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Schulz, Hugo   [Bearb.]; Conradus <de Megenberg>   [Bearb.]
Das Buch der Natur: die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache — Greifswald, 1897

Seite: 324
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324

V.

Yon den Kräutern im Allgemeinen.

In diesem fünften Kapitel unseres Buches werden wir die
Kräuter behandeln, und zwar zunächst im Allgemeinen.

Es lässt sich die Frage aufwerfen, wie es möglich ist, dass-
so mancherlei Kraut aus der Erde aufwächst, wo die Erde doch
immer dieselbe und nur ein einfaches Element für sich ist. Die
Antwort darauf lautet: Die Kräuter wachsen weder noch entstammen
sie aus reiner Erde. Der Erdboden nemlich, den wir sehen und
greifen können-, und aus dem die Bäume und Kräuter hervor-
wachsen, ist gemischt aus den vier Elementen, Feuer, Luft, Wasser
und reiner Erde. Diese Mischung ist eine so wechselnde, dasa
auch die Kräuter verschiedene Art und Gestalt haben müssen.
Eine andere Frage ist die: Warum sagen wir bei erdentsprossenen
Dingen vom einen, es sei wässeriger, vom andern, es sei feuriger,,
von einem dritten und vierten, sie seien luftiger oder erdiger Artr
wo sie doch alle nur aus einer Mischung der vier Elemente hervor-
gegangen sind? Darauf lautet die Antwort, dass jedes Ding seine
Bezeichnimg erhält nach der vorzüglichsten Eigenschaft, die es besitzt
und dem hauptsächlichen Bestandtheil, der es bildet. Es bestehen
ja allerdings alle irdischen Dinge aus den vier Elementen, aber eins-
ist hitziger, wie das andere, und wir sagen desshalb, es sei feuriger
Art. Ebenso nennen wir ein anderes wässerig, wenn es mehr
Feuchtigkeit besitzt, und noch weiter irgend Etwas luftig, wenn es-
sehr leicht ist und die Neigung hat, in die Höhe zu streben. Alles
aber, was besonders schwer und kalt ist und nach unten strebt,.
nennen wir erdiger Art, wie denn auch alle Thiere, Bäume, Kräuter,,
edele und andere Metalle und Steine wesentlich aus Erde bestehen.
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