, 2. Band): Monographie — Berlin, 1873

Seite: XXIX
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zum Wolfdietrich C und D XXIX

den wie grosse Veränderungen die Strophen von B in der Umarbeitung D
erfahren haben, den hauptgrund für diese Veränderungen wird man in dem
zeitlichen abstände zwischen B und D zu suchen haben: der Verfasser von
D fand sehr viel in seiner vorläge B was seinem geschmack und dem seiner
Zeitgenossen nicht mehr zusagte, deshalb änderte er. eine ähnliche, stark
ändernde modernisierung des alten Ortnit ist Ortnit C. dass dagegen C
und D sich im Wortlaut näher stehen und also, wie ich annehme, auch zeit-
lich nicht allzu weit von einander getrennt werden dürfen, zeigt sowol die
vergleichung des Ortnit Cmit D, als auch der umstand dass im Wolfdiet-
rich D aus C eine reihe von Strophen unverändert aufgenommen werden
konnte : III 30, 2—41, 2 und C VIII 19—22 in D VIII 328. 3-332, 2.
man wird darnach Ortnit und Wolfdietrich C in der uns überlieferten ge-
stallt nicht über das jähr 1250 hinaufrücken dürfen, da sich aber im Wolf-
dietrich eine interpolation befindet, so ist die ursprüngliche abfassung von
C älter und wol ziemlich gleichzeitig mit A und B anzunehmen.

Wir sind mit den letzten betrachtungen zu der oben aufgeworfenen frage
über das Verhältnis von C zu D zurückgekehrt, darüber ist noch folgen-
des zu sagen, wurde B in D dem inhalt nach, von einigen Zusätzen abge-
sehen, ganz getreu wiedergegeben, der form nach aber ziemlich stark ge-
ändert, so sehen wir für C und D genau das umgekehrte Verhältnis, der
dichter von D hat sein werk zu stände gebracht, indem er teils stücke aus
B umarbeitete und interpolierte, teils stücke aus C unverändert aufnahm,
die aus C in D aufgenommenen Strophen sind vorhin aufgezählt, es mag
noch für das Verhältnis von ac und ef in diesen Strophen bemerkt werden
dass Cef gegen ac stimmen III 30, 4. 33, 2. 34, 4. 37, 1. 2. 38, 2. 39, 4.
40, 3. VIII 21, 2 —D 330, 4; umgekehrt Cac gegen ef III 30, 3. 33, 3.
35, 2. 36, 3. 4, 41, 2. VIII 19, U — D 328, 3*. aber es sind nur klei-
nigkeiten, da die beiden Massen ac und ef in diesen Strophen zu fällig grosse
Übereinstimmung zeigen, fragt man nach den gründen die das eigentüm-
liche eklektische verfahren des dichters von D bestimmten, so ist begreif-
licher weise bei unserer geringen kenntnis von C eine sichere antwort nicht
möglich; über die gesichtspunkte die für die Umgestaltung von Bmafsgebend
waren, ist oben gehandelt, der versuch soll aber gemacht werden, zu schei-
den was in D aus B aufgenommen ist, was aus C, und was endlich als eigen-
tum des Verfassers von D zu betrachten ist.

Aus B sind die ersten 530 Strophen in D aufgenommen, dazwischen
sind zwei grössere stücke eingeschoben, D III nach B 258 und D IV nach
B 301; ausserdem noch mehrere kleine Zusätze, von denen oben s. xvm ge-
handelt worden ist. von den beiden grösseren stücken ist zwar nur der
kämpf mit Olfan durch die bruchstücke ah zu C gehörig beglaubigt; aber
wir dürfen annehmen dass auch Wolfdietrichs erziehung III1—9, die zins-
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