Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

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Entfernung der Eingeweide der hohle Raum mit Pech ausgegossen,
der Körper mit öligen Substanzen behandelt, welche nicht nur
das Fleisch sehr gut erhielten, sondern auch heute noch klebrig
und fettig sind (Flinders Petrie, Hazvara Biahvnt andArsinoe S. 22;
auch briefliche gefällige Mittheilungen von Professor von Kaufmann).
Diese Fettigkeit — ob noch vermehrt durch Verwesungsprodukte
lasse ich dahingestellt — ist manchmal stellenweise in die Binden-
umwicklung hinein (so z. B. im Berliner Museum bei No. 11753,
Cat. S. 255, woselbst auch ein Theil des auf Leinwand gemalten Por-
träts durchdrungen ist), oder auch bis in die, die ganzen Mumien
zuweilen umhüllenden, ungrundirt bemalten Leichentücher eingedrun-
gen (z.B. Berliner Museum No. 11651, Cat. S. 258 und No. 11652,
Cat. S. 259) und läfst dadurch die auf denselben befindlichen
Malereien in grofsen öligen Flecken um ein Beträchtliches tiefer
erscheinen als die danebenstehenden, vom Oele nicht berührten
Teile. Diese Durchtränkung mit öliger Substanz ist auch dem
Porträt der Frau Aline widerfahren, zum Glück in ganz gleich-
mäfsiger Weise, und daher rührt zum Teil seine tiefe Farben-
stimmune- Die geschickten Hände des Herrn Restaurators Hauser
haben, wie ich aus seiner eignen Mittheilung weifs, diese klebrige
Fettigkeit entfernt und er hat sodann, um alle Farben gleich-
mäfsig zur Wirkung zu bringen, einen dünnen Ueberzug aus Wachs

und Terpentin über das Gemälde gelegt. Von diesem rührt der
leichte Glanz desselben her.

Der Schmuck ist plastisch erhöht und vergoldet. Die Ohrringe
sind von der Form, wie sie im ersten und zweiten Jahrhundert
n. Chr. vielfach Mode ist (Vgl. Folnesics in den Mittheilungen
des K. K. Oesterreichischen Museums für Kunst und Industrie 1892
No. 82 — 85 u. 1894 No. 98). Das Gleiche gilt von der Haaran-
ordnung, welche, wie die Ohrringe, auf herkulanischen undpompeiani-
schen Malereien häufig gleichartig vorkommt (Heibig: Venus 340;
Hermaphrodit 1372 u. 1369; Thetis 131677). Nicht nur nach
diesen äufseren Kennzeichen könnte das Bild sehr wohl aus der
zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Chr. stammen, sondern
auch nach der Ausführungsmethode, die fast identisch ist mit
jener, welche uns in den besten Frescobildern von Herculaneum ent-
gegentritt, mit welchen es auch die grofsartige, breite Formen-
auffassung gemein hat. Zu jener Zeit war die Porträtmalerei
schon längst eine hochentwickelte (Plinius XXXV 147). Flinders
Petrie ist der Ansicht, dafs die Mehrzahl der gemalten Mumien-
porträts erst der Zeit Hadrians angehören. Dies mag zutreffend
sein, schliefst aber nicht aus, dafs einzelne als Vorläufer schon
im ersten Jahrhundert gemacht worden seien.

TAFEL i4. i5. BRONZERELIEFS AUS PERUGIA.

Altionische Bronzebleche, gefunden 1812 bei Castel S. Mariano
unfern Perugia.

Tafel 14. Vermuthlich Beschlag eines Streitwagens, jetzt im
Museum von Perugia, woselbst ich die Stücke 1892 zusammen-
setzte und photographieren liefs. Die der Lithographie zu Grund
liegende Zeichnung ist von E. Gillieron's Künstlerhand 1894 vor
dem Original angefertigt worden. Dargestellt ist der Kampf des
Herakles gegen Kyknos und Ares, nach Stesichoros. Frühere Ab-
bildung von vier ungeordneten Stücken ohne die drei verbinden-
den bei Vermiglioli, Saggio di bronzi antichi Tafel II 1, 2, 6 und 7,
von nur zweien jener vier bei Inghirami, Monumenü etruschi III,
xvm 1 u. 2 und von nur einem bei Micali, Antichi ?nonumenti XXX
1, danach z.B. bei Müller-Wieseler, Denkmäler I 300 wiederholt.

Von den auf Tafel 15 abgebildeten Stücken befinden sich 1
(gröfstentheils), 3 und 7 jetzt in der Münchner Glyptothek (vgl.
Brunn, Beschreibung der Glyptothek4 III, N. 32ff.), 8 daselbst im
Antiquarium (vgl. W. Christ und J. Lauth, Führer durch das
Antiquarium 1891 S. 62 n. 851), 2, 4, 5 und 6 im Museum von
Perugia, diese nicht wie jene restauriert. Getrieben und mit
Grabstichel und Punzen nachgearbeitet, dienten diese Bleche
zur Verkleidung wahrscheinlich eines Sitzwagens, ähnlich dem
auf einer etruskischen Urne (Micali, Antichi monumenti LVII) dar-
gestellten, 1 und 2 als rechte und linke Seitenwand, 3 als Rück-
wand, 8 (horizontal gekrümmt) als linker Theil des in der Mitte
leise ansteigenden vorderen Abschlusses; 4 und 5, zusammen einst
gleich breit wie 3, vielleicht als Rückwand, 6 und 7 als Seiten
wände eines Wagenstuhles.

Die reiche Ausführung der getriebenen Arbeit mit Stichel und
Punzen ist auf unserer Tafel ersichtlich, wird aber noch deutlicher
durch die Abbildung einesTeils von Taf. 15,2 aufS. 4 veranschaulicht.

Nennenswerthe Ergänzungen, die ich nur an Photographien
und unserer Abbildung zu constatieren Gelegenheit gehabt habe,
Antike Denkmaeler 1893 — 94.

sind an Taf. 15, 1: Gesicht, Hals und gröfster Theil der Arme des
Bogenschützen mit der oberen Hälfte des Bogens; Kopf, Schultern,

auch wohl ein Theil des 1. Oberarmes des vermuthlich bärtigen
Mannes vor ihm; wie es scheint auch in der Mitte Theile vom
Schwanzende des Hippokampen und der Füfse des bärtigen Meer-

gfottes; an -; alles was aufserhalb der Fuge

die links neben

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