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Schulz, Hugo   [Bearb.]; Conradus <de Megenberg>   [Bearb.]
Das Buch der Natur: die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache — Greifswald, 1897

Seite: 266
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IT.

A. Von den Bäumen.

Im vierten Theile dieses Buches wollen wir von allerlei Bäumen
sprechen und zwar zunächst von den gewöhnlicher vorkommenden,
dann von den wohlriechenden und besonders geschätzten Baumarten.
Auch hier wollen wir die Reihenfolge beobachten, dass wir zunächst
die Bäume behandeln, deren Namen im Lateinischen mit einem A
anfängt, dann die mit B, grade so, wie das ABC geordnet ist?
und wir es bisher auch gehalten haben.

1. Vom Keuschlamm.1)

Agnus castus heisst das keusche Lamm. Platearius giebt
au, dass dieser Baum innerlich heisse und trockne Natur besitze,
in Folge dessen erhitze und austrockne. Seinen Namen hat er da-
her, weil er den Menschen so keusch wie ein Lamm werden lässt.
Er rodet nnd wurzelt die uukeuschen Gelüste aus, weil er durch
die ihm eigene Hitze die unkeusche Feuchtigkeit des Menschen auf-
zehrt. Diese Wirkung übt der Baum nicht nur durch seine Blätter
oder seinen Saft aus, falls dieser getrunken wurde, sondern äussert
sie auch dann schon, wenn man einen Menschen auf seinen Blüten
oder Blättern liegen lässt. Dies bestätigt Galeuus, der von den
Bürgern der griechischen Stadt Athen berichtet und dabei erwähnt,
dass früher die ehrbaren Frauen die Blätter dieses Baumes in ihren
Häusern ausstreuten, damit sie, wie auch ihre Männer, einen möglichst
keuschen Lebenswandel führen möchten. Mail liest auch in den
Schriften der alten Meister, dass die alten Heiden, wenn sie durch

*) Vitex agnus castus L., Keuschlamm, Abrahamsstrauch, Mülleny
Mönchspfeffer.
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