Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 1): Monographie — Berlin, 1891

Seite: 16
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TAFKL 3o. POROSKOPIE VON DKR ATHKNUSCHKN AKROPOUS.

)ie Höhe des

f welchen E.
msclbcn stan-
r, welche E.

bauting der Parthononfiindamcnti: gleichzeitig sin

Erhaltenen betragt 0,35 in.

Der Tafel liegt ein Lichtdruck zu C>ruiidc
Siegert die erhaltenen Farben aufgetragen hat.
den dabei mehrere bunte Aufnahmen zur Verl*
Gillicrou gleich nach Auffindung des Kopfes gemacht hatte, und
welche die Farben noch in ihrer ganzen Frische zeigen, beson-
ders für die F'arbentöne sind diese Aufnahmen mafsgebend gc-

Die auffällig lebhaften Farhivslc. welche dem Kopfe bei den
Arbeitern den Namen des Barba Bleu eingetragen haben, be-
dürfen keiner genaueren Aufzählung. Hinter den Ohren zeigt das
1 laar zum Theil eine schwarze Färbung; da diese sehr geringen
Reste sich aber mit dunkelblauen Spuren zusammen linden und
sehr wenig fest haften, so halte ich dieselben für zufällige lie-
schmutzungen durch Asche. Sonst ist Haar und Bart einfach blau
gefärbt gewesen. Das Gesicht und der Hals waren rat. Die
Augenbrauen sind schwarz gemalt, ebenso Pupille und Augenwim-
pern, die durch eine einfache Färbung der inneren Kante der
Augenlider ausgedrückt sind. Die Iris ist hellgrün; der übrige
Theil des Augapfels zeigt, im Gegensatz zu den jetzt der Farbe
beraubten umgebenden Stellen eine so starke gelbe Färbung, dafs
Ich auch hier ehemalige Bemalung zu erkennen glaube.

Das Material ist ein heller, nicht eben weicher, wol attischer
Kalkstein. Die Bearbeitung desselben erfolgte offenbar theihveise
mit einer Art Messer oder Säge, wie sich z. B. an der zweiten
der du- Stirn umsäumenden, emporstehenden Lcjcken über dem
linken Ohre'sehen läfst. Hier ist die nach rechts vom Beschauer
gewendete ebene Fläche so abgeschnitten, dafs die Sage etwas
zu tief ging und noch in die darunterliegende, zu den laug her-
abfallenden gehörige. Locke einen sinnlosen scharfen Querschnitt
machte. Aohnliches. wenn aurh weniger itiiliaileiules. zeigt sich
bei vielen der tiefen Finsrlmiue, welche die Stirnhaare trennen.
Besonder!, charakteristisch für die Technik ist das gut erhaltene
linke Ohr: es ist durchaus von scharfkantig zusammenstoßenden,
verschieden gewölbten Flächen begränzl. wie sie beim Schnitzen
in einem nicht zu harten Material entstehen müssen. So stufst
/.. B. die äufsere obere Fläche der ()lirmuschel mit der schmalen
vorderen in einem scharfen, beinahe rechten Winkel zusammen
(Vgl. Winter in den Athenischen Mittheilungen XIII S. m R) Der
Schnurrbart ist als Hache Masse gebildet, die sich ganz iJLch-
mäfsig ein wenig über die Wangen erhebt und gegen diese in
scharfer Kante absetzt, die senkrecht zur Wangenfläche steht.
Aehnlich ist die Begrenzung des Kinnbartes, der sonst darin ab-
weicht, dafs seine Masse durch Hache Furchen belebt ist. welche
von der Mittellinie des Gesichtes aus nach beiden Seiten schräg

nd.

Hau

;alL,■

die

herabfallende Locken. Eretere bilden eine Art Kamm, der durch
senkrechte Einschnittt getheüt, auf der vom Beschauer abgewen-
deten Fläche ohne: weitere Bearbeitung geblieben ist. Die langen
Locken gehen von einem etwa über dem rechten Auge liegenden,
nicht ausgearbeiteten, bis zu 5 cm breiten Streifen nach beiden
Seiten aus, so dafs sie wie gescheitelt erscheinen. Diese Arbeit
erstreckt sich aber nur bis zum Wirbel: der Hinterkopf ist einfach
rauh geblieben. Die Locken selbst sind durch mäfsig gewellte,
etwa 1 i cm breite Bänder gebildet, von denen sich stets das dem
Gesicht naher liegende gegen das folgende:, etwas tiefere, senkrecht
in niedriger Kante absetzt, so dafs ein treppen förmiger Querschnitt
entsteht. Die Bänder selbst sind in der Oberfläche leicht gewölbt.

Die vorstehende SUim-, welche das Gesagte veranschaulichen
wird, zeigt einen Theil des Oberkopies von hinten her, den Kamm
der aufgerichteten Locken von seiner Rückseite und die nächsten
dahinter liegenden langen Locken, so wie C\vn genannten scheitel-
artigen unbearbeiteten Sireilen.

Es linden sich einige eingeritzte Vorzeichnungen Pur die Be-

der Umrifs
Ebendahin ist

iefle I

■ UMd!

■Vg<

Iris ist nämlich ■
allmählich in d

Oberfläche der
Wölbung erhält,
tiefer liegen als



Es



und sich j

h ■/.. B. bei den ägyptischen Flachreliefs
. an alten architektonischen Ornamenten
auf der Akropolis beobachten läfst. 1 )ie Pupille stellt sich als kleine
halbrunde Vertiefung dar.- Dafs dadurch nicht ein malerischer
Effekt im Sinne der späteren Skulptur erstrebt wird, beweist die
für nötig erachtete schwarze Färbung der Pupille.

Der Kopf galt zuerst als der eines Triton, weil unter den
zahlreichen verwandten Fragmenten sich Reste einer Gruppe in
Hochrelief erkennen liefsen. welche Triton von Herakles bezwun-

gen darstellte; aber auch anderes w;
Schlangen, Löwen, Stieren, auch sm
liehe Köpfe, alles in bunter Bemaiun-
mäfsig so kleinen Stücken, dafs aul
Setzung nur zu hoffen war, wenn eine 1
Vorhandenen abgewartet wurde! Bis
Innigen wurden deshalb die Versuche

r vorhanden. Reste von
nahe verwandle mensch-
aber alles in verhällnifs-
1110 glückliche Zusanimen-
löglichste Vermehrung des
gegen Ende der Ausgra-
ut diesen Resten verscho-

ben,

e blinde nicht mehr zn hoffen 1

i-neiim

reiche dar

1 wiedererstanden;
ton und 1 terakles

, liefs

ltung in verhältnifsmäfsig kurzer Zeit ein
rgab. Drei in Hochrelief ausgeführte ko-
>ros, stilistisch nahe mit einander verwandt,
ein Sder von zwei Löwen niedergeworfen,
endlich ein dreileibiges, schlänge 11 füfsiges

menschlichen



und geflügeltes Ungeheuer. Auf zwei
passen die genannten Kopfe auf, dem dritten ist jetzt der unsere
aufgesetzt, obwohl ein Theil des Halses fehlt. Für unzweifelhaft
kann die Zusammengehörigkeit trotz der allgemeinen grofsen Ver-
wandtschaft dieses mit den beiden sicheren Köpfen nicht gelten,
da sich doch auch Unterschiede finden lassen. Bei jenen Köpfen
sind die Augen weniger hoch, weniger rund und weniger gewölbt,
der Mund, als grade Linie gebildet, weniger voll und an den
Ecken nicht heraufgezogen, der Umrifs des Bartes am Kinnbacken
einfacher, die Einkerbungen, welche ihn beleben, nicht, wie bei
unserem Kopfe, ährenförmig gestellt, sondern als einfache paral-
lele Horizontallinien angeordnet, die Locke hinter dem Ohr breiter
und an der Vorderseite ähnlich wie: der Bart gewellt, endlich das
Ohr weiter geöffnet.

Eine kleine Abbildung des Kopfes bietet das Journal 0/ //<•/-
lenic sludics IX S. 122; sonst vgl. U$zuwloy<zfr MIti'ov l888S.31.
203. Bulletin de correspondance iicilcniqnc XII 1S88 S. 239. Athe-
nische Mitteilungen XII 1887 S, 386. XIII 1888 S. 107. 22;. 436.

Athen. Pah. Wolters.
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