Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (4. Teil, 2. Band): Monographie — Berlin, 1873

Seite: XLIV
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XL1V Einleitung

s. 357. Waldau, böhm. märchenbuch s. 468/". Curtze, volksüberlieferun-
gen aus Waldeck s. 15. norwegische Volksmärchen von Asbjö'msen und
Moe 1, 10. 159. öfter wird ein Her (oder mehrere) des Siegers und
eine gäbe der geliebten am schluss hervorgehoben, beides findet sich auch
im Wolfdietrich; aber die eigentliche beziehung ist verwischt, der löwe des
beiden begleitet seinen herren nicht am hochzeitstage, sondern wird schon
vorher zur kaiserin gebracht B 746. D VIII 248 f. und den ring der Lieb-
gart lässt Wolfdietrich in den becher fallen B 771, inD VIII 42. 217. 307
wird nur die wunderbare kraft des ringes erwähnt.

Auch in der sage von Heinrich dem löwen finden sich diese beiden
momente, aber es kommt noch als drittes die wunderbare heimkehr des hel-
den dazu, die lieder von Heinrich sind alle jung, s. das Verzeichnis bei
Gödeke, Reinfrid von Braunschweig s. 75 wo noch nachzutragen ist das
dänische Volkslied bei Grundtvig 2,608 und das gedieht der Wolfenbutteier
bibliothek, das von H. Pröhle wieder aufgefunden und (anmerkungen und
sachregisteY zu den deutschen sagen 1863 s. 5) abgedruckt ist. aber die
sage von der wunderbaren heimkehr und der Wiedererkennung durch den
ring ist älter: schon Cäsarius von Heisterbach 8, 59 erzählt sie von dem
ritter Gerard von Holenbach der ebenso wie der Möringer in das land des
h. Thomas gezogen ist; ausserdem muss sie im schluss des Reinfrid von
Braunschweig vorgekommen sein, und Boccaccio erzählt sie 10, 9 von To-
rello d'Istria von Pavia. wie übrigens die sage leicht auf Heinrich den löwen
übertragen werden konnte, zeigt Arnold von Lübeck 1, 2 der schon den un-
getreuen dienstmann erwähnt: ministrabant ei (ducissae) Henricus de
Lüneburg et Eebertus memoratus (d. i. Ecbertus de Wolfenbotele), eo
quod ipse fidelis et inelytus haberetur in omni domo ducis. sed res ali-
ter cesserunt. ipse enim dedit maculam in gloriam suam et notam per-
fidiae ineurrit. unde graviter multatus est. die geschichtsschreiber berich-
ten nicht, worin Ecberts untreue bestand; aber die sage konnte ihn leicht
zum bewerber um die hand der herzogin machen.

Es ist die frage ob die sage von den ausgeschnittenen zungen und dem
ring im becher ursprünglich im Wolfdietrich war oder nur ein jüngerer
zusatz ist. dass die Thidrekssaga c. 419 f. und das dänische Ued (Grimm
altdän. heldenlieder nr. II s. 13. Grundtvig 1,129 f.) beide züge nicht ken-
nen, würde kein grund für die letztere annähme sein, mehr fällt dafür ins
gewicht dass auch von den deutschen gedichten den ring im becher nur B
IV und und K 300—306 kennen, die ausgeschnittenen zungen werden auch
D VIII 188 /. erwähnt; aber Wolfdietrich beweist damit nur imwalde dem
herzog Gerwart seinen sieg, zur hochzeit mit dem betrieger kommt es gar
nicht, in C kann die erzählung von den zungen ähnlich gewesen sein, in
dem uns erhaltenen stücke VIII kommt nichts davon vor.
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