Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

Seite: b_1
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ad1908/0021
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
1895-98

TAFEL 25-27. THON-SARKOPHAGE AUS KLAZOMENAI.

Die auf Taf. 25, 26, 27 veröffentlichten bemalten Thonsarko-
phage, von denen vier (Taf. 25. 26. 27, 1. 2) Neuerwerbungen des
Berliner Antiquariums sind, der fünfte (Taf. 27, 3) dem Kestner-
Museum in Hannover angehört, stammen aus den Funden, die
in den letzten Jahren bei Klazomenai gemacht worden sind. Durch
diese neuen Funde sind auch andere Sammlungen, wie das fol-
gende Verzeichnifs ersehen läfst, bereichert worden, so dafs die
Zahl der Sarkophage oder Stücke von solchen fast auf das Drei-
fache gestiegen ist, nachdem die bis 1890 bekannt gewordenen
Exemplare in den Antiken Denkmälern I, S. 3 2 f. zusammengestellt
waren.

1) Constantinopel. Musee imperial Ottoman, Monuments fune-

raires, Catalogue sommaire n. 72. Monumenti dell' instituto
XI 1883 Taf. 53.

2) ,, n. 70. Monumenti dell' inst. XI Taf. 54.

3) ,, n. 71. Das Kopfstück abgebildet bei Dennis,
Journal of Hellenic siudies 1883, Taf. XXXI = Antike
Denkmäler I, S. 34, dessen linke Hälfte sich aber im Bri-
tischen Museum befindet, abgebildet nach neuer Zeichnung
Antike Denkmäler I, Taf. 46, 4.

,, Revue des eIndes Grect/ties VIII 1895 S. 162 ff.

,, Nicht veröffentlicht. Kopfstück: geflügelte Figur

zwischen zwei Wagen mit je einem Hunde; weiterhin jeder-

seits Sphinx, Flechtband, Steinbock; Fufsstücke zwei Löwen.

,, Nicht veröffentlicht. Kopfstück: geflügelte Figur

zwischen zwei Wagen; weiterhin jederseits Palmettenband,

Sphinx, Flechtband, behelmter Kopf, Mäander; Fufsstück

drei Thiere.

7) Berlin, Antiquarium n. 3145. Antike Denkmäler I Taf. 44.

Ant. Denkm. I Taf. 46, 2.
Ant. Denkm. II Taf. 25.
Ant. Denkm. II Taf. 26.
Ant. Denkm. II Taf. 27, 1.
Ant. Denkm. II Taf. 27, 2.

13) Paris, Louvre. Btdletin de correspondance helleniquc 1890

Taf. 6.

14) ,, Bull, de corr. hell. 1892 S. 240ff.

15) „ Bull, de corr. hell. 1895 S. 71 ff. Taf. 2.

16) ,, Brdl. de corr. hell. I895 S. 85 ff.

17) London, Britisches Museum. Murray, Terrakotta Sarkophag:

in the British Museum Taf. I — VII. Monuments et Me-
moires publics par l Academie des Inscripiions et Bei/es
Lettres, Fondation Eugene Piot, 1897 Taf. IV—VII.

18) ,, (Aus Rhodos.) Murray, Terrakotta Sarkophagi
in the Brit. Mus. Taf. VIII.

19) „ Antike Denkmäler I Taf. 46, 3.

20) „ Ant. Denkm. I Taf. 46, 5.

21) Wien, Universitätssammlung. Ant. Denkm. I Taf. 45.

22) Smyrna, Evangelische Schule. Ant. Denkm. I Taf. 46, 1.

Antike Denkmäler 1895—98.

4)
5)

6)

8)

11

n. 3146.

9)

11

n. 3352-

10)

11

«■ 3353-

")

11

n. 3348.

12)

11

n- 3347-

23) Hannover, Kestner-Museum. Ant. Denkm. II Taf. 27, 3.

24) Dresden, Albertinum. Nicht veröffentlicht.

25) Im Kunsthandel. Nicht veröffentlicht.

26—29) Zwei verschollene (vergl. Alte Denkmäler I, S. 32) Frag-
mente Journal of Hellenic siudies 1883, Fig. 13 und (nur
beschrieben) S. 20, Z. 13 v. u. ff.; und zwei nur ornamen-

. , tale kleine Randstücke im Britischen Museum.

Diese Stücke scheiden sich der Form nach in zwei Gruppen.
Die eine Gruppe ist durch n. 2 und 17 vertreten*). Ihre charak-
teristischen Merkmale sind: Sarkophagkasten von gleicher Breite
am Kopf- und Fufsende und mit dachförmigem Deckel; Ausdeh-
nung der gemalten Dekoration auch über die Wandflächen des
Kastens und Deckels; gleichartige Behandlung der Dekoration
über alle Teile. Die zweite Gruppe enthält die übrigen 23 Exem-
plare (wenn nicht vielleicht die Bruchstücke n. 16 zu einem Sar-
kophag der ersten Gruppe gehört haben). Hier ist sowol durch
verschiedenes Mafs in der Breite als durch verschiedenartige De-
koration das Kopfende vom Fufsende unterschieden, die Dekora-
tion ist auf den oberen Rahmen des Kastens beschränkt und es
scheint nicht, dafs zu den Sargkästen entsprechende Deckel von
gleichem Material zugehört haben (vgl. Antike Denkmäler I S. 32,
Dennis, Jotcrnal of hellenic studies .1885 S. 15).

Der Technik und Dekorationsart nach lassen sich zwei
andere Gruppen aufstellen. Der Typus der ersten Gruppe wird
am besten durch den Dolonsarkophag in Berlin veranschaulicht.
Sämmtliche Sarkophage aufser n. 9, iS und 24 gehören dieser
Gruppe an, auch die beiden vorhin ausgesonderten Stücke n. 2
und 17, deren Malereien bei im übrigen völliger Gleichartigkeit
nur durch den Verzicht auf die in Form und Malweise altertüm-
lichen Ornamentmuster und Tierfiguren abweichen, die überall,
wo zwischen Kopf- und Fufsstück unterschieden ist, zur Markirung
des letzteren verwendet worden sind. Die für die ganze Gruppe
charakteristische und daher für die Bestimmung der Entstehungs-
zeit allein mafsgebende Dekorationsweise ist nicht diese aus alter,
im Grunde läno-st überwundener Tradition festgehaltene, sondern
die in völlig durchgebildeter Silhouettenmanier ausgeführte Malerei,
wie sie für die oberen Teile und bei n. 2 und 17 für alle Teile
der Sarkophage in Anwendung gebracht worden ist. — Der zweiten
Gruppe gehören n. 9, 18 und — nach der kurzen Beschreibung

im Archäologischen Anzeiger if

S. 139 — auch n. 24 an. Der

Sarkophag n. 9 trägt einen von allen übrigen so verschiedenen
und eigenartigen Charakter, dafs es zweckmässig schien, ihn, wie
den Dolonsarkophag, in farbiger Reproduction (Taf. 25) abzubil-
den. Bei ihm ist die Malerei am Kopfstück und in den oberen
Bildfeldern der Seitenstreifen in einer Technik ausgeführt, die der
rotfigurigen Vasenmalerei in demselben Mafse entspricht, wie der
Silhouettenstil in den Sarkophagen der ersten Gruppe der schwarz-

*) Vgl. Sitzungsberichte der Archäolog. Gesellschaft zu Berlin, am 7. Juni 1S98.

1
loading ...