Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (4. Teil, 2. Band): Monographie — Berlin, 1873

Seite: 266
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266 ANMERKUNGEN

Dar in lit Bulgarie und daz lant Roinanie, dar an stozet danne ein lant daz ist
Tracia genant, und unter dem namen der wüüsten Romanie, von wo der held durch
ßulgarie und Rüszen kommt, Wilhelm von Ocsterreich, Haupts zs. 1, 216. Jänicke]

447, 1. 2 das überlieferte kann unmöglich richtig sein; denn erstens kommen
weder hier noch im Ortnit stumpfe reine mit tief tonigem e sonst vor, und eine
so vereinzelte abweichung von dem im übrigen feststehenden gebrauch des dichiers
kann man in diesem falle um so weniger für möglich halten, als unser dichter sogar
im inneren des verses tieftoniges e nur in positionslangen silben eine hebung tragen
lässt, und auch das nur zweimal 33, 1 und 193, 3. ebenso wenig wie stumpfer reim
mit Ueftonigem e findet sich aber bei unserem dichter die ungenauigkeit, dass eine
aufn auslautende silbe mit einer vocalisch auslautenden reimte, wollte man nun
mich an alle dem keinen anstoss nehmen, so wäre doch immer nur die erste zeile zu
retten, denn die zweite er sprach zen hüota^ren ist klingend, kann also gar nicht
mit wer er nssre. reimen; es ist aber auch nicht möglich wer er wsere zu be-
tonen, da klingende endreime in diesen gedickten sonst nicht vorkommen, die stelle
bedarf daher aus demselben gründe einer emendation wie Nib. 1362, 2. siehe Lach-
manns anmerkung. eine recht einfache und nahe liegende besserung weiss ich nicht
vorzuschlagen; vielleicht stand war im waere gäch: zen huotern er dö sprach.

462. 2 dass diu helle und die ganze weitere Schilderung locale beziehungen auf
die Berchtesgadener gegend erkennen lasse, hat EH Meyer im Haupts Zeitschrift 12,
508 nachgewiesen.

477, 1 was ich in den te.rl gesetzt habe, kann nach der anmerkung zum Ortn.
499,1 nicht mehr so bedenklich erscheinen, wie Jänicke. einl. s. lxh es findet; da
siuen brief gar nicht weniger von dem ül>erlieferten abweichen würde, und man eine
andere wähl nicht hat, so scheint mir meine ändemng völlig sicher, dann wird aber
auch notwendig der bei unserem dichter in seiner art einzige cäsurschluss kastelan
330, 1. 385, 1 verdächtig erscheinen, um so mehr als er sich beidemal bei dem glei-
chen worte findet, kasteläne ist allerdings grammatisch bedenklich, konnte aber doch
eher gewagt, als dem dichter ein so harter Verstoss gegen die herschende kunstregel
seines Zeitalters zugetraut werden, namentlich wo die ganze beschafi'enheit der Über-
lieferung den verdacht einer tcrtverderbnis so leicht zulässt. dass die dichter des Ortnit
und Wolfd. A 1 -506 überhaupt auf einer höheren stufe der kunst und der bildung
stehen, als die dichter der lieder von Wolfd. B., lässt sich nicht verkennen, aber
bei dem fortsetzer des Wolfd. A hätte ich 516, 4 das überlieferte kiinic Ortnides
tot beibehalten sollen, da 586, 3 ein solcher cäsurschluss nicht bestritten werden
kann, auch 583, 1 ist wol der kam durch den wurm 3?/ restituieren.

509, 3ff[vgl. Erec 3317 ff Müllenhoff.) [kindheit Jesu 84, 75/. Jänicke.}

518, 2 der fdrste der. 536, 3 diu naht diu. 541, 4 der süeze got der. 586, 3
daz ros daz, 592, 2 den zoum den findet sich nur bei dem fortsetzer des Wolfd.,
nicht im ersten teil; im Ortnit dreimal (anrn. zu 100, 1). dass dieser fortsetzer
in seiner diction dem volksepos näher steht, als der dichter des ersten teils, habe
ich schon einl. s. xliu gezeigt, dazu stimmt auch dass hier nac/igesetztes attri-
butives adjectiv flectiert in nur 100 strophen fünfmal begegnet, dort in 500 Stro-
phen nur viermal, ausrufungen wie hier 509, 2. 565, 3 finden sich dort gar
nicht, wol aber im Ortnit 379, 2. 381, 4. 514, 4.

556, 3 über erzt arzt vgl. Grimm DWB 3, 1100. — [SchmeUer l2, 153.
goltartzt hat auch die hs. des Bit. 13310, ertzt und erzt beide hss. des feld-
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