Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

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sein. Das rechte Hinterbein des Pferdes ist mit dem Wagen
durch eine Leiste verbunden. Die zwei Rundungen im oberen
Rand des Wagens sind eingearbeitet. Das Innere des Wagens ist
durch Bohrlöcher ausgehöhlt. Das hintere Pferd steht so weit nach
rechts vor, dafs man es sich vielleicht als noch nicht angespannt
zu denken hat. Die Rückenfläche ist mit dem Zahneisen fein ge-
rauht und aufserdem gespitzt. Das Dübelloch liegt in der Rich-
tung des durch den Pferdeleib gehenden senkrechten Bruches
(mehrere Bohrlöcher über einander); es ist 1. 0,04, br. 0,015 und
tf. 0,04 m und liegt mit seinem unteren Rande, der dem kleinen
Loch in der Bruchlinie der Vorderseite entspricht, etwa 0,27 m
über der für die Pferde anzunehmenden Standfläche.

12. (1280 = Seh. 10 rechts). Bruchstück von den im Ga-
lopp nach links sprengenden Hengsten eines Viergespanns. Es
ist die Brust und der Ansatz der Vorderbeine vom ersten, Reste
von den Leibern und Hinterbeinen vom zweiten und dritten Pferde
erhalten. In der rechten Bruchfläche befindet sich, 0,17 m vom
unteren Rande des rechten Hinterbeines des zweiten Pferdes ent-
fernt, ein ausgebrochenes Loch, das kein Dübelloch sein kann,
weil es nicht von hinten, sondern von rechts kommt. Ihm ent- '
sprechend befindet sich in der Mitte der linken Bruchfläche ein
0,045 m langes und 0,015 m breites, etwas Blei enthaltendes Loch.

Beide Löcher dienten wohl zum Anstücken. Ein drittes Loch ist
in das linke Hinterbein des hintersten Pferdes von unten gebohrt,
darin Spuren von Rost. Ein viertes befindet sich in einer kleinen
Erhöhung auf dem Rücken des zweiten Pferdes.

13. (1282 = Seh. 10 links). Bruchstück eines im Galopp
nach links sprengenden Viergespanns. Von dem vorderen Pferde
sind die abgebrochenen Vorderbeine und die Brust, von dem hin-
teren die Brust mit dem Halsansatz erhalten. Aufserdem sind an
der Vorderseite jenes Spuren von einem weiteren, zu dem Ge-
spanne gehörigen Pferde zu erkennen. Dass dies Bruchstück und
das vorige zu demselben Viergespanne, wie Schöne annimmt, ge-
hören, ist sehr wahrscheinlich. Allerdings ist die Rückenfläche
von No. 13 grob gespitzt, die von No. 12 mit feinem Zahneisen
gerauht und nur stellenweise gespitzt; doch ist diese Verschieden-
heit nicht von grofsem Belang, da das Viergespann, wie man an
No. 12 deutlich sieht, nicht aus einem Stück gearbeitet war (s.
dort). In der rechten Bruchfläche befindet sich ein grofses aus-
gebrochenes Dübelloch (vier Bohrlöcher), 1. 0,05, tf. 0,05 m und
0,115 vom unteren Randes des Bruchstücks (d. i. etwa 0,25 m
von der anzunehmenden Standfläche) entfernt. Von oben mündet
ein Gufskanal hinein.

L. Pallat.

TAFEL 35.

MARMOR-RELIEF AUS PERGAMON IM KAISERLICHEN MUSEUM
ZU KONSTANTINOPEL.

f

i

Bei unfserer letzten Anwesenheit in Pergamon im September
1896 wurde im spätem Flick-Mauerwerke der westlichen Ein-
fassungsmauer des Stadtberges eine Platte aus weifsem Marmor
bemerkt, welche auf ihrer nach unten abkehrt liegenden Seite, wie
man am herausragenden Rande erkannte, mit Reliefbildwerk ver-
sehen war. Als die Platte herausgenommen war, zeigte sich die
auf Tafel 35 wiedergegebene Relieffigur einer weiblichen Figur.
Der Fundplatz liegt nahe unterhalb der südlichen Grenze der bis-
1a herigen Ausgrabungen, süd-

westlich vom Markte, westlich
von dem zum Markte hinauf-
führenden Hauptwege.
Rf \ Den Erhaltungszustand des

,.'/ \ Reliefs zeigt die Abbildung. Die

Fläche, aus der es in einer Re-
liefstärke bis zu o, 1 o m heraus-
gearbeitet ist, ist leicht convex;
die Form der Platte im Durch-
schnitte ist nach Richard Bohn's
Aufnahme beistehend gegeben.
Das Maafs der Radius nimmt
Bohn nach Messung und Be-
rechnung auf etwa 0,76 an; wie

A

genau das zutrifft, hängt auch
davon ab, in wie weit die seitlichen Stofsflächen genau centrisch
verlaufen. Die rechte Stofsfläche ist platt, die linke inmitten der
Länge nach leicht gerauht, mit einem platten Randbeschlage
jederseits von 0,05 m Breite.

Die Reliefplatte (A) gehört also einem Rundmonumente an;
ob dieses voll kreisförmig war oder nur einen Kreisabschnitt bil-
dete, steht dahin.

Von demselben Rundmonumente besitzen die Königlichen
Museen zu Berlin noch zwei Bruchstücke. Das eine (B) (Beschrei-
bung n. 954) wurde im Jahre 1877, bevor unsere Ausgrabungen
in Pergamon begannen, mit einer Anzahl von anderen Skulptur-
stücken in Smyrna erworben, als, wie es hiefs, in Ephesos gefun-
den, eine Fundangabe, der man gleich nicht allzusehr traute und
welche für dieses eine Relief sich jetzt als entschieden falsch her-
ausstellt. Die Zugehörigkeit zu demselben pergamenischen Rund-
monumente, wie die neugefundene Reliefplatte, steht durch Form
Antike Denkmäler 1895—98.
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