Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

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i899-i9oi.

TAFEL 37. 38. AUSGRABUNGEN IN ATHEN.

Die beiden Tafeln 37 und 38 sollen die Resultate der Aus-
grabungen veranschaulichen, welche vom Deutschen Archäolo-
gischen Institut in den Jahren 1891 — 1S98 in Athen ausgeführt
worden sind. Die Mittel zu diesen Grabungen sind teils vom
Institut selbst geliefert, teils von Freunden der Altertumswissen-
schaft uns zur Verfügung gestellt worden.

Vorläufige Berichte über die Ergebnisse der Grabungen er-
schienen in den Mitteilungen des Athenischen Instituts 1891 S. 443;
1892 S. 90, 281, 439; 1894 S. 143, 496. Ausführlichere Einzel-
berichte wurden in derselben Zeitschrift veröffentlicht: über das
Dionysion in den Sümpfen 1895 S. 161; über die. darin gemachten
Funde 1896 S. 266; über das Heiligtum des Amynos 1896 S. 287,
Weitere Berichte über die Enneakrunos und die mit ihr zusammen-
hängenden Wasserleitungen, über die Stoa Basileios und die Agora,
über die gefundenen Vasen und sonstigen Einzelfunde sind vor-
bereitet und werden zum Teil bald erscheinen.

Da für die Beschreibung der Reste der Enneakrunos und ihrer
Umgebung, sowie für die Besprechung der aufgedeckten Bauwerke
der alten Agora einige gröfsere, das Format der Athenischen Mittei-
lungen überschreitende Pläne notwendig sind, schien es angemessen,
zwei allgemeine Pläne in der gröfseren Publikation des Instituts,
in den Antiken Denkmälern, zu veröffentlichen. Die Aufsätze in
den Mitteilungen brauchen so nur von kleineren Einzelplänen be-
gleitet zu sein. Von den beiden gröfseren Plänen enthält der eine
(Tafel 37) einen allgemeinen Plan des westlichen Teiles der antiken
Stadt, und der andere (Tafel 38) einen Plan der zwischen Akro-
polis, Areopag und Pnyx aufgedeckten Bauwerke und Strafsen.

Tafel 37 giebt ein Stück des Stadtplanes von Athen
mit Angabe der durch die Ausgrabungen entdeckten oder
schon früher bekannten antiken Strafsen, Gebäude und
Wasserleitungen. Der Plan umfafst den Abschnitt von der
Akropolis im Osten bis zur Pnyx im Westen und vom Museion
im Süden bis zum Eridanos im Norden. Die heutigen Strafsen
und Häuserviertel sind durch einfache Umrifslinien nur angedeutet,
während alle antiken Mauern durch stärkere schwarze Farbe und
durch Schrift hervorgehoben sind. Die Gestaltung der Terrain-
oberfläche wird durch einfache graue Linien veranschaulicht, die
in Abständen von 2 Metern gezeichnet sind und in den bei-
geschriebenen Zahlen die Höhe über dem Meeresspiegel angeben.
Die gesicherten antiken Strafsen und Plätze habe ich durch einen
o-rauen Ton kenntlich gemacht. Durch blaue Farbe endlich sind
die Wasserleitungen, die Bassins und das Bett des Eridanos be-
zeichnet.

Wer die alte Stadt durch das Dipylon betrat, gelangte zum
Markte auf einem breiten, von Hallen eingefafsten Wege, dem
»Dromos«, dessen Lage und Richtung wir durch eine kleine Aus-
grabung in dem Quadrate C 2 bestimmt haben. In der Gegend
des Ouadrates B 1 mufs dieser Dromos den Eridanosbach über-
Antike Denkmaelek 1899—1901.

schritten haben. Genau ist diese Stelle nicht anzugeben, weil der
Lauf des Eridanos noch nicht im einzelnen bekannt ist. Aus
demselben Grunde habe ich auch den Bach nur mit punktirten
Linien in den Plan eintragen können.

Die Lage der griechischen Agora, des Centrums der alten
Stadt, war bis vor kurzem noch strittig. Die verschiedenen
Ansichten darüber haben zuletzt Hitzig - Blümner (Pausanias
I 137) zusammengestellt. Jetzt haben wir die westliche Be-
grenzung des Marktes durch Grabungen in den Quadraten D 3
und C 3 festgelegt und damit den ersten Schritt zur Aufdeckung
dieses hochwichtigen Platzes gethan. An seiner westlichen Seite
haben wir zwei mit Säulenhallen ausgestattete Gebäude gefunden,
die dicht am östlichen Fufse des sog. Theseionhügels, des Kolonos
Agoraios, liegen. Das nördlichere von ihnen halte ich für die
Stoa Basileios, das Amtslokal des Archon Basileus, das Pausanias
als nördlichstes Gebäude an der Westseite der Agora nennt. Ein
südlich neben ihm aufgedeckter Weg1 führte einst vom Markte in
gerader Linie zu dem noch wohl erhaltenen dorischen Tempel
hinauf, in dem ich trotz neueren Widerspruchs noch immer den
oberhalb der Stoa Basileios gelegenen Tempel des Hephaistos
und der Athena erkenne.

Über die Ausdehnung des Marktes nach Osten sind wir noch
nicht unterrichtet. Ich glaube nicht, dafs sich der Staatsmarkt,
die »freie Agora« Piatons, bis zur Attalos-Stoa ausdehnte, sondern
rechne die letztere mit ihren Kaufbuden schon zum Kaufmarkte
und glaube, dafs der Platz vor dieser Stoa eine hellenistische
Erweiterung des alten Marktplatzes bildete. In ähnlicher Weise
wurde in römischer Zeit noch weiter östlich ein neues, ebenfalls
als Kaufmarkt dienendes Forum errichtet, dessen noch aufrecht
stehendes Thorgebäude am rechten Rande unserer Tafel 37 in
F 4 zu sehen ist.

Auch die Ausdehnung des griechischen Marktes nach Süden
konnte im Plane noch nicht angegeben werden, obwohl es nicht
zweifelhaft ist, dafs er sich bis zum Fufse des Areopags erstreckte.
Ich habe ihn zunächst nur bis an ein antikes Gebäude gezeichnet,
das wir in der südwestlichen Ecke des Ouadrates D 4 gefunden
haben. Vermutlich dehnte er sich aber aus bis zu der antiken
Strafse, die wir zwischen B 4 und B 5 durch Ausgrabungen fest-
gestellt und im Plane als Weg zum Piräus-Thor bezeichnet haben.
Der südliche Abschlufs des Marktes und seine Verbindung mit
dem westlich und südlich vom Areopag aufgedeckten Stadtteile
kann erst durch weitere Ausgrabungen, welche die Griechische
Archäologische Gesellschaft vornehmen will, im einzelnen fest-
gestellt werden.

Die vielen antiken Strafsen und Gebäude, welche weiter süd-
lich in den Quadraten C 6 bis C 9 ausgegraben wurden, sind in
gröfserem Mafsstabe auf Tafel 38 dargestellt, können aber in
ihrer allgemeinen Lage und besonders in ihrem Verhältnis zu den
umliegenden Höhen auf unserer Tafel 37 besser beurteilt werden.

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