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Schulz, Hugo   [Bearb.]; Conradus <de Megenberg>   [Bearb.]
Das Buch der Natur: die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache — Greifswald, 1897

Seite: 136
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III,

ß. Von den Vögeln im Allgemeinen.

Nun wollen wir von allen Vögeln sprechen und zwar zunächst
im Allgemeinen. Jeder Yogel, der gute Flügel hat und in Folge
dessen schnell fliegen kann, hat wenig brauchbare und schwache
Füsse, wie z. B. die Schwalben und ihres Gleichen. Kleine Vögel
singen zur Brunstzeit mehr, wie die grossen. Alle Yögel mit krummen
Klauen leben von Fleisch. Die anderen dagegen verzehren Früchte,
Würmer und Schlangen. Aristoteles sagt, die fleischfressenden
Yögel brüten nur einmal im Jahr, mit Ausnahme der Schwalben,
welche zwei Brüten machen. Weiter lehrt er, dass man Krankheiten
der Yögel an ihrem Flug erkennen könne, und dass bei allen Yögeln
das Männchen in der Regel länger lebt wie das Weibchen. Er giebt
auch an, dass die Yögel auf Wunden, die sie bei ihren gegenseitigen
Streitereien erhalten haben, ein Feldkraut, Origanum genannt, auf-
legen. Von den Würzkräutern wollen wir aber erst nachher sprechen.
Weiter bemerkt er, dass die Raubvögel heisser und trockner Natur
seien. Diese Natur heisst lateinisch colerica. Er berichtet ferner,
dass alle Yögel mit krummen Klauen ihre Jungen aus dem Nest
werfen, wenn sie flügge geworden sind, und sich nicht weiter um
sie kümmern. Eine Ausnahme machen die Krähen, die ihre Jungen
noch eine geraume Zeit lang im Auge behalten. Alle Yögel mit
Krallen an den Zehen sind Fleischfresser, und jeder Raubvogel fängt
nur Yögel anderer Art als seiner eigenen. Dadurch unterscheiden
sie sich von den Fischen, denn ein Hecht fängt den andern. Nur
der Sperber übt diese Rücksicht nicht. Das Fleisch solcher Yögel,
die andere Yögel fressen, ist besser und wohlschmeckender wie
anderes Fleisch, wenn dies nicht ganz etwas Besonderes ist. Die
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