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Schulz, Hugo   [Bearb.]; Conradus <de Megenberg>   [Bearb.]
Das Buch der Natur: die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache — Greifswald, 1897

Seite: 414
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414

VIII.

Yon den wunderbaren Gewässern.

Dies ist das achte und letzte Kapitel des Buches, in dem wir
-einige wunderbare Gewässer besprechen wollen. Eigentlich gehört
dieser Abschnitt zu dem Kapitel von den Elementen, wo vom
Wasser die Rede ist.

Die Bäche entstehen aus den Quellen und in Quelle und Bach
ist dasselbe Wasser. Mau kann aber nicht sagen: Die Quelle ist
ein Bach oder der Bach ist eine Quelle. Dies mag ein Gleichniss
.sein mit Bezug auf die göttliche Dreifaltigkeit, in der der Vater,
der Sohn und der heilige Geist ein einiges Gotteswesen darstellen.
Yon ihr kann man auch nicht so einfach sagen: Der Yater ist der
Sohn, und der Sohn ist der heilige Geist. Bildlich dagegen kann
man wohl so sprechen. Verstehst Du das nicht, so lass Dich nicht
verwirren sondern glaube einfältig. Weshalb das Meer salzig ist
und andere Gewässer nicht, haben wir im Kapitel von den Elementen
beim Wasser schon besprochen.

In Indien ist ein See, Asphaltides1) genannt, in dem kein
Lebewesen untersinken kann. Umgekehrt vermag im See Altes bei
Porrentan Nichts an der Oberfläche zu bleiben.

In Egypten findet sich, nach Jacobus und Solinus Angabe,
eine wunderbare Quelle, in der man brennende Fackeln auslöschen
und erloschene wieder anzünden kann. Das ist hier so, wie mit
den Thränen gewisser Leute, die vor übergrossem Zorn weinen.
Diese Thränen entzünden übermässigen Grimm im Herzen, wogegen
die Thränen des Mitleids dieselbe Flamme wieder auslöschen. Die

l) Der alte Name des todten Meeres.
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