Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (4. Teil, 2. Band): Monographie — Berlin, 1873

Seite: XLVII
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zum Wolfdietrich C und D XLVtl

B 349, 3), die hinweise auf die fromme gesinmmg der helden die ihren
abschhtss findet im klosterleben, daneben tritt ein hang zum derben und
groben hervor der das heilige so wenig verschont wie das profane, denn die
frömmigkeit ist eine ganz äusserliche.

Es lassen sich aber neben diesen Übereinstimmungen auch deutliche
unterschiede wahrnehmen, am weitesten entfernt sich von den andern drei
gedickten der Ruther durch eine gewisse Solidität der gesinnung die es ernst
nimmt mit dem gedickte, die Wahrheit desselben ausdrücklich hervorhebt, ein-
dringliche lehren einfügt und auf die geringeren spielleute etwas vornehm
herabsieht, einen geistlichen Verfasser braucht man deshalb nicht mit Rückeri
s. lxvi f. anzunehmen, wenn es auch sicher ist dass unter den fahrenden eine
ziemlich grosse zahl verlaufener kleriker sich befand, weit derber und pos-
senhafter sind Orendelund Oswald die für ein niedrigeres publicumberechnet
zu sein scheinen, namentlich der schluss des Oswald, die hochzeit, zeigt die
lust zur kecken parodierung des sonst legendenhaft behandelten Stoffes; auf
die schlackt gegen die heiden hat Gervinus 15> 306 aufmerksam gemacht, eine
wunderliche mischung von göttlichem boten und begehrlichem spielmann ist
derrabe, s. 450. 817. 688/". 695 f. in denbeiden letzten stellen ist varnde
für fremde zu lesen, vgl. die Varianten zu Wolfd. B 769, 3. die geringen
leute haben die ganze liebe des dichters: so empfängt 1847 der schiffsknecht
als botenbrot die ritterwürde und die köm'gstochter will 987 mit einem spiel-
manne aus dem lande gehen, über das hofgesinde s. zu Wolfd. 5377. auch
für Orendel und Morolt ist charakteristisch die art und weise wie die spiel-
leute im gedieht auftreten, der dichter des Orendel erzählt 1359 f. wie
zum grossen leidwesen der sarjande die varende diet die unser trehtin ie
beriet von dem grauen Rock die rüstung des erschlagenen riesen erhält und
sofort vertrinkt: si truogen ez allez hin ze dem win und vertrunken ez
so ez tiurest mohte sin, und einmal fordert der dichter auch einen trunk,
2802 wo nach anleitung des druckes zu lesen sein wird und muoz Verliesen
sin werdez leben, man enwelJe dem leser trinken geben. — das klassische
werk der Spielmannsdichtung bleibt Morolt: hier haben die fahrenden ihre
übermütige laune und ausgelassene Ungezogenheit phantastisch idealisiert in
der person des Morolt der ähnlich wie der rabe im Oswald die züge eines
spielmanns trägt, den ewigen durst dieser leute verrät nicht nur die wie-
derholte bitte um einen trunk 2416. 2798. 3314. 4137, sondern auch
das wort des Morolt, der als siecher verkleidet sagt diner spise enger ich
niet: ein trinken weer mir also liep, daz wolde ich gerne von dir haben
3384 f. von keinem geringeren als von könig David leiten sie ihre kunst
her der vor der alten Troie erdäht daz seitenspil so vin 2508; sie sind
am hofe des königs 55. 2482, werden als boten gesendet 559 und sind statt-
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