Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (4. Teil, 2. Band): Monographie — Berlin, 1873

Seite: XLVIII
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XLVIII Einleitung

lieh gekleidet: hovelichen stuonden im siniu kleidtr an, er gienc in aller
der gebsere als ob er ein stolzer spilman waere 3703 f.

Wenn die höfische dichtung dem volksepos entschieden entgegentrat, so
begreift sich dass die kluft zwischen der neuen kunstform und dieser spiel
mannspoesie noch viel weiter war. während die höfischen dichtungen in
den vornehmen kreisen eingang suchten und fanden, konnten sie beim volk
die vortrage der fahrenden nicht verdrängen, die wahrscheinlich auch von
den rittern neben den modischen poesien zur abwechslung gern gehört wur-
den, ein vollkommen deutliches bild von dem Verhältnis des publicum^ zu
beiden dichtungsartenwird man auch von der sorgfältigsten forschung kaum
zu erwarten haben, zur vorsieht in solchen fragen mahnt die erwägung, wie
schwer es ist auch für Zeiten die der gegenwart viel näher stehen und viel
schreibseliger sind als das 13 Jahrhundert, den einfluss genau zu ermitteln
den gleichzeitige, in ihren bestrebungen verschiedene oder direct entgegen-
gesetzte dichter auf die mitlebenden ausüben, dass neben der höfischen
dichtung, unbeeinflusst von ihr, die poesie der fahrenden im 13 Jahrhun-
dert sich erhielt, beweist die form in der uns zb. Orendel Oswald Morolt
erhalten sind, — und wie viele ähnliche dichtungen mögen verloren ge-
gangen sein —; diese späten aufzeichnungen sind zwar sprachlich moder-
nisiert, aber sie enthalten nichts von der höfischen manier. in andern Pro-
dukten der fahrenden sehen wir versuche die alte und die neue kunst zu
verbinden, sehr wenig einfluss der höfischen dichtung zeigt die Klage, mehr
der Biterolf dessen dichter die heldensage mit geschick in die form eines
höfischen märes bringt; über einzelnes s. band 1. xxv f. auch der dichter
des Laurin steht unter diesem einfluss, wenn auch nachahmungen im ein-
zelnen sich nicht nachweisen lassen, s. 1, xlvi. er ist eben kein bewuster
nachahmer und verschmäht auch solche züge nicht die der höfischen weise
widersprechen, er erbittet sich ganz nach der älteren manier einen trunk
1218 damit die gefangenen erlöst werden können und er gefällt sich in der
Schilderung der spielleute an Laurins hofe 1028 f., während in der Klage
und im Biterolf mit beflissenheit wie es scheint, von den varnden ganz und
gar geschwiegen wird.

Eine fortsetzung der alten manier haben wir im Ortnit, Wolfdietrich
A und B, über die band 3, xxxv. liii. lxix nachzusehen ist. die form die-
ser gedichte finden wir nicht ganz frei vom einfluss der höfischen poesie;
die willkürliche behandhmg der Überlieferung, im 12 Jahrhundert an an-
dern stojfen geübt, bemächtigt sich hier der heldensage. auch einige inter-
polationen der Nibelungen und der Kudrun, die sich von den echten tei-
len durch eine häufung abenteuerlicher züge unterscheiden, verraten
diese manier. ebenso gehört hierher der Überarbeiter des Alphart, dass
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