Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (4. Teil, 2. Band): Monographie — Berlin, 1873

Seite: XXXV
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ZUM WOLFDIETRICB C UND D XXXV

gewand bisz ubers knie, ain rot crüz uf dem mantel gie. der Verfasser
dieses gedicktes benutzte, wie J. v. Döllinger in den erklärungen bemerkt,
wol ein älteres Verzeichnis, da er auch die Tempelherren zum concil kom-
men lässt.

Das zusammenarbeiten der beiden vorlagen B und C hat in D auch
in den späteren stücken Unebenheiten herbeigeführt, die einzelnen aben-
teuer Hessen sich zwar bequem an einander fügen und Widersprüche zwi-
schen den aus B und den aus C genommenen waren kaum zu befürchten,
an zwei punkten aber befremden die geographischen angaben vonD. Wolf-
dietrichs besuch bei seinen gefangenen dienstmannen VII 1—26 steht
schwerlich an der richtigen stelle, denn nach 1, 2 kommt Wolfdietrich
zwar von der europäischen seite an s. Jörgen arm, aber 2,2 kämpft er mit
heiden, flieht über den meeresarm und ist dann bei der bürg seiner brüder:
er kommt also von der asiatischen seite. alles ist einfach, sobald man
annimmt dass der besuch sich in C nicht an das abenteuer auf
Falkenis anschloss — dies ist in D aus B aufgenommen —, sondern an
die kreuzfahrt. — auch Wolfdietrichs reise im weiten bogen um das adria-
tische meer herum V 50. 51 ist auffällig. Grimiure das ich nicht nachwei-
sen kann, muss man sich doch im griechischen reiche oder etwa in Ungarn
denken: wollte Wolfdietrich von dort nach dem heiligen lande, so wäre der
weite umweg nicht zu begreifen, er erklärt sich aber leicht, wenn man an-
nimmt dass in C die kreuzfahrt von Italien ausgieng, nicht wie in B 531
von Troja. hatte der Verfasser von D diese Strophe in V 1 behalten und
daran das aus C entlehnte abenteuer mit den räubern angeknüpft, so
konnte er den heiden nicht direct nach Palästina kommen lassen, sondern
um für das abenteuer mit den Seeräubern platz zu gewinnen, Hess er ihn
dengrossen umweg durch halb Europa machen: ein schwacher halt auf
diesem planlosen zuge war der empfang bei dem grafen Ernst auf
Grimiure.

Jetzt scheint ein versuch möglich den inhalt des vollständigen gedicktes
C anzugeben, er kann sich nur auf die paar bruchstücke von C und auf
die im vorhergehenden geführte Untersuchung stützen und es begreift sich
dass er nicht anders als in der form einer anspruchslosen hypothese auf-
tritt, dass er durch die auffindung neuer bruchstücke von C im einzelnen
noch bestätigt oder widerlegt wird, ist nicht unmöglich.

Wenn in C zuerst Ortnifund Wolfdietrichverbundenwurden, so muste
natürlich ebenso wie in D der tod Ortnits am schluss des ersten gedicktes
weggelassen und später im Wolfdietrich erzählt werden, über die jugend-
geschichte Wolfdietrichs geben die wenigen Strophen von CII nur dürftige
nachrichten: es scheint dass Wolfdietrich durch Berchtungs schuld den ei-
tern verloren geht; denn Berchtungs flucht zu Grippian steht damit in zu-

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