Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

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Schillingen ist. Auf dem Schofse hält sie einen nackten Knaben,
der seinen rechten Arm ihr um den Hals schlang, auch der linke
war erhoben. Der Sitz ist formlos. Die Rückenfläche ist grob
gespitzt, aber nach dem Rand zu glatter. Das Dübelloch befindet
sich 0,335 über der Standfläche und entspricht der Mitte der
Brust, Die Arbeit am Gewand ist derb, aber nicht so roh wie
die an der vorhergehenden Nummer. Das Nackte ist weicher
und sorgfältiger behandelt; vgl. dazu No. 5 dieser Tafel.

24. (1076 = Seh. 9). Weibliche Figur in gegürtetem Ärmel-
chiton und Mantel, auf einem Sessel mit Armlehnen nach links
zurückgelehnt sitzend. Sie ist aus drei Stücken zusammengefügt
und im Akropolismuseum falsch aufgesetzt. Sie scheint, da die
linke Brust etwas höher steht als die rechte, den linken Arm er-
hoben und vielleicht auf die Rücklehne aufgestützt zu haben. Von
der rechten Schulter ist das Gewand herunter gerutscht. Die
Rückenfläche ist mit einem groben Zahneisen gerauht und aufser-
dem gespitzt. Das ausgebrochene Dübelloch befindet sich in der
Rückseite des obersten Bruchstücks, 0,30 — 0,31 m über der ehe-
maligen Standfläche der Figur. Es ist roh eingetieft und etwas
nach links — von hinten o-esehen — eeneigt. Die Vorderseite
ist sorgfältiger behandelt als die der übrigen sitzenden Figuren.

25. (2820). Unterteil einer in ein Himation gehüllten weib-
lichen Figur auf einem Sitz ohne Lehne, nach rechts gewandt.
Das linke Bein war viel höher aufgesetzt als das rechte. Auf
dem linken Oberschenkel liegt ein unverständliches, zusammenge-
drücktes Stück Gewand. Rücken- und Fufsfläche sind mit dem
Zahneisen o-erauht. Das Stück war eing-emauert und ist sehr zer-
stört. Die Arbeit ist fast so roh wie die an No. 22 dieser Tafel.

26. (1678 = Seh. 7). Weibliche, auf einem Felsen nach
links sitzende Figur, mit ungegürtetem Ärmelchiton und Himation
bekleidet. Sie hat sich vermutlich auf den Fels gestützt, der
einen dafür passenden Vorsprung hat. Der Rücken ist zur Hälfte
roh ausgearbeitet. Rechts ist ein Stück Rand, das an der brei-
testen Stelle 0,06 m breit ist, 0,03 m vertieft. Der linke Rand
dieser Vertiefung, in deren Grunde Falten des Gewandes ange-
geben sind, ist gerade. Sonst ist die Rückenfläche grob gespitzt.
Das Dübelloch entspricht der Mitte der Brust. Es liegt o, 315
hoch, ist 1. 0,04, tf. 0,045 m (3 Bohrlöcher) und oben ausge-
brochen.

Tafel 34.

1. (2821 und 1208). Zwei an einander passende Bruchstücke
— Beinpartie von den Knieen abwärts — einer langsam nach
rechts schreitenden weiblichen Figur in langem Chiton. Die Masse
des Gewandes wirkt wie eine cannellierte' Säule, so dafs schwer
zu sagen ist, wo das rechte Bein steckt. Was man links unten
überstehen sieht, ist die Ferse des linken Fufses (vgl. Taf. 32,12
u. 26). Die Rücken- und Fufsfläche ist grob gespitzt, jene am
Rande mehr gflatt.

2. (1255). Bruchstück — Partie um den linken Fufs —
einer nach rechts gewandt stehenden oder schreitenden weiblichen
Figur in langem Chiton. Der Fufs mit Sohle steht auf einer
Plinthe. Die Rückenfläche ist mäfsig fein gespitzt, die Fufsfläche
fein gerauht.

3. (1204). Bruchstück — Partie um die Füfse — einer in
Vorderansicht auf dem linken Bein ruhenden, mit Chiton und Hi-
mation bekleideten weiblichen Figur. Sie steht auf einer dünnen
Plinthe. In dieser befindet sich unten ein modernes Loch mit
Blei. Die Rücken- und Fufsfläche sind mit dem Zahneisen fein
gerauht. Die Chitonfalten sind sehr tief eingeschnitten und die
schmalen Stege durch kleine Falten belebt (vgl. Taf. 31, 13).

4. (1242). Bruchstück — von der Scham bis zu den Knieen
reichend — eines anscheinend mit etwas eingeknickten Knieen in
Vorderansicht stehenden Mannes. Um die Oberschenkel ist ein
Mantel geschlungen, welcher die Scham frei läfst. Die Rücken-
fläche ist 0,04 breit und weist einige eingespitzte Löcher auf.
Der Marmor blättert in Schichten ab.

5. (1196 = Seh. 42). Mittelstück einer nackten männlichen
Figur in linker Seitenansicht. Die Figur hat nicht aufrecht ge-
standen, sondern mufs entweder, wie Schöne annimmt, sehr stark
zurückgebeugt gewesen sein oder, wie unsere Tafel sie wieder

giebt, gelegen haben. Für letzteres spricht aufser der rauhen
Unterfläche des linken Beines die Richtung des rechts hängenden
Tuches. Dieses ist mit Knöpfen an einer Art dünnen Stange be-
festigt; die dickere, die es umschlingt, ist von Schöne als Arm
einer zweiten, hinter unserer stehenden Figur angesehen worden.
Dafür scheint jedoch der obere und der untere Umrifs zu gerade
zu verlaufen; und dann würde auch dieser Arm in einem Gewand
stecken, das augenscheinlich an etwas
Anderem befestigt ist (Fig. 18). Der
linke Arm des Mannes mufs diese
ganze Masse umfafst haben oder bei
liegender Stellung aufgestützt gewesen
sein; denn der Oberkörper ist erhoben
und stark nach links gedreht. Der rechte Arm scheint auch nach
dieser Seite herüber gestreckt gewesen zu sein. Die Rückenfläche
ist grob gespitzt, zeigt aber auch Spuren des Zahn-
eisens. Von ihr aus gehen in schräger Richtung in
die Bruchfläche des Gewandstückes drei nebeneinander
liegende Bohrlöcher, die ausgebrochen sind. Sie rühren
schwerlich von dem Dübelloch her. In der rauhen
Unterfläche des linken Unterschenkels befinden sich
drei Bohrlöcher (Fig. 19). Das Nackte an dieser Figur
zeigt dieselben vollen rundlichen Formen wie der

Fig. 18.

Knabe von Taf. 3;

Der Marmor hat sehr grofse

von einer in

Krystalle und scheint parischer zu sein.

6. (1262). Unterkörper einer in Vorderansicht niederge-
sunkenen weiblichen Figur in Chiton und Mantel. Die ganze
Haltung zeigt, dafs sie sich nicht ruhig nieder-
gelassen hat. Sie kniet mit dem linken Bein und
streckt das rechte nach der Seite. Der Gegen-
stand, an dem sie hingesunken ist, scheint die
Basis eines Götterbildes zu sein. Die Vorder-
fläche ist glatt. In die Oberseite ist eine 0,025 m
tiefe und 0,05 breite gerundete Vertiefung ein-
gearbeitet (Fig. 20). Unten scheinen Stufen zu
sein. Auch hier ist die vordere und obere Seite
glatt. Merkwürdig ist nur, dafs der obere Rand
der Basis fehlt. Die Rückenfläche ist grob ge-
spitzt; vier Löcher sind darin eingebohrt (Fig. 21).
Die Fufsfläche scheint nicht gebrochen, ist aber
uneben. Die Arbeit an diesem Stück ist sehr
flüchtig, viele Bohrlöcher sind stehen geblieben.

7. (2827). Bruchstück — Partie um die
Füfse — einer weiblichen Figur in langem Chi-
ton. Das Stück sieht säulenartig aus wie No. 1
dieser Tafel. Die Rückenfläche ist gerauht.

8. (1217). Linker Unterschenkel in Gewand
eiliger Bewegung nach links begriffenen Figur. Die Rückenfläche
ist mit dem Zahneisen gerauht.

9. (1287b = Seh. 22 untere Hälfte; s. Taf. 32, 19). Bruch-
stück — Beinpartie von den Knieen abwärts — einer auf dem
rechten Bein ruhenden weiblichen Figur in langem Chiton. Rücken-
und Fufsfläche sind mit Gips bestrichen.

10. (1236b). Brust und Teil des Rückens eines ruhig stehen-
den, nach rechts gewandten Pferdes, an dessen Rücken links der
Ansatz eines zweiten Pferdes sichtbar ist. Die Rückenfläche ist in
der Mitte gespitzt, am Rande glatt. Darin befindet sich links
das ausgebrochene Dübclloch (1. 0,04, tf. 0,04 m), darüber der
Rest eines Bohrloches, das nicht von dem Gufskanal herrühren
kann. Das Stück gehört nicht zum folgenden.

ii. (1235 = Seh. 11). Rest eines stehenden oder langsam
schreitenden Zweigespanns (Hengste) mit dem Wagen und einem
hinter diesem stehenden unbekleideten Mann. Dafs der Letztere
hinter dem Wagen und nicht, wie Schöne annimmt, auf ihm steht,
ergibt sich daraus, dafs der Wagen unten nicht gebrochen, son-
dern glatt ist. Der in der Abbildung unter dem Wagen sichtbare
Stumpf ist das linke Knie des Mannes. Über dem Hinterteil des
hinteren Pferdes ist eine Erhöhung, die möglicherweise von einem
Baumstamm herrührt. Die senkrechte Erhöhung an dem Wagen
wird wohl nicht, wie Schöne glaubt, ein Rest des Pferdeschwanzes,
der mehr nach oben zu gehen scheint, sondern des Wagenrades
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