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Schulz, Hugo   [Bearb.]; Conradus <de Megenberg>   [Bearb.]
Das Buch der Natur: die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache — Greifswald, 1897

Seite: 219
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•219

III.

E. Yon den Schlangen,

zunächst im Allgemeinen.

Wir wollen nun von den Schlangen sprechen und zwar zunächst
von den Schlangen im Allgemeinen. Aristoteles sagt, der Schlangen
Zunge sei' leicht beweglich, lang, schwarz, gespalten und reiche
desshalb weit aus dem Maule hervor. Das Herz liegt bei den
Schlangen sehr nahe am Halse und hat die Gestalt einer Niere.
Die grossen Schlangen haben ihr Gift in der Leber, die kleinen
dagegen im Eingeweide. Blendet man eine Schlange, so wird sie
doch wieder sehend. Schlägt man ihr den Schwanz ab, so wächst
er wieder, grade wie bei den Eidechsen. Die Schlange hat dreissig'
Rippen. Bei der Begattung nähern sich die Schlangen einander soT
dass man glauben könnte, es sei nur ein Leib mit zwei Köpfen
vorhanden. Jede Schlange frisst ohne Unterschied Kräuter und
auch Fleisch. Die Schlangen trinken wenig, sind aber auf Wein
sehr begierig. Desshalb locken und zähmen sie die Schlangen-
bändiger mit WTein. Hat die Schlange einen Menschen durch ihren
Stich getödtet, so nimmt die Erde sie nicht mehr auf und ist ihres
Bleibens nicht ferner: sie muss ihre Sünde büssen, denn sie stirbt
selbst bald nachher, wie Plinius sagt. Die Schlange kann nie
mehr wie nur ein anderes Geschöpf tödten, nur einmal und nicht
wieder, zum Unterschied vom Salamander, der mehr wie eins tödten
kann. Plinius sagt, das Gift sei weiter nichts, wie die, in der
Galle vorhandene Feuchtigkeit der Schlangen. Von der Galle aus
geht diese Feuchtigkeit unter dem Rücken her durch die Gefässe
zum Munde und dem Schwänze oder Schweif, wie mau es auch
bei den Skorpionen findet. Die Schlangen im Lande Syrien
schädigen Niemand und werden desshalb auch von den dortigen
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