Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (4. Teil, 2. Band): Monographie — Berlin, 1873

Seite: 267
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ZUM WOLFDIETRICH Ä 267

bauers 42. 161. 165. 216. Jänieke]— [wäre auch ein ahd. aruzida mhd. arzede
erzede wol denkbar, so würde es doch davon schwerlich composita geben; arz-
man arzliute ist wie erzmeister erzmacher. über den bergbau zu Trient, das
die älteste überhaupt bekannte bergwerksordnung vom j. 1208 aufweisen kann,
hat Sperges tyrolische Bergwerksgeschichte Wien 1765 viel zusammengestellt;
vgl. Jos. Bergmann über die Merancr Münze im Anzeigebl. der Wiener j'ahrb.
bd. CXI1I (1846) *. 1. Persen (Pergine) führt in einer Urkunde 1066 den
deutschen namen Arzenach Müllenhoff.}

561, 4 [Merst* (vgl. got. marisaivs) ist aller Wahrscheinlichkeit nach die
deutsche benennung eines der kleinen, heut zu tage nur unter italienischem namen
bekannten seen in der nähe von Trient. Müllenhoff]. [eine andere deutung ver-
sucht Zingerle Germ. 17, 207. Jänieke]. der vers lautete wol: dö wistens an dem
Merse in zuo der Steines want

580, 1 siehe Haupt zu Erec 7876.

Schlussbemerkung, dass die abfassung des Ortnit, des Wolfd. .4 und der
fortsetzung des letzteren sich der zeit nach sehr rasch, ja unmittelbar aufeinander
folgten, lässt sich durch einen merkwürdigen umstand noch gewisser machen, als es
ohnehin schon ist. ich glaube nämlich den beweis führen zu können, dass der
dichter des Wolfd. A und wahrscheinlich auch der Verfasser der fortsetzung für
die erste niederschrift ihrer arbeiten noch das originalexemplar des Ortnit, von
welchem man annehmen muss, dass es nicht vollständig gefüllt war, benutzten,
denn sowol die urhandschrift des Ortnit als die des Wolfd. 1—5ü6 war, wie sich
zeigen lässt, in columnen von 28 bis 30 abgesetzten halbversen geschrieben; und
diese merkwürdige Übereinstimmung lässt sich doch wol nicht anders begreifen,
als durch die eben ausgesprochene annähme, auch ist ja von vornherein wahr-
scheinlich, dass der dichter des Ortnit seine handschrift gleich geräumig- genug
einrichtete, um auch den von ihm beabsichtigten (s. einl. s. xxxm) Wolfdietrich
mit aufzunehmen. — auf die tatsache aber, dass die originalhandschriftcn un-
serer beiden dichter in columnen von 28—30 halbversen geschrieben tvaren, führt
folgendes hin: wenn der Iwein und die Klage in abschnitte von 30, der
Willehalm des Virich von dem Türlin in abschnitte von 31, die Nibelungenlieder von
28 reimseilen zerfallen, so kann man daraus den sehluss ziehen, dass in der origi-
nalhandschrift des dichters 28 resp. 30 oder 31 Zeilen auf jeder columne standen,
wenn nun im Parzival nicht nur das ganze, sondern vom fünften buche an auch jedes
einzelne buch wieder durch das gleiche mass von 30 Zeilen teilb ar ist, so gehl daraus
hervor, der dichter habe sein manuscript so eingerichtet oder einrichten lassen, dass
anfang und sehluss eines buches immer mit anfang und sehluss einer columne zusam-
mentraf, dasselbe aber lässt sich von jedem, mhd. gedieht annehmen, welches deut-
lich markierte abschnitte oder capilel zeigt, die wie hier im Ortnit und Wolfd. sicher
vom dichter selbst herrühren, und die zugleich durch ein gemeinsames mass teilbar
sind, es fragt sich nur, durch welches gemeinsame mass hier der umfang aller
einzelnen aventiuren teilbar ist. die strophenzahlen der aventiuren haben kein ge-
meinsames mass. ebenso wenig die anzahl der langzeilen. auch nicht einmal dann,
wenn man annimmt, dass hin und wieder eine seile zu viel oder zu wenig auf der
seite stand, also war wol das origindlmanuscript nicht wie die liederbücher der
Nibelungendichter in abgesetzten langzeilen geschrieben, nimmt man hingegen an?
dass es in abgesetzten halbzeilen geschrieben war, von denen durchschnitt-
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