Ackermann, Jacob Fidelis  
Über die Erleichterung schwerer Geburten: vorzüglich über das ärztliche Vermögen auf die Entwicklung des Foetus — Jena, 1804

Seite: 13
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Diät und zweckmäfslgea Regime es dahin biingen , dafs Weiber, welche
bisher wegen einem mechanischen Hindernifs, z. 13. wegen zu engem Becken,
schwer geboren haben , leichter ihr Kind zur Welt bringen?

Ich glaube dieses aus obigen Gründen mit Gewifsheit durch Ja beant-
worten zu können. Die Möglichkeit der ärztlichen Hülfe hangt ganz
allein von dem Einflüsse ab, den das Blut der Mutter auf die Ernährung und
Erregung des Körpers des Kindes hat, und von der Möglichkeit, auf die
Masse und Beschaffenheit dieses mütterlichen Blutes zu wirken. Dieses
ärztliche Unternehmen wird zwar die Folge haben, dafs der Körper des
Foetus weich und fchlaff bleibt, aber es wird, indem es den Widerstand
vermindert, die Kräfte der Mutter zureichend machen, um die Frucht aus-
zutreiben. Eine solche Mutter also [denn von dieser ist hier allein die Rede]
dürfte, wenn sie eine leichte Geburt erwarten wollte, nicht jene sthenische
Lebensart führen, wovon ich so eben gesprochen habe; sie dürfte sich
nicht in der reinsten Luft aufhalten, und durch öftere Bewegungen die
Organe des Athemholens und des Kreislaufes in Thätigkeit bringen, son»
dem sie müfste vielmehr bey magerer, wenig nährender Kost, und bey
einer mehr sitzenden Lebensart das Ende ihrer Schwangerschaft abwarten,
um dadurch weit sichererden Gefahren einer schweren Geburt, als durch
chirurgische Hülfe zu entgehen.

Zuletzt erlauben Sie, mein Freund! dafs ich auch noch des Einflus-
ses des Nervensystems erwähne, weicher nicht so gering auf die Ernäh-
rung und Erregung des Foetaa ist, als man gewöhnlich zu glauben
pflegt.

Der Plexus der Nerven des Uterus ist eine Fortsetzung der Splachni-
schen Nerven, mithin der Herrschaft der Einbildungskraft, so gut wie
diese Stämme seilet unterworfen. Jede erhebende Leidenschaft mufs ver-
mittelst der Wirkung dieser Nerven auf die arter. uterin. das Blut in den
mütterlichen Theil der Flacenta antreiben, und dadurch eine gröfsere Oxy-
genation sowohl des Kindswassers als auch des Blutes des Foetus bewirken,
dahingegen jede niederschlagende Leidenschaft das Gegentheil nothvvendig
hervorbringen mufs.
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