Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

Seite: 6
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Vier Namenbeischriften sind auf diesem Bruchstücke, davon
drei ganz erhalten. Von dein einen Maulthiernamen wird dw
Schlufs über dem Rucken T6yJ; (? Gerhard A. V. CXC f.) hei
rühren, der zweite steht vollständig vor den Köpfen: OctXiöc, wie
ein Pferd auf einer Amphora der Exekias heilst (Furtw. i, !0),
Dem Manne ist von r. nach 1. herablaufend der Name beige
schrieben: MuXtos, und ebenso der zuschauenden Frau v

Die Darstellung ist von Furtwängler für die äx'fop« gehalten,
Dann würde ihren Platz in der Nähe der itpöösstc - Platte /n suchen
nahe liegen. Allein es scheint, dafs ein Bruchstück (Taf, [0,3
Furtw. 1S23) nicht blofs die Hintertheile iU-v beiden Maulthiere auf
4 aufweist, sondern auch die Kniee einer auf dem Wagen sitzenden
weiblichen Figur (vgl. die angeführte Vase Gerhard A. V, CCXVII)
und deren 1. Hand, von der das Obergewand herabhängt, und
die einen dünnen Stab aufstützt, und in wagerechter Richtung die
Verbindung von Wagenkorb und Deichsel, dazu im Felde den
Anfang eines Namens <l>s . . .

Platte E. Männerzug. Taf. 10, 1. 2 = Furtw. [8i8ttb.
Zwei Bruchstücke, die r. obere Ecke und ein kleineres Stück
vom unteren Rande. Stehende und schreitende Männer, ein Jüng-
ling und ein Knabe, der einen (weifsen) Stab hält (2), wie ein
solcher auch von einer der andern Figu-
ren (1) gehalten zu werden scheint.

Platte F. Frauenzug. Taf. 10,
7. 8 = Furtw. 1816. Zwischen den Frauen
findet sich allerdings auch einmal ein Mann
auf einem Bruchstücke Furtw. 1S26.

Zu einer dieser Platten mit linksläufi-
gem Mäander gehört auch das beistehend
abgebildete Bruchstück mit einem flieg-en-
den Vogel (vergl. 'Etpijii. äp^cttoX. 1888
S. 185. Martha, L!art. elrusque S. 360,
Abb. 249).

II.

Viergespanne und Reiter.

Vier Viergespanne sind sicher zu zählen.

Platte G. Taf. 9, 1 = Furtw. 1819.

» H. » 10, 9. 10 = » 1820.

» J. = Furtw. 1821, 1S22. Hinterer Theil der Pferde
und Rest vom Wagen und Lenker.

Platte K. = Furtw. 1821, 1822. Fragmente von Pferden,
Wagen, Frauen. GK u. HJ entsprechen einander durch die ver-
schiedene Richtung der Frauen. J und K sind hierunter in Um-
rissen abgebildet, da ihre Bruchstücke auf unseren Tafeln ganz
fehlen und doch Einiges erkennen lassen was bei den beiden an-
deren Exemplaren der Viergespanne fehlt.

Jedesmal wird das auch sonst immer sehr gleichartige Bild
einer Platte r. von einer nach 1. stehenden weiblichen Figur be-
grenzt, die gleichförmig den 1. Arm gesenkt, den r. gehoben ge-
halten zu haben scheint. Andre Frauen gehen meist mit Klage-
geberden den Wagen zur Seite hinter den Pferden. Auf Platte
H sind zwei Pferden Namen von oben nach unten gerichtet bei-
geschrieben, rechtsläufig KaXicpopa; und linksläufig Sijjios; Namen
die auch Exekias verwendet, dessen Pferde den hier dargestellten

ähnlich sind; mein noi h gleichen ihnen allerdings

Vergl. Libei die Namen f Jeschönnek, De nominibm quae Graeci

peeudibm domesticis indiderunt. Diss. Rcgiom. 1885.

Reiter erscheinen auf wenigstens einer Platte L. Taf. 10, 6
= Furtw. 1824, wozu die Pferdebeine gehören, die Furtwängler
zu dem Gespann 1822 rechnete, und das vorstehend abgebildete
Bruchstück = Furtw. 1825 mit rechtem Rand von einem von vorn
gesehenen Pferde. Zu einem solchen Pferd (zu demselben?) ge-
hört noch ein kleines Bruchstück einer Brust, auf dem noch der
Rest des Brustgurts zu erkennen ist, der mit dem von Wagen-
pferden übereinstimmt.

Ueberblicken wir die sämmtlichen Bruchstücke, so sehen wir,
dafs mit Ausnahme der Szenen auf Platte A und C, Prothesis und
Frauengemach, auf allen Platten eine Zugbewegung von 1. nach
r. durchgeht, sowohl auf den Platten I
mit oberer linksläufiger, wie auf denen
II mit oberer rechtsläufiger Mäander-
borde, während man aus dem hier-
neben abgebildeten, scheinbar abwei-
chenden Bruchstück nicht auf das Vor-
kommen einer Zugbewegung nach links
zu schliefsen braucht, sondern anneh-
men könnte, dafs hier einmal zwei
Männer, wie sonst je eine Frau, die
Darstellung abschlofsen oder vielleicht
einem von links kommenden Zug ent-
gegengewandt waren. Die ersichtliche

Anordnung verträgt sich am besten mit der Annahme, welche die:
neuesten Gräberfunde in Attika an die Hand geben, wie zu ihr
auch Wolters bei Herausgabe einer der unsrigen ganz analogen
Reihe von ebenfalls im äufseren Kerameikos gefundenen bemalten
Thontafeln hinleitet ('E<prj[i. dp/aioX. 1S88, S. 181 ff. Taf. 11), — mit
der Annahme, dafs die Platten rings um eines der grofsen aus
Lehmmauerwerk aufgeführten Grabmäler angebracht waren, wie sie
letzthin in Vurwa und auch im äufseren Kerameikos sich gefunden
haben. Versetzen wir da die Platten mit linksläufigem Mäander

Reiter und Viergespanne.
Platten G, H, 1, K, L.

Frauen-
zug
Platte E.





*— Mäander



Männer-
zug
Platte F.

Mäander

t

<— Mäander

Mäander

1

Platten B, C, A, Di C und A im Hause.

auf die Vorder- und die beiden Schmalseiten, die mit rechtsläu-
figem Mäander auf die Rückseite, so ergiebt sich etwa obige Ver-
theilung, bei welcher die Stellung der einzelnen Platten nicht mit
Zuversicht bestimmt werden kann. Die Platten können ihrer in sich
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