Ackermann, Jacob Fidelis  
Über die Erleichterung schwerer Geburten: vorzüglich über das ärztliche Vermögen auf die Entwicklung des Foetus — Jena, 1804

Seite: 9
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Luft gelebt hat, zum offenbaren Beweis , wie viel e'n stärkerer Leben spro-
cefs zur gröfseren Befestigung der thierischen Maschine beytrage.

Es ist ausgemacht, dafs, je jünger der Embryo ist, desto mehr er
des Zuflusses bedürfe, welchen er auf dem Wege seines aufsaugenden Zeli-
atofFes und durch die fiesorption seiner Gefäfse erhält; er bleibt weicher,
wenn ihm aus der Placenta, oder was sonst diese Stelle vertritt, weniger
Sauerstoff zuströmt, er wird dichter und härter, wenn das Gegentheil
Statt hat.

Ob nun gleich der einmal gebildete Foetus sein eigenes Leben lebt,
und in Hinsicht sowohl des Stoffenansatzes , als der Erregungsgrade von
der Mutter ganz und gar nicht abhängt, so hängt er doch in so weit von
derselben ab, als ihm sowohl der NahrungsstolF als das äufsere Princip der
Erregung aus dem mütterlichen Blute geliefert wird; jenen erhält er aus
dem durch die Häute des Eyes ausschwitzenden Liquor amnios, dieses aus
dem Blute der Mutter, bey der wechselweisen Berührung, die zwischen
den kindlichen mit den mütterlichen Gefafsgeflechten der Placenta Statt hat.

Es ist also wohl keinem Zweifel unterworfen, dafs in Hinsicht des
Lebensgrades die Mutter den gröfsten Einflufs auf das Kind haben mufs:

i) Wenn wir auf den Nahrungsstoff achten, welchen sie dem Fötus

überliefert.
c) Wenn wir den Sauerstoff und die Form seiner Verbrennung berück-
sichtigen, wenn er aus dem Mutterblut an jenes des Kindes übertritt.

Die feinste Flüssigkeit des Thierkörpers ist der EyweifsstofF in seinem
nicht oxydirten Zustand; er durchdringt die feinsten Gefäfse und die dich-
testen Häuten, dieses lehrt die Erfahrung; und daher mag es kommen,
dafs nur der reinste EyweifsstofF durch die Häute des Eyes abgesondert
wird, wenn auch die Lymphe des Mutterblutes durch andere Oxyde
noch verunreinigt ist. Daher kommt es , dafs schwindsüchtige Mütter oft
starke Kinder erzeugen. Wollte man aber deswegen allen Einflufs des müt-
terlichen Bluies auf das Leben des Kindes leugnen, wie Hr. Oslander
quasi de tripode behauptet, so würde man sich sehr irren.

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