Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

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und ein Stück des rechten — einer nach links lebhaft ausschrei-
tenden weiblichen Figur in gegürtetem Chiton. Die Falten an
den Nebenseiten setzen gegen die mit feinem Zahneisen gerauhte
Rückenfläche nicht scharf ab, sondern gehen rund in sie über.
Die Vorderseite scheint wie die des vorigen Stückes behandelt
gewesen zu sein. Kleine Fältchen sind noch zu erkennen. Der
Marmor ist auffallend grobkörnig.

6. (1074). Unterkörper einer im Tanzschritt sich nach links
bewegenden, mit Chiton und Himation bekleideten weiblichen
Figur. Die Seiten rechts und links gehen rund in die rauhe
Rückenfläche über. Unten scheint die Figur gebrochen, z. Zt.
steckt sie hier in einem Gipssockel. Die Oberfläche hat durch
Brand gelitten und bröckelt ab.

7. (1300). Bruchstück — von den Brüsten bis zu den
Knieen reichend — einer wie die vorige im Tanzschritt nach links
bewegten weiblichen Figur. Sie ist ganz in das Himation gehüllt,
dessen einer Zipfel über den linken Oberarm geworfen ist. Die
Rückenfläche ist mit dem Zahneisen fein gerauht. In ihr befindet
sich, der linken Brust entsprechend, ein ausgebrochenes Dübelloch
(1. 0,035, tf. 0,04 m). Es ist 0,275 vom unteren Rande (d. i. etwa
0,46 m von der ehemaligen Standfläche) entfernt und steht etwas
schräg von rechts oben nach links unten (von hinten gesehen).
Das Fragment war einmal vermauert und ist sehr abgerieben.

8. (2830 und o*). Zwei an einander passende Bruchstücke
einer im Profil nach rechts sitzenden, mit Chiton und Himation
bekleideten weiblichen Figur: Sie sitzt auf einem glatt behauenen,
etwas gerundeten Stein, beugt den Oberkörper vor und streckt
die Arme nach vorn. Der linke Unterschenkel ist abgebrochen.
Dadurch sieht der Unterkörper etwas zu klein aus gegenüber den
vollen Formen des Oberkörpers. Die Rückenfläche beider Bruch-
stücke ist mit grobem Zahn- und Spitzeisen bearbeitet und an
dem Oberkörper z. T. abgeblättert. Das Dübelloch befindet sich
in dem unteren Fragment am gebrochenen rechten (von hinten
gesehenen) Rande. Es besteht aus drei in einander greifenden
Bohrlöchern (1. 0,04, tf. 0,042 m) und ist von der Standfläche
0,165 m entfernt. Die Arbeit an der Vorderseite scheint recht
derb gewesen zu sein.

9. (1296). Bruchstück — Ober- und gröfserer Teil der
Unterschenkel — einer nach rechts sitzenden Figur. Sie ist mehr
nach vorn als nach der Seite gewendet. Die Beine sind von
einem Mantel bedeckt. Die Kniee und die Vorderseiten der
Unterschenkel sind weggebrochen. Der Sitz ist formlos. Die
Rückenfläche ist grob gespitzt. An der Vorderseite weisen na-
mentlich die Faltenanhäufungen unter dem rechten Oberschenkel
starke Benutzung des Bohrers auf.

10. (1238 = Seh. 3). Unterteil einer steil sitzenden, halb
nach rechts gewendeten weiblichen Figur, die in einen Chiton mit
Bausch und Überschlag gekleidet ist. Beide Kniee sind wegge-
brochen. Ebenso ist der etwas merkwürdig geformte Sitz unten
gebrochen. Die Figur sitzt wie die vorige mit weit auseinander
gestellten Beinen; davon dafs sie im Begriff sei aufzustehen, kann,
wie Schöne mit Recht bemerkt, keine Rede sein. Die Rücken-
fläche ist mit Gips bestrichen. Sie scheint fein gerauht gewesen
zu sein. Auch die gebrochene Unterseite steckt in Gips. Die
Gewandmassen der Vorderseite sind grofs hingeworfen, klar ge-
gliedert, aber in etwas groben Zügen gehalten.

11. (1237 = Seh. 6). Unterkörper einer auf einem Felsen
nach links gewendet sitzenden weiblichen Figur. Sie ist mit einem
gegürteten Chiton und Himation bekleidet und hat auf dem Schofs
einen nackten Knaben, dessen Beine frei ausgearbeitet waren und
jetzt weggebrochen sind; am Sitz ist noch ein Ansatz davon er-
halten. Die Rückenfläche ist glatt, wie poliert. Die Fufsfläche,
anscheinend eben, steckt in einem Gipssockel. Die Arbeit an der
Vorderseite gleicht der an der vorigen Nummer.

12. (1234). Unterteil einer auf einem Felsen nach links ge-
wendet sitzenden weiblichen Figur in Chiton und Himation. Ein
Teil der Unterschenkel und die Füfse sind weggebrochen. In die
rechte Seite des Sitzes ist eine grofse Anzahl von Löchern in
zwei Reihen, einer vorderen und einer hinteren, von vorn nach

*) Der Unterkörper hat sich in dem Magazin des Nationalmuseums gefunden und ist
von da in das Akropolismuseum gebracht worden.

Antike Denkmäler 18B5—98.

hinten gebohrt. Die Rückenfläche ist mit dem Zahneisen gerauht
und stellenweise gespitzt. Die Fufsfläche, anscheinend eben, steckt
in Gips. An der Vorderseite scheint im Vergleich zu den beiden
letztgenannten Stücken manche Einzelheit etwas plumper und härter
ausgeführt zu sein.

13. (1072). Weibliche Figur, mit gegürtetem Ärmelchiton
und Himation bekleidet, sitzt, etwas nach links gewendet, auf
einem Steinblock. Weggebrochen sind: die rechte Hälfte des
Oberkörpers, der linke Unterarm und die Füfse. Die letzge-
nannten waren frei gearbeitet. Der Sitz ist cylinderförmig und
steht auf einer Art Felsplatte, die hinter dem rechten Bein be-
trächtlich höher ist als vorn. Die Rückenfläche ist nach oben hin
mit feinem Zahneisen gerauht, nach unten, anscheinend nachträg-
lich, grob gespitzt. Am Oberkörper befindet sich in der Richtung
der Bruchfläche, also schief zur Fufsfläche und 0,33 m über dieser,
das Dübelloch (1. 0,065, br. 0,015, tf 0,045 m). Sein oberer Rand
entspricht der Mitte der Brust, seine Längsrichtung bildet mit dem
unteren Rande der Figur einen Winkel von etwa 60 °. In dieses
Dübelloch mündet ein von der rechten Seite der Figur herkom-
mender Gufskanal. Die Vorderseite ist an diesem Stück besonders
gut erhalten. Es fallen daran die tiefen Unterschneidungen auf,
zu deren Herstellung der Bohrer sehr stark benutzt ist. Einzeln
betrachtet verlaufen am Mantel die Falten ohne Knicke — was
namentlich gegenüber No. 17 dieser Tafel zu beachten — in
schön geschwungenen Linien. Sie sind im Durchschnitt gerundet
und da, wo sie platt aufliegen, verhältnismäfsig dick, auch wulstig.
Der Chiton liegt auf dem Leib in kleinen Fältchen, die hier leich-
ter und lebendiger als bei No. 4 dieser Tafel aufgesetzt sind, wie
sich denn überhaupt von diesem Stück das in Rede stehende
durch Mafshalten im Detail unterscheidet. Nur unten am Chiton,
da wo er aus dem Mantel hervortritt, sind die an sich schon sehr
schmalen und bis zu 0,038 m hohen Faltenstege durch Längs-
rinnen, Unterschneidungen u. s. w. überaus stark belebt. Auch
einige gewundene Falten, wie sie an der Nikebalustrade viel vor-
kommen, finden sich hier, davon eine sogar ganz in der Tiefe
eines der Einschnitte.

14. (3309). Bruchstück — Oberschenkel und ein Drittel der
Unterschenkel — einer in Vorderansicht stehenden, anscheinend
weiblichen Figur. Sie ruht auf dem rechten Beine und trägt ein
Himation, von dem ein Zipfel am linken Oberschenkel sichtbar
ist. Die Rückenfläche ist am Rande mit dem Zahneisen gerauht
und in der Mitte roh gespitzt. Vom linken Rande sind die un-
teren zwei Drittel abgeschrägt. Die Vorderseite mutet durch die
sehr scharf geschnittenen Falten auf den ersten Blick etwas
anders an als die der übrigen Bruchstücke. Doch. gehört das
Fragment sicher zum Friese.

15. (1284). Oberkörper — aus zwei Stücken zusammenge-
setzt — einer nach links gebückt stehenden
weiblichen Figur in Chiton mit Bausch und Über-
schlag. Ihre Arme waren nach vorn gestreckt.
Auf der rechten Seite ist die Figur nicht ge-
brochen. Die Rückenfläche ist, soweit nicht
von der linken Seite her rund gearbeitet, grob
gespitzt. In der Längsrichtung des Bruches liegt
das Dübelloch (1.0,045, br. 0,014 und tf. 0,035 m)
(Fig. 7). An der Vorderseite sind Bausch und
Überschlag recht derb behandelt. Ebenso setzen
darunter die kleinen Falten dick und plump an.
Vgl. dagegen Taf. 33,16 und diese Tafel No. 4.

16. (1295 = Seh. 21 u. 1309 = Seh. 32). Zwei Bruchstücke;
einer in Vorderansicht stehenden, in Chiton mit Bausch und Über-
schlag gekleideten weiblichen Figur. Sie ruhte auf dem linken
Bein und hatte den rechten Arm über den Leib gelegt, während
die Linke, wie es scheint, das Gewand erhob. Ein Mantel lag
über ihren Schultern. Die Rückenfläche beider Stücke ist mit
dem Zahneisen fein gerauht; nur ist sie an dem oberen Stück,
welches offenbar durch Brand gelitten hat, nach unten etwas ab-
gebröckelt und an dem unteren links etwas gröber bearbeitet.
Das Dübelloch befindet sich im oberen Stück in einer Höhe von
ungefähr 0,49 m, d. i. höher als die rechte Brust. Die Fufsfläche
ist rauh und uneben.
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