Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (4. Teil, 2. Band): Monographie — Berlin, 1873

Seite: XLVI
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XLVI Einleitung

schlageneii kämpfen muss, so ist dies eine willkürliche änderung: an das
ursprüngliche erinnert noch dass er auf die bahre gelegt wird wie ein toter
und K 327, ?/ 2126 haben auch noch die teufel die ihn in diehölle führen.
Liebrecht Germ. 14, 238 will in dem altenglischen gedieht Guy von
Warwick 'ziemlich genaue Übereinstimmung' mit dem Wolfdietrich finden,
aber was er anführt ist so unbedeutend und zum teil auch so ungenau, dass
es nicht in betracht kommen kann, die befreiung des löwen z. b. wird ganz
beiläufig erzählt, die kämpfe bei Konstantinopel stimmen eben nur in die-
sem namen überein, das wassertrinken bei dem kämpf mit dem riesen ver-
leiht im Guy nicht die zauberische kraft wie im Wolfdietrich, die haupt-
sache aber, weshalb man diese vergleichung ablehnen muss, ist dass die
ganze fabel des Guy, eine wüste anhäufung von abenteuern, mit der des
Wolfdietrich gar nichts übereinstimmendes hat.

Zum schluss ist noch das Verhältnis des Wolfdietrich D zu den ver-
wandten dichtungen zu erörtern.

Die manier der spielmannspoesie lässt sich ziemlich weit zurück ver-
folgen, s. Müllenhoff und Scherer denkmäler 2 ausg. 342. 429 /. Ger-
vinus l5, 181/1 285. wir beschränken uns hier auf einige bemerkungen
über ihre entwicklung von der zweiten hälfte des 12 Jahrhunderts an.

Zu willkürlicher behandlung der Überlieferung hatte diese dichtung
immer geneigt; im herzog Ernst sehen wir unter dem einfluss der kreuz-
züge diese Willkür noch gesteigert durch die perspective auf die wunder des
Orientsx) und durch das haschen nach gelehrtem prunk, die helden
werden in das morgenland geführt, gewöhnlich als kreuzfahrer, und damit
tritt ein religiöser zug zu der bunten mischung verschiedenartiger elemente.

An den herzog Ernst schliessen sich die vier gedickte an die kurz vor
der blute der höfis chtn poesie entstanden: Ruther Orendel Oswald Morolt.
in der formelreichen dar Stellung berühren sie sich sehr nahe, und nicht we-
niger im inhalt: sie wiederholen alle dasmotiv der morgenlähdischen braut-
fahrten und enlführungen. das geistliche element tritt viel mehr in den
Vordergrund als im herzog Ernst: beständig wiederholen sich die kriege-
rischen Pilgerfahrten, die heidentaufen, die Verehrung der reliquien (s. zu

x) auf die Schilderungen wunderbarer kunstwerke der Orientalen ist band 1, xxxtt
hingewiesen, noch einige stellen haben Massmann Eraclius *. 217 und Zingerle Germ.
7, 101 f. wie beliebt diese Schilderungen lange zeit blieben, zeigen Walewein, her-'
ausg. von Jonckbloet 3508—3549 undKonrads Trojanerkrieg 17562—17603.26445/*.
die Griechen und Araber besassen wirklich solche kunstwerke, s. Liutprands anta-
podosis 6, 5 und Ibn Hatndis (lebte von 1056 bis 1133) beiSchack, poesie und kirnst
der Araber in Spanien und Sicilien 2, 31.
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