Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 1): Monographie — Berlin, 1891

Seite: 46
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,i Bogen gehören noch die Handhabe eines Schildes sein. angdangt. Es scheint, dafs es galt, einen Gegenstand aus ge-
strecktem Ann fortzuschleudern, wofür ein Anlauf nötig war, und
wobei sich der Kopf naturgemäß nach hinten herüberneigt.

Die Figur ist von einer überraschenden Schönheit und van
j einer Frische und Feinheit der Arbeil, die an ein griechisches Origi-
Es ist ein dreifach zusammengelegter Streifen von Zeug oder Le- nalwerl: denken liefse, wenn nicht die sehr störend wirkenden
der, der nur lose zwischen den Fingern liegt und mit den Enden Stützen, von denen namentlich die unter dem linken Knie die Re-
nach unten herablimg, denn die Hand war abwärts gerichtet mit wegung weniger frei und leicht erscheinen läfst, deutlich verrieten,
der Innenfläche dem Körper zugekehrt, wie aus dem erhaltenen l|afs sie einer Broiuestatue nachgebildet ist- Als ich sie in dem
Ansatz einer Stütze an der inneren Handwurzel mit völlige,. Sicher Weinen '"><' schlecht beleuchteten Räume sah, in welchem sie im
heit hervorgeht. Die Oberfläche ist Überall gleichmütig geglättet Kloster von S. Scolastica aufgestellt war, glaubte ich in manchen
und gut erhalten bis auf eine Verletzung über .lein rechten Knie Einzelheiten eine gewisse Strenge der Formenbehandlung wahrz.t-
wo ein Stück Marmor ausgebrechen ist. Hier scheint daher die nehmen und fühlte mich durch die Haltung des linken Armes und
einzige Stelle zu sein, wo die Stütze aufgesessen haben kann durch die vollendete Darstellung des flüchtigen Momentes an das
Auch die Krümmung'im Ellenbogen stimmt zu der Bewegung! Motiv des myronisclien Diskobolen erinnert. Aber nach den Photo-
wen,, ,1er Arm über das rechte Bein, freilich ohne dieses zu be- graphien, ()ie freilich für die stilistische Beurteilung der Statue
rühren, herübergriff. Aus Künstlerkreisen ist dagegen eingewendet, keine genügende 1 landhabe bieten, scheint sie der Richtung, die
dafs die Entfernung von der linken Schulter bis zum rechten Knie dun* Figuren wie den Madrider Hypnos oder den llioneus ver-
für eine solche Bewegung zu kurz sei, offenbar irrig, wie sich treten ist, naher zu stehen als den Werken des Hinten Jahr-
Jeder, der den eigenen Körper in die gleiche Haltung bringt, hunderte. Doch wage ich nicht, da ich die Statue in der besseren
leicht überzeugen kann. Aufstellung in Rom nicht mehr, gesehen habe und mir auch kein
Für die Erklärung des Motivs wird es vor Allem zu berück- Abgufs «l Gebote sieht, eine genauere Bestimmung nach Zeit und
sichtigen sein, dafs das linke Knie keineswegs auf den Boden auf- Kunstart zu geben,
stöfst. Der Jüngling ist in schnellem Lauf soeben an einem Ziele Franz Winti;*.

TAFF.L 57. AMPHORA AUS ATHEN.

Das grofse Gefäfs, dessen einzelne Bilder auf Ta
gesammte, in allem Sicheren ergänzte Ansicht hie:
Zeichnungen E. Glllieron's wiedergegeben sind, wurde
bungen, welche die Ephoric der Altertümer in Athen (
gegenüber dem Waisenhause, Ecke der öd'iii 'lltitr/..
nahm, entdeckt (vgl, .■■W/.iinr t'njyj>tt,h,yn!iU- !."ii»i S. .|. ■
bclindri sich [i-t/t im alhrnisdieu Xntinnalmitseuui.
ergänzten Eufs eingerechnet, i,m m hoch, Aiifser
ieite ergänzt, von der Vor



Ui

1 wesentliches.

Die Vase h
der Form, 111

- auf ihrer Vorderseite dekorirt und, schon
r die Vorderansicht berechnet: die grofsen
Henkel sind als breite Bänder gebildet, welche in der Mitte ihrer
Höhe, nahe ihrem rückwärtigen Kand. noch mit dem Gefäfs durch
einen runden, wagerechten Steg verbunden sind, wahrend ihre
Vorderseite flach geschlossen und bemalt ist. Die ganze Rück-
seite des Gefäfses ist von oben bis unten ziemlich nachlässig mit
schwarzem Fimifs überzogen. Dasselbe war also bestimmt, fest
aufgestellt nur von einer Seile gesehen zu werden, wie wir
schliefsen dürfen auf einem Grabe, da es in der Nekropole, aber
nicht in einem Grabe, sondern im Schutte über den Gräbern
(deren ehemalige Rodcnhohr durch einen mich aufrechtstehenden
Grenzstein gesichert war) in vieli-n Scherben, aber an einer Stelle
gefunden wurde.

Zur Remnhmg ist aufser dem schwarzen Firnifs die bekannte
braunvioletic. stumpfe Farbe verwendet, und zwar ist sie nach
Vollendung der Einritzung auf den schwarzen Firnifs aufgesetzt,
nur zweimal steht sie unmittelbar auf dem Thongrund, Weifs ist
noch nicht verwendet. Die Einritzung ist mit grofser Sorgfalt
und solcher Sicherheit ausgeführt, dafs man die Benutzung des
Curvenlineals (vgl. Brunn, Probleme S. 43) voraussetzen mufs, be-
sonders bei den grofsen Bogenlinien der Flügel. Kleine Unregel-
mäfsigkeiten erklären sich aus der Unebenheit der Oberfläche,
Manches ist auch aus freie, Hand gezogen, ■/.. B. der untere Ge-
wandsaum des Herakles, aber grade hier zeigt sich auch eine
auffällige Unsicherheit der Linienführung.

Der oberste Rand der Vase ist mit zwei braunvioletten Rund-
stäben eirtgefafst, zwischen denen sich ein mit Wasservögeln und
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