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Schulz, Hugo   [Bearb.]; Conradus <de Megenberg>   [Bearb.]
Das Buch der Natur: die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache — Greifswald, 1897

Seite: 304
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IV.

B. Yon den wohlriechenden Bäumen.

Die wohlriechenden Bäume, deren Rinden, Wurzeln, Blätter,.
Harz und Saft man hoch preist, wachsen nicht in deutschen Landen
sondern in den heissen Ländern gegen Mittag und Sonnenaufgang
hin. Desshalb haben sie auch keine deutschen Namen, und wir nennen
sie so, wie sie im Lateinischen oder in anderer Sprache heissen.
Von ihnen wollen wir nunmehr reden.

1. Von der Salbenaloe.

Aloe ist eine Salbe, erhitzend und austrocknend wirkend, wie
Plinius berichtet. Sie wird aus dem Safte eines, Aloe genannten,
Krautes auf folgende Weise gewonnen. Das Kraut wird zerstossenT.
der Saft ausgepresst, längere Zeit auf dem Feuer gesotten und dann
an die Sonne gestellt und aufgehoben. Die zu oberst sich aus-
scheidende Aloe ist die feinste und wird Hepaticum genannt, weil
sie für die Leber gut ist. Was danach kommt heisst Citrinum und
ist weniger rein, wie die erste Qualität. Der Bodensatz ist trübe,,
unrein und wird Caballinum genannt.1) Die ersten zwei Sorten
sind gelb gefärbt, das heisst die zweite nicht so sehr, wie die erste..
Die zu unterst sich ausscheidende Aloe ist schwarz. Alle Aloesorten
schmecken bitter und sind dem menschlichen Gaumen zuwider.
Aloe, äusserlich über gebrochene Glieder gebunden, lässt die zer-
brochenen Knochen wieder zusammenwachsen und hilft auch gegen
den Biss giftiger Thiere. Inwendig genommen reinigt sie den Leib
von der Feuchtigkeit, die Phlegma genannt wird. Ausserdem ver-

*) Aloe hepatica und caballina sind auch heute noch gebräuchliche
Namen bestimmter Aloesorten.
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