Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

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geschlossenen Darstellungen wegen nicht wohl unmittelbar anein-
andergefügt einen zusammenhängenden Fries gebildet haben, an-
dererseits, bei ihrer Zusammengehörigkeit auch nicht weit von ein-
ander getrennt gewesen sein. Wolters hat mit Recht eine; Einfas-
sung und Trennung durch Holzrahmen für möglich gehalten.

Den Maafsen nach ist diese ganze Annahme sehr wohl zu-
lassig. Die vier Platten, welche nach unserer Ansetzung wenigstens
auf der vorderem Langseite sich befunden hätten, messen je
0,43 m = 1,72 m, dazu fünf Holzrahmen von etwa je 0,05 m
Breite = 0,25, würde eine Gesammtlänge von 1,97 m ergeben.
Das eine Grabmal in Vurwa ist aber socar 4,00 m lang1 und

2,50 m breit, so dafs an einem solchen Grabmale aufser unseren
erhaltenen auch noch für eine Anzahl verlorener Platten Platz ge-
wesen sein würde.

Derartige Grabmaler mit Malereischmuck, dessen dargestelltes
Schaugepränge sich von dem der Götterfeste nicht mehr unter-
schied, gehören zu den amplitudines scpit/crorinu in der zweiten
Hälfte des sechsten Jahrhunderts, zum Gräberluxus der Pisistrati-
denzeit, bei dem man die vom Solonischen Gesetze gewollte Ein-
fachheit hatte in Vergessenheit kommen lassen (vgl. 'A&tjv. r.ol. 23),
und denn erst aliquantopost Solonem gesteuert wurde.

Königsberg. G. Hirschfeld.

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TAFEL 12. ANSICHT VON ROM, GEZEICHNET VON M. HEEMSKERCK.

Das jüngst aus England in das K. Kupferstichkabinet zu
Berlin gekommene Skizzenbuch des Märten van 1 Iecmskerk (vgl.
darüber J. Springer, fahrbuch der K. preufsischen Kunstsammlun-
gen 1891 S. 117; Michaelis, Jahrbuch des Instituts VI 1891 S. 125)
übertrifft an Werth der darin enthaltenen Veduten der Stadt Rom
auch die bisher bekannten Zeichnungen desselben Künstlers.
Unter denselben nimmt die erste Stelle das grofse Panorama von
Rom (F. 92 und 93; Länge des Originals 103,5 cm, Höhe 17,5 cm)
ein, welches auf Pafel 12 wiedergegeben ist. Es ist aufgenommen
von der Höhe des Capitols, der Rupe Tarpca [ex rupe Tarpea
ptdeherrimus patet in Urbemprospectus, Jo. Fichard, 1536, Frank-
furter Archiv 1815 S. 70 = Janitschek, Repertorium für Kunst-
wissenschaft 1891 S. 136) und zeigt die Stadt, vom Aventin links
beginnend und über Westen Norden Osten zu ihm zurückkehrend.

Das Datum auf einem Stein in der 1. Ecke könnte zunächst
1536 gelesen werden: aber eine genauere Untersuchung zeigt,
dafs in Wahrheit 1534 zu verstehen ist.

[Bei erneuter Untersuchung erschien den I1H. Conze, Lipp-
mann, Michaelis die Lesung 7536 als wahrscheinlicher. Dazukommt
der von Michaelis a. a. O. S. 131 hervorgehobene Umstand, dafs
vier Blätter Heemskercks die Kirche S. Sergio e Bacco noch mit
ihrem Turme zeigen, wogegen das Panorama (wie I 6. 9), den
Turm nicht mehr kennt. Allerdings kann das Panorama nicht
später als in den ersten Monaten des Jahres 1536 entstanden sein,
da die Torre de! Campo noch dargestellt ist, die bei Gelegenheit
der Vorbereitungen zum Einzug Karls V abgebrochen worden ist.)

Die bisher bekannten Pläne des ausgehenden Mittelalters
/.«igen fast alle folgende Anordnung: Süden ist oben, die Porta
Flaminia in der Mitte oder auf der rechten Hallte des unteren Bild-
randes; Engelsburg, St. Peter, Cestiuspyramide fallen in die rechte
Hälfte, Capitol, Pantheon, Colosseum bilden die Mittellinie, Trajans-
säule und Torre delle Milizie stehen zur linken. — Einen anderen
Standpunkt finden wir in den Stadtansichten der Frührenaissance.
Das Mantuaner Bild, das bedeutendste Exemplar dieser Gattung,
ist aufgenommen von den Monti Parioli und hat Südwesten oben.

I )iesem Typus gehören an die Vedute in Seb. Münster's Cos-
mographie (reproduzirt bei Gnoli, Bull, comunale 1885, tav. XI;
nachgestochen, mit mehreren groben Fehlern, von dem Nürnberger
Antike Im nkm mi.i.i: 1891—92.

Balthasar Jenichen, vgl. Nagler, Künstlerlexikon 6,439 n. 2); ein
Titelholzschnitt der Mirabilia Urbis Romae, ed. 1499 (reproduzirt
bei Lanciani, Ancient Rome S. 21); ein Bild des Fra Filippo Lippi,
jetzt im Städefschen Institut in Frankfurt a. M. (s. Hülsen im Bull.
comunale di Roma 1892 S. 38—47 und Tf. II—IV). Vermuthlich
sind hier einzureihen einige im Original verlorene Stadtansichten:
z. B. die von Pinturicchio 14S4 im Belvedere des Vatikans ge-
malte (Vasari ed. Milanesi 3,468) und die, mit welcher Gio.
Bellini 1516 die Sala clel Gran Consiglio im Dogenpalast deko-
rirte (Vasari a. a. O. 161). Aus Briefen der Markgräfin Isabella
von Mantua erfahren wir, dass sie im Jahre 1523 disegni di citta
notabili, divulgati per le stampe suchen liefs, um danach die
Loggien ihres Palastes ausmalen zu lassen (Bertolotti in Lozzi's
Bibliofilo 1888, Maggio S. 72): darunter kann Rom nicht gefehlt
haben.

Die aufserordentliche Treue in der Darstellung des Details,
welche; dem Heemskerck'schen Panorama einen besonderen Werth
giebt, wird besonders deutlich durch ehe Vergleichung mit dem
von Hülsen (unter Zugrundelegung des Plans von L. Bufalini,
1551) entworfenen Stadtplane auf S. 8. Die von Heemslcerck
mit Beischriften gekennzeichneten Gebäude; (auf dem Plan in Ma-
juskeln wieelergegeben), unter denen Torre delle Milizie und Torre
dei Conti ihre Namen gewechselt haben — erfordern keine Er-
läuterung, mit einer Ausnahme. Zwischen Cancelleria und Mar-
cellustheater sieht man einen Thurm mit der Beischrift s'quat.
Ohne Zweifel bezeichnet dies den Palast des Cardinais von SS.
Ouattro Coronati, wie S. Jorge den Palast des Cardinais (Riario)
di S. Giorgio [Cancc/lcria). Cardinal von SS. Ouattro Coronati
war aber im J. 1534 der Florentiner Antonio I'ucci (1484—1544),
der Erbauer eines nach ihm benannten Palastes im Borgo bei
Porta Cavalleggieri (jetzt dem Palazzo del S. Uffizio hinter den
IVteTscolonnaclen incorporirt) welcher also auf Pleemskercks Zeich-
nung zu erkennen ist. Die Stellung de;s Thurmes auf PI.'s Zeich-
nung dürfte, nach Herrn Hülsen's Ansicht, eine Lage jenseits des
Tiber und nahe bei St. Peter ausschliefsen. Ihm scheint das Ge-
bäude: vielmehr in der Nähe; der Via dei Banchi gesucht werden
zu müssen; vielleicht ist es der*Palazzo della Cancelleria vecchia
(j. Sforza-Cesarini) in dem, wie Hr. Gnoli mittheilt, der Cardinal

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