Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (4. Teil, 2. Band): Monographie — Berlin, 1873

Seite: 269
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ZUM WOLFDIETRICH B 269

Die beiden auf einander folgenden aventiuren XIV und XV widerstreben zwar jede
für sieh dieser teilung; da sie aber mit einander vereinigt sofort die gleiche tei-
Ittng zulassen, so liegt doch wol die Vermutung- sehr nahe, dass sie beide ursprüng-
lich zusammengehörten, und 579, 4 nur von einem späteren Schreiber in die bekannte
schlussformel umgewandelt wurde.

Dass man Nibelungenstroptien auch in abgesetzten halbzeilen schrieb, beweisen
die Windlmgcr hs. des Ortnit und die fragmente des Wolfd. C. alle übrigen hss.
des Ortnit und der Wolfdietriche, sowie auch sämmtliche liss. der Nibelungen,
Kudrun, Alphart, Rosengarten, Walther und Hildegunde sind, soviel sich aus den
beschreibungen ersehen lässt, immer entweder in abgesetzten langzeilen geschrieben,
oder sie setzen die Zeilen überhaupt nicht ab. wenn der dichter des Ortnit seinem
manuscript eine andere disposäion gab, so leitete ihn dabei wol die absieht, sein
gedieht den höfischen erzählungen in kurzen reimpaaren wenigstens äusserlich ähn-
lich zu machen.

Dorpat, 12. April 1872.

III.

ZUM WOLFDIETRICH B.

2, 2 fast ebenso heisst es von der Liebgart Ortn. 387, 4 gedraRt als eine
kerze von den armen hin zetal. e liest (Mone 398, 4) über die hiifflin hin zetal
und hat auch den vorhergehenden vers übereinstimmend mit B 2, 1 si was kleine
an dem Übe, wol geschaffen über al. — gedrol das hier und in der Wiederho-
lung 338, 2 nur die hs. B hat, weiss ich sonst nicht nachzuweisen; gedrolle:
volle MSH 2, 93a ist unsicher, ein verbum erdrollen das in den Wörterbüchern
fehlt, begegnet bei Ayrer 2634, 34 hüner die heruinb umbs gsess seind fein
patzet vud auffgeschwolln, sie seind so feist dass sie herdrollen.

2, 3. 4 eins gebären sun der truoc ein här, daz was reide (rayd b) unde val;
ob der ahsel hin ze tal mit lenge ez vollielichen gie Helmbr. 10/. minem langen
valwen hare unde minem reidem locke 272. sin reidez här daz valwe 1898.
din langez valwez häre 433. sin wol valwez reidez här Neidh. 102, 14. des
einen här ist reide val 88, 26. ir här was reit lanc unde val Parz. 232, 20.
sin här was reit (raide C) unde val Wig. 141, 16. im mhd. wb. und in.
Wackernagels glossar wird nur reit angesetzt, von Graff 2, 474 ahd. reid
reidi und mhd. reit reide. die mhd. reime seheinen nur die form reit zu
beweisen, der vers hätte in unserer stelle auch reit erlaubt, s. einleitung s.
LXIF, doch sicher ist die form reide in den Prager glossen zs. 3, 470b
crispus reide und in der beschreibung der person Christi zs. 4, 574 nidewendig
der oren was es (das haar) ime reide vude gel vnde slvg ime vber die ahselen;
in der Firg. 133, 6 schaffent daz locke reide (.-meide) ist wol lieber unfiec-
tiertes ad/ectivum anzunehmen als flectiertes.

3, 3 vgl. 532, 2. ich hän üf mime hove erzogen mit gar grözen eren bei-
de gräven und herzogen Morolt 213. ja, ez sint üf mime hove wol erzogen
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