Ackermann, Jacob Fidelis  
Über die Erleichterung schwerer Geburten: vorzüglich über das ärztliche Vermögen auf die Entwicklung des Foetus — Jena, 1804

Seite: 7
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Die ziemliche Erscheinung sehen wir im Thierreiche. Der jun^e Em-
bryo ist sorgfiiltig der Wechselwirkung der atmosphärischen Stoffe entzogen ;
daher ist er am Anfang gallertartig und bleibt weich» seine Knochen er-
härten erst ganz nach der Geburt. Ist das Thier in einem Zustande, worin
eine feuchte Atmosphäre es nmgiebt oder saure oder blos Pflanzennahrungs-
mitt'l esiit.hren, so wird es aufgedunsen, weich, selbst seine Knochen schwel-
len an und erweichen. Man nennt diesen Zustand Rachitis.

Wenn daher die Entziehung des Sauerstoffgafses in der ersten Periode
des Lebens im Thier-und Pflanzenreich ein Naturgemäßer Zustand ist,
so wird derselbe Krankheit, wenn er bey fortgesetztem Wachslhum anzu-
dauern fortfährt.

Das Oxyd des Hydrogens, worin, der Sauerstoff mit dem Wasserstoff
in dem Verhältnifs 73 : 27 verbunden ist, bildet oder stellt vielmehr das
Wasser dar, die feinste limpideste Flüssigkeit, die in der Natur verbreitet
ist. Alle flüssigen Stoffe der organischen Reiche sind Halboxyde des Hy-
drogens, denen noch Azot und Kohlenstoff in verschiedenen Verhältnissen
beygemischt sind. Versuche erweisen , dafs diese ilüssigen Stoffe um so
mehr erhärten, je mehr Sauerstoff in festerer Form mit ihnen verbunden
wird, oder je mehr der mit ihnen in einer ausgedehnteren Gestalt zusam-
menhängende Sauerstoff verdichtet wird.

Wir kennen zwey Stoffe, die bey der ersten Zerlegung der organischen
Körper sich darstellen, und welche auch als zurErnährung vorzüglich taug-
lich von den Aerzten und Physiologen angegeben werden, tue Gallerte
und der Eyweifsstoff. Beyde zusammen bilden die Tomelline der Herrn
Deyenx und Parmentier, und in einem weniger oxydirten Zustande die Fi-
brine; sie können aber bey fortgesetzter Oxydation die Härte des Horns,
und mit dem Kalkphosphat versetzt die Härteder Knochen erlangen.

Das Schaafwasser, worin der menschliche Embryo versenkt ist, be-
steht, wie die Versuche der Scheidekünstler erweisen, aus einer Lymphe,
die diese beyden ernährenden Stoffe in grofser Menge enthalten. Der Em»
bryo nährt sich aus diesem Wasser, indem seine Haut aufsangt, und sein
Mund es verschlingt; es kann aber nicht anders der allgemein erregende



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