Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

Seite: b_7
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bezw. sind auf die Architrave so aufgesetzt, dafs als Standfläche
für die Figuren, von der Vorderseite der Platten bis zum äufser-
sten Rande des Architravs gerechnet, 0,10—0,12 m übrig bleiben.

Fig. 2.

In diese schmale Fläche sind, an der Nordhalle (Fig. 2) wenigstens*),
viele kleine Löcher, die zum Teil noch Reste von Eisenstiften
enthalten, bald senkrecht, bald schräg nach hinten eingebohrt.
Zum Befestigen der Figuren können diese Löcher nicht gedient
haben, weil in den Unterseiten jener entsprechende Löcher nicht
vorhanden sind. Dagegen fällt auch nicht in's Gewicht, wenn
einmal an der Nordseite der Nordhalle (vor Platte VI) ein solches
Loch in der Standspur einer Figur sich befindet. Umgekehrt kann
man eher aus den übrigen Fällen, wo die Löcher sich nicht in
den Standspuren von Figuren befinden (s. vor Platte VI, XI, XII
und XIV), schliefsen, dafs da, wo solche Löcher dicht an den
Friesplatten angebracht sind, keine Figuren gestanden haben.
Daher sind auch diese Bohrlöcher, mögen sie nun zur Anbrin-
gung von Attributen oder der von »Vogelscheuchen« gedient
haben, für eine eventuelle Reconstruction des Figurenfrieses nicht
ganz ohne Belang und darum auf Taf. 34 nebst den erkennbaren
Standspuren in einem der Standfläche der Figuren entsprechenden
Streifen unter den Platten angegeben. Genau eingemessen sind
davon jedoch nur die der Nord- und Westseite der Nordhalle;
die Lage derer an der Ostseite hat durch Herabloten von oben
her nur ungefähr bestimmt werden können. Der vordere Rand
der Architrave ist zum Teil sehr zerstört: so fehlen z. B. von dem
westlichen Architrav der Nordseite vor den Platten X und XI
sämtliche Profilsteine.

Von dem Friese der Nordhalle befinden sich zur Zeit noch
sechs Platten in situ. Es sind das an der Ostseite (Fig. 2) vier und
die Eckplatte (Schmalseite), an der Nordseite (Fig. 3) dieselbe Eck-
platte (Breitseite) und eine weitere. Für diese Platten sind die auf
Tafel 32 angegebenen Längenmafse nach photographischen Auf-
nahmen ausgerechnet. Länge und Anordnung der übrigen ist soweit
angängig nach den Standspuren, Dübellöchern u. s. w. auf den be-
treffenden, an der Erde liegenden Architraven bestimmt. Aufserdem
sind die auf derselben Tafel wiedergegebenen Friesansichten von
Inwood [The Erechtheion pl. 1 u. 3) berücksichtigt, weil es den
Anschein hat, als seien hier die Dübellöcher nicht ganz willkürlich
eingetragen. So ist die aus vier Bruchstücken zusammengesetzte,
2,05 m lange Platte IX der Nordseite darum nicht in die 2,04 m
lange Lücke (XII) der Westseite eingefügt, weil die Anordnung
der Dübellöcher zu der entsprechenden Stelle bei Inwood nicht
pafst. Aus dem gegenteiligen Grunde ist Platte XIII der West-
seite hier und nicht in die gleich lange Lücke der Nordseite (VII)
eingesetzt. Dafs im ersten Falle die Mafse nicht ganz genau
stimmen, spielt in Anbetracht des Umstandes, dafs die Mafse über-
haupt nicht alle gleich exact genommen werden konnten, keine
Rolle. Übrigens sprechen auch die vielen Bohrlöcher unter XII

rechts dagegen, dafs hier zwei den betreffenden Dübellöchern der
zusammengesetzten Platte entsprechende Figuren gestanden haben.

*) Inbezug auf die Osfhalle habe ich mir — allerdings nur von der Standfläche vor
Platte V — seinerzeit an Ort und Stelle notiert »ohne Löcher« und erinnern mich auch
nicht, dergleichen wahrgenommen zu haben.

Antike Denkmäler 1895—98.

ff- -g---------"*^m£-'-----------------------——-—-——

Fig. 3.

Die Dübellöcher der in situ befindlichen Platten sind wie die
Mafse dieser nach Photographien bestimmt*).

Rechts oben auf Tafel 34 sind diejenigen Bruchstücke des
Frieses der Nordhalle, die sich vorläufig nicht unterbringen lassen,
abgebildet.

Fig. 4.

Von dem Friese der Osthalle (Fig. 4) befinden sich zur Zeit
noch in situ die Platte IV und V — letztere allerdings verschoben
— der Ostseite und Platte VII der Südseite. Die sie angehenden
Mafse sind an Ort und Stelle genommen. Die Längen der übri-
gen ergeben sich aus den Entfernungen der Dübellöcher in den

*) Die darnach gefertigte Zeichnung hatte Herr Dörpfeld unter Zuhilfenahme eines
Fernglases mit der Wirklichkeit zu vergleichen die Güte. Daraufhin sind einige der nach
den Photographien angenommenen Löcher fortgelassen, andere mit einem Fragezeichen ver-
sehen worden. Damit ist freilich nicht ausgeschlossen, dafs es ihrer ursprünglich doch
mehr gewesen sind. Bemerkenswert ist, dafs" Herr Dörpfeld das auf Platte VI am weitesten
links befindliche Diibelloch, welches der oben angeführten Standspur mit dem Bohrloch ent-
s]3richt, mit dem Glase nicht hat erkennen können.
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