Ackermann, Jacob Fidelis  
Über die Erleichterung schwerer Geburten: vorzüglich über das ärztliche Vermögen auf die Entwicklung des Foetus — Jena, 1804

Seite: 8
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und ernährende Stoff werden , als indem es sich den Sauerstoff in einer bis»
zum Halbg;is expandirten Form aneignet. Diesen erhält es, wenn es dem
mütterlicher! Blute in der placenta genähert wird. Wenn es alsdann durch die
Nabelvene in das Herz und in den Körper des Kindes zurückkehrt, dann
ist es geeigenschaftet, durch seinen langsamen Verbrennungsprozefs die
Lebensbewegungen in dem schwachen Grade zu unterhalten, wie es nöthig
ist, damit der Ansatz der das Wachsthum und die Entwicklung bewirken-
den ernährenden Theile hinreichend geschehen kann. Nur gering ist der
Procefs, der den Sauerstoff an die organische Materie bindet, damit mehr
Stoff dem jungen Körper verbleibe, als von ihm durch die Oxydation ent-
zogen werde. Daher ist auch die Wurme im Embryo , die er aus sich selbst
erhält, so äufserst gering, dafs er zur Fortsetzung des Lebens im Uterus
der mitgetheilten Wärme der Mutter bedarf, die ihm selbst in der ersten
Zeit nach der Geburt, wenn er schon athmet, nGch unumgänglich nothwen-
dig ist. Nur erst durch das Athemholen wird das thierische Leben fest
mit dem automatischen verkettet, aber eben dadurch auch eine gröfsere
Menge des Sauerstoffs in der durchdringenden Halbgafsform zur Ausübung
der thierischen Funktionen ins Blut gebracht.

Der Körper der im Uterus verschlossenen Frucht ist also in die für
das Wachsthum seines Körpers günstigen Umstände versetzt; ganz mit dem
ernährenden Hydrokarbon umgeben , und in eine Eyweifsstoffreiche Flüs-
sigkeit versenkt ist der Strom des in seinen Körper gebrachten Sauer,
etoffes nur gering, daher auch die Oxydation äufserst langsam und unter
diesen Umständen der Ansatz neuen Stoffes in jeder Rücksicht begünstigt.
Daher wächst auch der Kindskörper in diesen 9 Monaten seines Lebens
mehr, als nachher sein ganzes Leben hindurch. Aber er wächst nicht allein,
er bleibt auch weicher, so wie seine Knochen auch da, wo schon eine
grofse Menge von Kalkphosphat in die Mischung gekommen ist, viel
flaftvoller und biegsamer sind , so sind auch seine Muskeln viel weicher
und kommen dem Schleimzellsloffe viel näher. Aber wie bald verändert sich
dieses alles, wenn da,s Kind auch nur \ Jahr bey voller Gesundheit in der

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