Ackermann, Jacob Fidelis  
Über die Erleichterung schwerer Geburten: vorzüglich über das ärztliche Vermögen auf die Entwicklung des Foetus — Jena, 1804

Seite: 6
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6chen Luff entzogen werden, und an einem Orte die ersten Anfange ihres
JLebens führen, wo der zum Leben nöthige Sauerstoff ihnen nur aufserst
sparsam zugeführt .wird. Es war diese Veranstaltung nölhig, weil ein
freyer Zutritt des Sauersloffgafses die Verbrennung vermehrt, und über jenes
Maafs die Erregungen erhöht haben würde, welche allein den Ansatz des
neuen Stoffes und mit diesem die Entwicklung der Theile des Körpers be-
günstigen können. Wir sehen daher in dem Pflanzenreiche sowohl wie im
Thierreiche die organischen Keime versteckt, und erst dann an die Luft
hervortreten, wenn dieselben schon einen grofsen Grad ihres Wachslhum»
erreicht haben. Der große Vortheil, der durch diese Versteckung des ersten
Keimes, zwischen die Lappen der Saamenblätter und die Häute des Eyes
erreicht wird , ist , dafs nur ein aufserst schwacher Veibrennungsprozefs
statt haben kann , weswegen dann immer mehr ernährender Stoff zugeführt
wird, welcher auch, weil er nur aufserst langsam oxydirt wird, viel län-
ger in den organischen Räumen verweilt.

Noch ein anderer Vortheil, der daraus erwächst, ist, dafs der organi-
sche Körper in dieser ersten Periode seines Lebens weicher bleibt, und dem
flüssigen Zustande näher kommt; denn nur durch die Verbrennung oder
Oxydation wird der organische Stoff fest, und um so fester je mehr das
Oxygen an die einfachen Grundstoffe figirt oder gebunden wird. Wenn also
der Verbrennungsprozeß gehemmt, verhindert wird, so bleibt der orga-
nische Stoff weicher, biegsamer.

In dem Pflanzenreich ist dieser Zustand der verhinderten Oxydation wohl
bekannt, man nennt ihn die Bleichsucht derGevvächse, und mit dem franzö-
sischen Ausdruck l'etiolement des plantes. Alle Keime, Knospen und alle
später entwickelten Theile im Herzen des Gewächses sind weifs, weich und
aufgetrieben So zeigen sich auch allezeit, die jungen Foetus zwischen den
Kotyledonen, die durch die Geschlechtszeugung entstanden sind, die mon-
strös ausgearteten Kohlarten, und endlich alle der Einwirkung des Sonnen-
lichts beraubte, oder mit zuviel Nahrungsstoff versehene Pflanzen. Sie
wachsen und treiben schnell nach allen Seiten, ihre Stengel sind weich, voll-
saftig, ihre .Blätter klein, ihre Blüthea unfruchtbar.
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