Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 1): Monographie — Berlin, 1891

Seite: 31
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TAFEL 42. 43. DIE RELIEFMEDAILLONS AM CONSTANTINSBOGEN ZU ROM.

Die Abbildungen sind nach Aufnahmen vom Original hergc- j welche in den Abbildungen minder deutlich sind, und in ge-
stellt, die von einem Gerüste gemacht wurden, welches den Reliefs sperrten! Druck namentlich die Freiheiten nicht sowohl, als unter-
bis auf vier Meter nahezukommen verstattete. Auf Taf. 42 sind polarionen der von Bellori, Vetcres artus Atigusforum u. s. w. 1600
die Medaillons der Nordseite gegen die Meta Sudans hin, vereinigt, erläuterten Zeich innigen des P. S. Rartoli hervorheben, welche
und zwar unter 1 und 2 das Paar über dem linken, unter 3 und' 4 auch von Rossini und allen anderen wiederholt sind.
das über dem rechten Neben durchging, ferner auf Taf. 43 die j

beiden Paare der Südseite gegen den Circus maximus hin, unter r. Bohrarbeit ist nur an Stämmen und Blattern auffällig. Iris

5 und 6 das zur Linken, unter 7 und 8 das zur Rechten. und Pupille sind, wie überall, auch an Thieren, durch eingetiefte

Jedes Medaillon hat mit dem Rahmen r. 2,20 m. Durchmesser Kreise und Kreistheile angegeben. — Fig. 1 (wie immer von links

und ist rund geschnitten, aufser dafs behufs sicheren Standes gezählt): Stützen {p,wtel!t\ für die Rechte an der Hüfte, für den
während der Ausführung in der Werkstatt unten ein gegen 1,50 m. : Spiefs am Gewand über der Schamgegend. — Fig. 3: der Nimbus

breiter Fufs daran gelassen war. der auf unseren Abbildungen nicht eigentlich in Relief, sondern aus der Fläche herausgeschnitten,

weggefallen, aber am Original auch jetzt, namentlich bei 1 und Im Hals eine Fuge, aber unregelmäfsig, einem Bruche ähnlich.

2, deutlich ist. An den übrigen Medaillons ist bei Gelegenheit Die Richtung des Spiefees, fast senkrecht auf den Nacken des
der Einfügung in den Constantinsbogen grade der untere Theil ; Ebers, ist durch vier Stützen, die oberste am Rahmen, die unterste

des Rundes entstellt worden. Der Grund um die Medaillons, am r. Knie gegeben. — Mefspunkte, z. Th. mit vertieftem Centrum

zwischen den Pilastem zur Seite, den Constammischen Figuren- auf der Warze, finden sich an Fig. 3 an der r. Wade, am r. Arm

streifen unten und einem glatten Streifen oben, winde näm- !. und r. von der Beuge, an derselben Figur beim Pferd am r.

lieh mit Porphyrplatten verkleidet (ein Stück zwischen l und 2, Beinansatz und auf der I. Stirn, beim Eber am Hintertheil, beim

ebenso unter 1, 5 und 7 noch vorhanden), welche in einer Pferd von Fig. 1 unten an der Mähne.
fast ringsum seitlich in den Medaillonrahmen eingehauenen Rinne

eingefalzt waren. Um diesen Plattenbclag auch unter den Me- 2. An der Figur des Gottes geht ein Spalt durch den

daillons herumzuführen, hat man, da dieselben einmal auf <.hn Hals. — Fig. 1: Stützen für den Spiefs unter dem r. Knie, an

meist ganz niedrigen Fufs gestellt waren, unten von der Run- Oberarm und Rahmen. — Fig. 2: der Nimbus scheint hier wirk-

düng abgeschnitten, und um diese Schmälerung, welche sich lieh über der Grundfläche erhaben. — Fig. 3: das Fufsende des

natürlich an den Rahmenkreisen besonders bemerkbar machen Spiefses ist auf dem Boden zwischen dem Altar und r. Fufs

mufstc, nicht allzu verletzend wirken zu lassen, hat man die ganze erhnhcn">fcwei Stützen vor der r. Brust. — Mefspunkte neben

Rahmonprofüierung unten (aufser bei 1 und 2) durch rohe Ab- Apollons Achseln, am Hintertheil des Greifen,
meifselung verschwinden lassen. Denn, wie 1 und 2, theilweise :

auch 7 und S noch erkennen lassen, war wenigstens der äufsere 3. Fig. 1: das Gesicht ist abgespalten und der untere Theil

glatte Rahmenleisten überall rings herumgeführt, und zwar sprang verschwunden. Der Spiefs endet oberhalb des r. Knies auf dem

derselbe z.B. bei 4, bei 3 und 6 aber auch der geschweifte Leisten. Gewand. — Fig. 2: Spalt durch den Hals; Nimbus wie in rUnd 2.

da wo unter den Figuren der Grund vortrat, einfach heraus. Wo Die Rechte hielt eine Waffe, deren Stützen am Gewand von Fig. 1

dies am besten erhalten ist, bei 3, verdankt man es der Rück- und am Rahmen sichtbar sind. — Fig. 3: Spiefs senkrecht, unten

sieht auf die Figur des Löwen. Wo man es dagegen zerstörte. Stütze, oben Schaft. — Fig. 4: Spalt im Hals und zwischen Kopf

mufsten auch die Enden tles Fiifsbodenprofils, erhalten bei 4 und und Grund; der Spiefs (Schaft am Rahmen und I. Ärmel, Stützen

6, abgemeifselt werden, wie bei 1. 2.5. 6. 8. am r. Bein und Schulter von 1%. 5) hatte die Spitze nach unten.

Der Marmor ist vielleicht pentelisch, diesem wenigstens in . — Mefspunkt bei Fig. 4 am I. Oberschenkel. —
der Neigung zu spalten ähnlich. Durch solche Abspaltung haben :

die Medaillons der Südseite (Tafel 43) mehr gelitten. Oft sind die 4. Auf dem Panzer r. neben dem Götterbild der Kopf eines
Köpfe nicht blos abgebrochen, sondern auch, wo sie relicfartig Löwcnfclls, darauf eine Stütze für die I. Hand; auf dem Hals
am Grunde hafteten, abgespalten, so dafs, wo sie noch haften, die des 1. Panzers Bruchstelle; die Basis des Bildes regehnäfsig gc-
ohne eine in noch gröfserer Nähe angestellte Untersuchung kaum schnitten, namentlich an den Ecken; unter den Füfsen ein flach-
sicher zu beantwortende Frage entsteht, ob solche Köpfe entweder gewölbter Gegenstand. Ein Bauwerk ist, aufser durch die Bekrän-
nie ganz abgelöst waren, oder, wenn sie es waren, wieder befestigt zung, auch noch links durch drei Vertikallinien, Grenzen vor-
wurden, oder drittens gar nicht die ursprünglichen sondern er- springender Theile angedeutet, die erste am hängenden Kranz, die
gänzte sind. zweite hinter dem Kopf von Fig. 2, die dritte I. vom Spiefs von

Von einstiger durchgängiger Bemalung der Reliefs zeugt der Fig. r. — Fig. 2: der Spiefs, dessen Fufsende am r. Fufs, dessen

auf den verschiedensten Theilen nicht blos der Figuren, des Nackten Schaft am r. Ärmel zu spüren, deckte fast denjenigen von Fig. 1. —

wie der Kleidung, der Thiere, Bäume, ja des Grundes und des Fig. 3: Nimbus wie in 1 'und 3. Die Stelle der Stütze unter der

Rahmens, erhaltene Überzug, wie er wenigstens in römischer Zeit rechten Hand spricht allerdings für eine/rt/wu. — Zwei Mefspunkte

bei aller Marmormalerei als Grundlage für die Farbe üblich war. am r. Unterbein von Fig. 3.
Dieser Überzug, farblos, aufser dafs er gleich dem Marmor von

der Luft gebraunt ist, ist so dünn aufgetragen, dafs die Raspe- 5. Fig. 2: Fufsende des Spiefses r. am 1. Fufs.

hing des Marmors, welche vielleicht das Anhaften des Überzugs

begünstigen sollte, durchscheint; manchmal blieb freilich Zweifel- 6. Der Gott ohne Keule; für die Rechte und ihr Attribut
haft. ob, namentlich auf der glatten Grundfläche, die reinen zwei Stützen in wagerechter Linie. Über den Baum, eine immer-
Striche nicht vielmehr vom Pinsel herrührten als von der Raspel. grüne Eiche, ist ein Bärenfell gehängt, kenntlich am Kopf und
Wo der deckende Oberzug kürzlich abgeblättert ist, erscheint die einer hängenden Tatze. — Fig. [ hält sich mit der L. am Baum-
Marmorhaut weifslich, während sie, länger entblöfst, sich gebräunt ast, während die R. einen Kranz hinter den Kopf des Götterbildes
hat. (Vgl. namentlich 6 rechts.) Ein weiterer Beweis für Bemalung hält. — Fig. 2: der Gegenstand hinter der L. undeutlich. — Fig. 4
sind sowohl manche, besonders bei 5, in überaus flachem Relief stützte die Linke ohne Spiefs auf die Hüfte. — Mefspunkt bei
gehaltene Theile, als besonders der Nimbus hinter dem Kopf der Fig. 3 an der r. Wade.
Hauptfigur, indem er plastisch angedeutet ist nur bei t —.,, so dafs

er bei 5—S ganz der Malerei überlassen sein mufs, die auch bei /. Ein Schwert hatte weder Fig. 1 noch Fig. 2, aber

jenen ersteren zu Hilfe kommen mufstc, um die Scheibe, welche die Stützen für Spiefse sind bei beiden sichtbar. — Fig. 3: ßruch-

doch grade gesehen sein sollte, deutlich zu machen. flache zwischen Zeigefinger und Daumen der Rechten.

Die nachfolgenden Angaben tollen Einzelheiten angeben,
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