Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 1): Monographie — Berlin, 1891

Seite: 32
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g. Das Götterbild hält in der Rechten eine Fackel (Schaft wähl
unten, Stützen oben), in der Linken einen zum Grund rückwärts Spie
gekrümmten Gegenstand (Bogen); der Köcher ist über der r.
Schulter sichtbar; auf dem Altar sind anscheinend keine Flammen,
aber kreuzweis geschichtete Stäbe, darüber Früchte, in der Mitte folg«
ein Pimenzapfen sichtbar. Ober diesen hält Fig. 3 die Rechte wag- IV. !
recht, die innere Fläche nach unten; vom Spiefs in der darg
Linken ein Schallstück an der 1. Schulter, das Fufsende vorm r,
Fufs. — Fig. 2 hält in der Linken das Schwert in der Scheide,

TAFEL 44-46. THONSARKOPHAGE VON KLAZOMENAI.

Die hier veröffentlichten Überreste von Thonsarkophagen sind
in Klazomcnai gefunden worden. Die auf Tafel 46, 3 — 5 nach
Photographien gezeichneten Bruchstücke gelangten in das British
Museum und sind siinimt einigen andern, inzwischen verloren ge-
gangenen, herausgegeben und beschrieben von Dennis {'/'iiiir/111/i>/
Ifcliaiic sttuiies IV. 1883. S. 1 ff. Amiali dett histittde LV. 1883.
S. 177 f.). Conze hatte kürzlich Gelegenheit die Originale zu re-
vidiren. Das auf Tafel 46, 1 abgebildete Exemplar befindet sich
in der Sammlung der evangelische:! Schule in Smyrna, woselbst
ich 1887 die einzelnen Fragmente zusammensetzen und zeichnen
konnte. Die übrigen drei Sarkophage sind 1SS7, etwa halbwegs
zwischen Vurla' und der Scala. in nordnordwestlichor Richlung von
Vurla auf einem Acker zum Vorschein gekommen; von ihnen sind
die auf Taf. 44 und 46,5 abgebildeten nach Berlin in die Kölligl.
Museen, das auf Taf. 45 veröffentlichte nach Wien in die archäo-
logische Sammlung der Universität gelangt. Ich habe sie selbst
sehen, die Berliner Exemplare genau untersuchen können und ver-
danke die hier mitgetheilte Beschreibung des Wiener Exemplars
R. Heberdey.

Zwei gleichartige Sarkophage desselben Fundortes befinden
sich im Kaiser!. Museum zu Conslanlinopel und sind von Humatin
und Puchstcin herausgegeben in den Mim. iMf Ins/. XI. Taf. 53.
54. Ann. Hell' Li.'/. LV. 18S3, S. 1-68 ff., wo bereits auf das ein-
zige bis dahin bekannte Exemplar eines derartigen griechischen
Sarkophages aus Rhodos im British Museum hingewiesen werde.

Mit den jetzt in Iierlin befindlichen Exemplaren wurde ein
Deckel aus weichem weifsem Kalkstein gefunden, roh zugehauen,
2,57 m. lang, 1,00 bis 1,13 m. breit und 0,13 m. dick. Ebenso
wird von den Sarkophagen in Conslanlinopel berichtet {Anuali
1883. S. 169). ^

Die Technik der hier veröffentlichten Exemplare isÄlieselbe
wie namentlich bei den in Constantlnopel befindlichen {Aimaii
1883. S. 170). Der ganze Sarkophag ist in einem Stücke her-
gestellt. Der oblonge Kasten, der sonst ohne Verzierung blieb,
wurde oben mit einem flachen, wie die Abbildungen zeigen, ge-
gliederten und bemalten Rahmen versehen. Das Material ist ein
grober, mit kleinen'Steinchen versetzter Thon, über welchem eine
0,02 bis 0,03 m. dicke Schicht feineren Thones aufliegt, dessen

Farbe nach dem
ist an den Fläch.

! heller

/eiche

: Male,

-■!,.(.

;,■!,!,:■

Die:

Schicht

.1 Berliner
Die ge-

Sarkophages (Taf. 44) die anschaulichste Vorstellung
glättete Oberfläche ist mit einer feinen Schicht gleichmäfsig auf-
getragenen, gelbweifsen Pfeifenthones überzogen, auf welchen die
Umrisse der Darstellung, der figürlichen sowol wie der ornamen-
talen, mit dünnen, gelblich erscheinenden Firnis-Linien vorge-
zeichnet sind. Nur für die überhaupt nachlässiger behandelten
ornamentierten Innenkanten hat man sich nicht die Mühe der Vor-
zeichnung gegeben. Das Meiste ist sodann mit dicker Eirnis-
farbe ausgefüllt. Einzelnes aber, wie die Köpfe der Löwen und
Panther auf den unteren Streifen, liefs man ähnlich wie die be-

helmten Köpfe auf dem einen der Constantinopler Exemplare
{Amiali 1883. S. 173) im Umrifs stehen. Der Ton der deckenden
Firnisfarbe ist nicht überall gleich. Wo er ganz dünnflüssig auf-
getragen ist, wie bei den Yoi'zcichnungen, ist er gelb; dick auf-
getragen ist er, je nachdem er beim Brennen der Hitze mehr oder
weniger stark ausgcsetzt war, rot oder dunkelbraun geworden.
So kommt es, dafs auf einem und demselben Sliick beide Farben
nebeneinanderstellen, wie auf den beiden Berliner Sarkophagen
Taf. 44 und 46, 2; bei letzterem erscheint am Kopfstück und den
Längsstreifen die Farbe rot, am Fllfsstück dunkelbraun, während
in den Palmetten über dem Fiifsslück beide Töne allmählich in
einander übergehen. Auch beim Wiener Sarkophag (Taf. 45)
erscheint der Farbstoff in der linken Hälfte hellrot, in der rechten
unteren Ecke jedoch schwarz; der Übergang zum Rot findet in
der Mitte des unteren Querstreifens ziemlich unvermittelt, im
rechten Längsstreifet) und der rechten Ecke des oberen Quer-
s;:vife:is ganz alimählich statt. Auf diese Firnisfarbe ist vielfach
noch ein lebhaftes ins Violette spielendes Rot aufgesetzt, wie
an den Waffen, an den Hufen der Pferde 11. s. w., Spuren
davon haben sich in gröfserer Menge auf dem Berliner und
dem Wiener Exemplar Taf. 44. 45 imd auf den Londoner Frag-
menten erhalten. Besondere Sorgfalt ist überall auf die limen-
zeichmmg verwendet. Dieselbe Ist nicht eingeritzt, wie bei den
schwarzfigurigen Vasen, sondern in weifsei- Farbe mit feinem Pinsel
aufgetragen, mitunter, wie an den Körpern der Tiere in den
Längsstreifen und Fufsstticken, ist auch eine breitere Linie des
weifsgelben Grundes ausgespart, damit die Umrifse der einzelnen
Glieder sich schärfer um einander abheben. Die mit dem Pinsel
aufgetragenen weifsen Linien erscheinen auf Taf. 44 ein wenig stark.

Die vorhandenen Sarkophage lassen sich nach den Überein-
stimmungen im Stil, in den Ornamenten, in der Wahl und An-
ordnung der bildlichen Gegenstände, auch in der Ausführung von
Einzelheiten wie der Helmformen, leicht in z.wei Gruppen scheiden.
Zu der ersten gehören das Wiener und Smyrnaeer Exemplar, die
Fragmente 46, 3 und 46, 4 in London und wol auch der grofse
Sarkophag in Constatuinopcl [Miia<»u:uti XI. T. ~,.\:. dem sich das
Londoner Bruchstück 46, 5 als nächstverwandt anreiht. Die zweite
Serie, welche wir auf Grund der entwickelteren stilistischen Be-
handlung wol die jüngere nennen dürfen, wird durch die beiden
Berliner-Stücke und das kleinere Constantinopler Exemplar {Moiut-
meuti XI. T. 53) gebildet.

Für die Anlage der Decoration auf der Oberfläche des Sar-
kophagkastens ist offenbar die Rücksicht auf die feierliche Aus-

Der Verstorbene er-
st bei der Bestattung

umgeben (vgl. auch
Anm. 3). Aber die

Stellung der Leiche mafsgebcnd gew

schien in dem offenen Sarkophage,

in kunstloser Form mit dem Deckel 1

einem architektonisch aufgebauten Ra

Loeschcke, Dorpater Programm 1SMH

Decoration ist schwerlich für die Sarkophage selbst erfunden,

sondern vermuthlich von andern Denkmälern auf diese übertragen.

Hierfür spricht auch der merkwürdige Umstand, dafs sie fast in

allen Einzelheilen entsprechend auf i\<-n drei Seilen eines jetzt im

Berliner Museum befindlichen Grabsteines aus Chios (Athenische

Mittheilungen des Instituts XIII. 1888. Taf. III, S. 200 [Studniczkaj,
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